„Servus Ludwig“: Überraschungsparty für den Berchinger Bürgermeister

Der Bürgermeister von Berching im Landkreis Neumarkt leitete am Dienstag seine letzte Stadtratssitzung. Während seiner Abschiedsrede stürmten Weggefährten das Rathaus. Mit Geschenken, Gedichten und lustige Anekdoten brachten sie den 66-Jährigen zum Lachen. In einem Moment allerdings wurde Ludwig Eisenreich sehr emotional.
„Beim Volksfest ist er nie allein – da schenkt er aus, da lädt er ein“: Mit einem Gedicht verabschiedeten die beiden Bürgermeister-Stellvertreter Christian Meissner und Petra Merkert Ludwig Eisenreich bei seiner letzten Stadtratssitzung am Dienstagabend.
Zuvor hatte sich Eisenreich mit einer letzten Rede von den Stadträten verabschiedet, bevor er am 30. April seine Schlüssel im Rathaus abgibt. „Es war mir eine große Ehre und Freude, in meinen drei Amtsperioden als Bürgermeister meinen Anteil leisten zu können“, sagte Eisenreich und bedankte sich im Laufe seiner Rede bei zahlreichen Wegbegleitern: bei Stadträten, Ortssprechern, Ehrenamtlichen, Unternehmen, Vereinen, dem „engagierten und fachlich kompetenten Team der Stadtverwaltung, das im Normalfall gut gelaunt ist“, und bei seiner Familie.
Während seiner Rede wird der Bürgermeister emotional
Allen voran dankte er seiner Ehefrau Angelika. Während er den ganzen Vortrag über laut und deutlich redete, wurde Eisenreichs Stimme zittrig, als er über seine Angelika sprach. Man hatte den Eindruck, Eisenreich kämpfte kurz mit den Tränen, als er sagte: „Angelika hat mir in meiner Amtszeit immer – vor allem in schwierigen Zeiten – den Rücken gestärkt, mich unterstützt und mir Mut gemacht.“

Ausdrücklich hob Eisenreich auch die Feuerwehren in der Gemeinde Berching hervor. Dass er ein besonderes Verhältnis zu den Einsatzkräften hat, zeigte sich nicht nur daran, dass eine Abordnung an Führungskräften Eisenreich am Ende seiner letzten Sitzung überraschte – unter anderem mit einem Bild, auf dem alle Einsatzfahrzeuge der Berchinger Wehren zu sehen sind.
Auch Eisenreichs Nachfolger Dietmar Zeller griff die besondere Beziehung zwischen Bürgermeister und Feuerwehren in einer humorvollen Rede auf: „Ich glaube, du hast Feuerwehrautos nicht nur als Einsatzfahrzeuge, sondern auch als politische Prestigeobjekte gesehen. Und wer kann es dir verdenken? Schließlich ist ein neues Feuerwehrauto wie ein neues Spielzeug – nur etwas teurer, dafür aber mit Martinshorn und Blaulicht.“

Witzig wurde es auch, als Zweiter Bürgermeister Christian Meissner von einem besonderen Moment mit Eisenreich erzählte. Als die Kulturhalle eingeweiht wurde und sich die Veranstaltung dem Ende neigte, klopfte Meissner kumpelhaft einem Mann von hinten auf die Schulter und sagte zu ihm: „Etz geh ma hoam.“ Meissner dachte, er sprach mit CSU-Stadtrat Andreas Höffler. Doch weit gefehlt. Es war der stellvertretende Regierungspräsident. Die für Meissner peinliche Situation entschärfte Eisenreich mit lockeren Sprüchen, „sodass die Zuschüsse von der Regierung für die Kulturhalle in keiner Weise gefährdet waren“.
Redner erzählen in der Sitzung lustige Anekdoten
Anekdoten zu manch scheidendem Stadtrat hatte auch Eisenreich parat, als er elf Gremiumsmitglieder würdigte und jeweils ein Geschenk überreichte. Daniel Mosner hatte Eisenreich einst persönlich dazu ermutigt, 2020 für den Stadtrat zu kandidieren, erzählte der Bürgermeister: „Nachdem Xare einen Leserbrief über die erhöhten Kindergartengebühren geschrieben hatte, haben wir miteinander telefoniert.“
Eisenreich bedankte sich bei allen Stadträten für ihr Engagement. „Es verdient Respekt, dass ihr Verantwortung übernommen habt und ehrenamtlich viel Zeit und Kraft investiert und Ideen eingebracht habt“, sagte Eisenreich.
Auf seine drei Amtsperioden als Bürgermeister blickte Eisenreich alles in allem positiv zurück: „Es waren wahrscheinlich die 18 interessantesten Jahre meines bisherigen Lebens.“ Schon während der Rede überraschten nicht nur Feuerwehrkräfte den Bürgermeister im Sitzungssaal, sondern es trafen auch Stadtpfarrer Francesco Benini sowie Festwirt Marco Härteis mit seiner Frau Sabine im Rathaus ein.
Gemeinsam ließen sie den Abend unter dem Motto „Servus Ludwig“ bei Bier und Schnittchen ausklingen.