Neuer Tarifvertrag für Bayerns Industrie: Können so Jobs in der Region gerettet werden?

Von Lorenz Nix · 24. April 2026 um 15:06

Mit einem neuen Tarifvertrag können sich Betriebe in Bayern einfacher Personal untereinander ausleihen. Ist das auch eine Lösung für den Raum Regensburg, um Jobstreichungen und Kurzarbeit zu vermeiden?

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Die schwierige konjunkturelle Lage trifft auch zahlreiche Beschäftigte in der Region: Der Autozulieferer Benteler streicht in Schwandorf etwa 80 Jobs, beim Halbleiterhersteller ams Osram sollen in Regensburg sogar bis zu 500 Arbeitsplätze wegfallen. Die Continental-Abspaltung Aumovio will in der Oberpfalz-Metropole etwa 100 Stellen abbauen. Die Liste ließe sich weiter fortführen. Damit die Zahl der Unternehmen, die zu solchen drastischen Maßnahmen greifen müssen, nicht noch weiter zunimmt, haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie nun einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen.

Der „Tarifvertrag zum regionalen Personaleinsatz“ (TV RPE) ermögliche, dass zwei Betriebe sich gegenseitig Personal überlassen können, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (vbm) und der Gewerkschaft IG Metall. Dabei gehe es darum, Kurzarbeit, eine kollektive Absenkung der Arbeitszeit und auch Entlassungen zu vermeiden. „Beschäftigte können also vorübergehend in anderen Betrieben eingesetzt werden, um eigene Einkommensverluste zu vermeiden und unterschiedliche Kapazitätsauslastungen in den Betrieben auszugleichen“, heißt es in der Mitteilung. Gleichzeitig könne durch den neuen Tarifvertrag getestet werden, ob Menschen, die in ihrem eigentlichen Betrieb entlassen werden müssten, in einem anderen Unternehmen eine Perspektive geboten werden könne.

Brossardt: Tarifvertrag als „Instrument zur Krisenbewältigung“

Vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt spricht von einer „innovativen Lösung in konjunkturell und strukturell herausfordernden Zeiten“. Der Tarifvertrag sei „ein Instrument zur Krisenbewältigung, gerade bei schwieriger Beschäftigungslage und Personalüberhang“.

Für Brossardt handele sich um eine „Win-win-Situation für zwei Betriebe“, aber auch Arbeitnehmer profitieren ihm zufolge. Horst Ott, Bezirksleiter der bayerischen IG Metall, betont, dass nur Beschäftigte, die einem Wechsel zustimmen, dafür in Frage kommen. „Bei Ablehnung dürfen ihnen keine Nachteile entstehen.“ Grundsätzlich müsse auch der Betriebsrat grünes Licht geben, damit ein Unternehmen dem Tarifvertrag beitreten kann.

Arbeitgebervertreter Brossardt zufolge sind die Unternehmen durch die Vereinbarung „von den strengen gesetzlichen Regelungen befreit, die sonst bei der Arbeitnehmerüberlassung gelten“. Im Gegenzug bekommen die Beschäftigten, die gewechselt sind, bei ihrem neuen Arbeitgeber auf Zeit das gleiche Gehalt wie zuvor. Von einer flächendeckenden Nutzung des Tarifvertrags geht man bei der IG Metall zwar nicht aus, „doch in bestimmten Situationen kann er für Beschäftigte und Betriebe ein gutes Instrument sein, um Entgelt, Beschäftigung und Fachkräfte zu sichern“, sagt Brossardt.

Noch keine Anwendung des Tarifvertrags im Raum Regensburg geplant

Ob der Tarifvertrag in der Region zur Anwendung kommt, ist allerdings offen. Gerade der Raum Regensburg könnte aber aufgrund seines Branchenmixes profitieren: Zu kriselnden Autozulieferern gesellen sich gut laufende Hersteller von Energietechnik. Damit scheint der Standort für den Austausch von Beschäftigten besser geeignet, als andere Regionen in Bayern, die stärker von der Autoindustrie abhängig sind.

Bislang seien aber keine konkreten Projekte geplant, sagt Rico Irmischer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. Er sieht den neuen Tarifvertrag positiv: „Das ist ein guter Abschluss, um in besonderen Situationen vor Ort schnell Lösungen zu finden.“ Weil Hürden für die Arbeitnehmerüberlassung abgebaut werden, handele es sich dabei auch um einen Beitrag zur Entbürokratisierung.

Der Gewerkschaftschef weist aber darauf hin, dass die Anwendung des Tarifvertrags nicht zum Standard bei kriselnden Firmen werde. Es müsse je nach Einzelfall genau geprüft werden, was die beste Lösung für Beschäftigte und Unternehmen sei. „Das ist hochindividuell“, sagt Irmischer.