Von A wie Akkordeon bis Z wie Zündschnur: Berchings Bürgermeister blickt zurück

Am 30. April hat Ludwig Eisenreich seinen letzten Tag als Berchinger Bürgermeister. Zuvor blickt der 66-Jährige auf seine 18 Jahre Amtszeit zurück. In unserem „A bis Z“ spricht Eisenreich über Kritiker, Erfolge, Fehler – und wann er an die Decke geht.
A wie Akkordeon: Wird man Sie auch nach Ihrer Zeit als Bürgermeister in Berching Quetschn spielen hören?
Ludwig Eisenreich: Das Akkordeon ist ja das Instrument des Jahres 2026. Man wird mich ab und an auch mal wieder mit meinem neuen Instrument in Berching spielen hören.

B wie Berching: Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf Ihre 18 Jahre Amtszeit als Bürgermeister zurück?
Eisenreich: Mit einem zufriedenem Gefühl. Ich konnte während meiner Amtszeit mit dem Stadtrat die Kernstadt und die Ortsteile weiterentwickeln und einiges bewegen. So wurden zum Beispiel 20 Feuerwehren optimal ausgestattet und es wurde der nicht ganz einfache Ersatzneubau der Schule auf das Realisierungsgleis gestellt und die Finanzierung gesichert. Insgesamt blicke ich mit einem gemischten Gefühl aus Wehmut und Freude zurück: Wehmut, weil ich gerne Bürgermeister war. Aber ich freue mich auch auf die zeitliche Freiheit.
C wie Christoph Willibald Gluck: Wie wichtig war/ist der Komponist für Berching?
Eisenreich: Unter meiner Amtszeit wurden die touristischen Autobahnschilder mit Hinweis auf die historische Gluckstadt angebracht, Berching zur Gluckstadt ernannt und die Kulturhalle nach Gluck benannt. Sein 300. Geburtstag wurde mit großem finanziellen Aufwand gefeiert. Diese Euphorie hat nun aber ein bisschen nachgelassen. Gluck ist wichtig für Berching, aber beim Bekanntheitsgrad ist noch Luft nach oben. Doch die Stadt kann nur mit entsprechenden Mitteln unterstützen.
D wie Dackel: Was ist Ihr Lieblingstier?
Eisenreich: Der Hund von meinen Freunden. Er heißt Maxi.
E wie Ehrenamt: Manche haben sich von Ihnen nicht genug wertgeschätzt gefühlt. Können Sie das rückblickend nachvollziehen und hätten Sie anders handeln sollen?
Eisenreich: Einige wenige Ehrenamtliche haben sich nicht wertgeschätzt gefühlt, doch ich habe das Ehrenamt immer hochgehalten, was bei über 180 Vereinen keine leichte Aufgabe ist. Als Zeichen wurden von mir etliche Ehrenamtliche, die es sich redlich verdient haben, mit der Ehrenmedaille der Stadt ausgezeichnet. Auch an die vielen Ehrenamtlichen, vor allem bei den 20 Feuerwehren und den zahlreichen Vereinen, die ihre wertvolle Zeit als Vereinsfunktionäre opfern, denke ich mit Dankbarkeit zurück.
F wie Fußball: Früher haben Sie Stürmer und Rechtsaußen gespielt. Welche Eigenschaft haben Sie vom Fußball mit in das Amt des Bürgermeisters genommen?
Eisenreich: Ich bin nach wie vor ein Gerechtigkeitsfanatiker. Ich habe keine einzige rote Karte erhalten – und diese Fairness habe ich mit in das Bürgermeisteramt übernommen.
G wie Gesundheit: Wie geht es Ihnen nach Ihren beiden Hüftoperationen?
Eisenreich: Mir geht es nach meinen Operationen sehr gut. Ich kann wieder größere Wanderungen unternehmen und Skifahren.

H wie Humor: Über was können Sie lachen – und wann hört der Spaß auf?
Eisenreich: Über gute, wirklich gute Witze mit einer treffenden Pointe kann ich herzhaft lachen. Bei Witzen, die unter die Gürtellinie gehen oder andere Personengruppen beleidigen, hört bei mir der Spaß auf.
I wie Innenstadt: Zum einen wurde sie während Ihrer Amtszeit saniert, zum anderen haben auch einige Geschäfte dichtgemacht. Wie blicken Sie auf die Entwicklung der Altstadt zurück?
Eisenreich: Das Geschäftssterben ist auch in anderen Gemeinden im Zeitalter des Internetkaufs ein Problem, das sich schwer von der Kommune lösen lässt. Dennoch haben wir die Altstadt mit dem Spielplatz im Hollnberger-Park, dem Bewegungspark am Ludwigskanal, der Sulzbühne im Kufferpark und der Schaffung von Aufenthaltsplätzen und Barrierefreiheit sehenswert saniert. Ebenso bringen die Kulturhalle und die Post neues Leben.

J wie Jugend: Bereuen Sie es, dass die Kulturfabrik nicht längst abgerissen ist, dort Wohnfläche geschaffen und ein Jugendzentrum gebaut wurde?
Eisenreich: Man nimmt sich als Bürgermeister und Stadtrat viel vor, aber aus den verschiedensten Gründen (Finanzen oder anderen Pflichtaufgaben) kann man nicht alles schaffen. Das Jugendzentrum konnte aus finanziellen Gründen nicht gebaut werden, doch es zeichnet sich eine gangbare Lösung ab (Anm. d. Red.: Wie diese aussieht, verrät der Bürgermeister auf Nachfrage nicht).
K wie Kritik: Was antworten Sie Kritikern, die Ihnen vorwerfen, dass nichts mehr vorangegangen sei in den letzten Monaten Ihrer Amtszeit?
Eisenreich: Ich habe auch in den letzten Monaten 70 bis 80 Stunden in der Woche gearbeitet. Es wurden neben etlichen Abendterminen viele Projekte bearbeitet, unter anderem Feuerwehr, Schule, Kita, Dorferneuerung, Grunderwerb, Straßen- und Radwegebau, Faulturm. Aber wie heißt es so schön: Es wird selten so viel gelogen wie vor einer Hochzeit, bei einer Beerdigung oder vor einer Wahl. Misstrauisch werden sollten Bürger, wenn zwei, drei Monate vor dem Wahltag die großen Versäumnisse und Sünden des Bürgermeisters oder der momentan am Ruder befindlichen Stadträte aufgedeckt werden. Kritik ist wichtig, aber Kritik muss begründet sein und der Wahrheit entsprechen.
L wie Laster: Wann wird der Bürgermeister schwach?
Eisenreich: Wenn ich vor einem schönen Vanille-Eisbecher sitze – was aber leider zu selten der Fall war und ist.
M wie ein Moment, den Sie nie vergessen werden.
Eisenreich: Ich konnte zweimal die BR-Radltour nach Berching holen. Ein Moment, der mir dabei in Erinnerung bleiben wird: Als ich 2018 auf der Bühne am Festplatz weit über 10 000 Besucher im schönen Berching begrüßen durfte.

N wie Notlüge: Was war Ihre letzte Notlüge?
Eisenreich: Auch der Bürgermeister hat Geheimnisse.
O wie Obermässing: Was schätzen Sie an Ihrer Heimat besonders?
Eisenreich: Obermässing ist mein Geburts- und Wohnort, die letzten Jahre jedoch aufgrund der zeitraubenden Tätigkeit als Bürgermeister fast nur noch Schlafgelegenheit. An Obermässing schätze ich unseren Garten, die Ruhe und die Nähe zur Natur.
P wie Projekte: Welches Projekt war Ihr größter Erfolg ?
Eisenreich: Nach 18 Jahren kann man nicht nur ein Projekt hervorheben. Als größte Erfolge würde ich die gelungene Altstadtsanierung mit dem Bau der Kulturhalle sowie die Weiterentwicklung unserer Dörfer sowie die vielen Straßen- und Radwegebauten nennen.
Q wie Quatsch: Was war Ihr größter Fehler als Bürgermeister?
Eisenreich: Der größte Fehler war, dass ich den zeitlichen Arbeitsaufwand als Bürgermeister in Berching – eine der größten Flächengemeinden in Bayern mit 43 Ortsteilen, 200 Kilometer Gemeindestraßen, 1000 Kilometer Feld- und Waldwegen, 20 Feuerwehren und über 180 Vereinen – unterschätzt habe.
R wie Rossmarkt: Was war Ihr schönster Moment auf der Pferdeschau?
Eisenreich: Zum einen, als Willi Gailler (damals noch Bürgermeister in Freystadt) und ich dem Ministerpräsidenten auf der Bühne das Prädikat „Mittelzentrum Berching-Freystadt“ abgerungen haben. Und zum anderen, als ich 2011 kurz vor dem Rossmarkt von einem Radiosender beim Spaßtelefon reingelegt wurde.

S wie Schule: Warum können Sie nur den Spatenstich statt der Fertigstellung feiern?
Eisenreich: Gut Ding will Weile haben. Natürlich dauert der Planungsprozess schon ein paar Jahre. Die Gründe sind vielfältig: die sehr gewinnbringenden Diskussionen im Arbeitskreis, die anfangs lange Diskussion, ob saniert und teilweise neu gebaut wird oder komplett neu gebaut wird, die lange Standortsuche – und die Finanzierung. Aber die Verzögerung lohnt sich: Denn die Förderung wird aus Mitteln des Sondervermögens des Bundes um zehn Prozent erhöht.
T wie Triathlon: Wie sehr können Sie Ihrem Hobby noch nachgehen?
Eisenreich: Bisher musste ich meine Aktivitäten aus beruflich begründeten zeitlichen Gründen einschränken oder absagen. Doch nach dem 30. April werde ich mein Rad wieder auf Vordermann bringen.
U wie Urlaub: Was ist Ihr Lieblingsreiseziel?
Eisenreich: Südtirol.
V wie Veränderung: Wie sieht Ihr Leben ab Mai aus?
Eisenreich: Erst einmal muss ich zuhause ankommen. Ich habe keine großen Pläne für den Ruhestand, eher Ziele. Ich will etwa eine neue Tagesstruktur finden. In den Tag hineinleben will und werde ich nicht. Es stehen einige Arbeiten am Haus an und ich will mehr auf meine Gesundheit achten. Reisen, Wandern, Basteln, Sport, Familie, Freundschaften pflegen, Garten, Musik – und vor allem ein Leben ohne Termindruck sind angesagt.
W wie Wandern: Sie wollen zu Fuß in Rente gehen.
Eisenreich: Ja, ich gehe im wahrsten Sinne des Wortes in Rente und es werden mich einige Personen begleiten – und zwar bei einer Wanderung vom Berchinger Rathaus aus Richtung Heimat. Ich gebe meine Schlüssel an meinem letzten Arbeitstag am 30. April ab – und dann wandern wir los.
X wie XL: Wie viele Anzüge haben Sie zuhause – und wie viel Mitspracherecht hat Ihre Frau?
Eisenreich: Derzeit hängen circa zehn Anzüge im Schrank. Meine Frau hat mich aber noch nie bei Modefragen unterstützen müssen.
Y wie Yes: Ja haben Sie damals zu Ihrer Frau Angelika bei Ihrer Hochzeit gesagt. Wie sehr hat Sie Ihre Frau in Ihrer Amtszeit unterstützt?
Eisenreich: Meine Frau hat mir immer den Rücken gestärkt, mich unterstützt und mir Mut gemacht. Ohne sie wäre das nicht möglich gewesen. Deshalb danke ich ihr sehr.
Z wie Zündschnur: Wann war Ihre Zündschnur das letzte Mal zu kurz?
Eisenreich: Meine Zündschnur ist zu kurz, wenn ich für etwas verantwortlich gemacht werde, das andere durch Unvermögen und Unzulänglichkeiten zu verantworten haben. (Anm. d. Red.: Ein konkretes Beispiel nannte Eisenreich auch auf Nachfrage nicht.)