Paukenschlag in Berching: Bürgermeisterkandidat tritt von politischen Ämtern zurück

Von Bernhard Neumayer · 14. April 2026 um 05:00

Im März wollte er Bürgermeister werden, jetzt zieht Lothar Bierschneider einen Schlussstrich bei den Freien Wählern in Berching (Landkreis Neumarkt). Mit der Niederlage bei der Wahl habe die Entscheidung allerdings nichts zu tun, betont er. Persönliche Anfeindungen dagegen hätten eine Rolle gespielt.

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Paukenschlag bei den Freien Wähler: Lothar Bierschneider hat die Mitglieder des Ortsverbandes darüber informiert, ab sofort seine Ämter als Vorsitzender und Fraktionsvorsitzender niederzulegen. Außerdem will er sein Stadtratsmandat für die neue Wahlperiode ab Mai nicht annehmen.

Zur Erinnerung: Bierschneider hatte im März als Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler kandidiert, erhielt aber die wenigsten Wählerstimmen der drei Kandidaten: 25,8 Prozent. Doch dieses Ergebnis habe seine Entscheidung nicht beeinflusst, betont Bierschneider auf Nachfrage unserer Zeitung: „Ich habe mir das extra in Ruhe überlegt und keinen Schnellschuss nach der Wahl gemacht.“

Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. Sie sei das Ergebnis eines längeren Abwägungsprozesses, in dem mehrere persönliche und politische Faktoren zusammengekommen seien. „Mir ist und war es wichtig, meinen persönlichen Überzeugungen treu zu bleiben und mich und meine Überzeugung in der täglichen politischen Arbeit wiederzufinden“, sagt Bierschneider. Unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen in Berching falle ihm das zunehmend schwer.

Inhaltliche Differenzen, aber auch persönliche Gründe

Bierschneider meint damit vor allem die Vision 2050 von Berching, mit der er im Wahlkampf versucht hatte, zu punkten. Inhalt der Vision war unter anderem, die Schule nicht am geplanten Standort neu zu bauen, sondern ein Schulzentrum nahe der Realschule zu errichten. Am jetzigen Standort der Grund- und Mittelschule hatte sich Bierschneider einerseits einen Treffpunkt für die Jugend, andererseits Betreutes Wohnen vorgestellt.

„Ich bin davon nach wie vor überzeugt und kann jetzt nicht alle Gedanken dieser Vision streichen“, sagt Bierschneider. Das Stadtratsgremium hat bekanntlich andere Ideen. „Darin finde ich mich aber nicht mehr“, sagt Bierschneider. Er hätte bei jeder Entscheidung dagegen stimmen oder meckern müssen, die gegen seine Vision spricht. Und das will er nicht. „Da hätte ich meiner Fraktion auch keinen Gefallen getan.“

Bierschneider spricht von persönlichen Angriffen

Neben inhaltlichen Differenzen führt Bierschneider auch persönliche Angriffe und falsche Behauptungen als Gründe für seinen Rücktritt an. Teilweise reichten diese bis in sein privates Umfeld hinein, was ihn in seiner Entscheidung bestärkt habe. Welche Gerüchte gestreut worden seien, will Bierschneider öffentlich nicht sagen – um sein Umfeld zu schützen. Nichtsdestotrotz sei er sehr gerne Stadtrat, Jugendbeauftragter und Partnerschaftsreferent gewesen. „Es war mir eine große Ehre.“ Jetzt sei es aber an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen – zumindest in Berching. Ob Bierschneider sein Mandat im Kreistag annimmt, lässt er noch offen. Er wolle sich erst mit den Verantwortlichen auf Kreisebene besprechen.

Auf Ortsebene in Berching dagegen gibt es definitiv einen Neuanfang für die Freien Wähler. Bierschneider hat die FW-Mitglieder am Samstag bei einem Treffen persönlich sowie schriftlich über sein Aus informiert.

FW: Mitglieder sind überrascht, schockiert, verständnisvoll

Die Reaktionen darauf fielen unterschiedlich aus: von überrascht über schockiert bis zu verständnisvoll. Das teilt der neue Fraktionssprecher Christoph Herbaty mit. Er wurde am Samstag einstimmig für diesen Posten gewählt, ein Vorsitzender des Ortsverbandes muss noch gewählt werden. Herbaty respektiere Bierschneiders Aus und könne die Entscheidung zu einem gewissen Maße auch verstehen. „Wie hätte das funktionieren sollen, wenn Lothar hinter der Vision 2050 steht?“

Stadtrat in Berching: Wer rückt für Bierschneider nach?

Trotz des Rückzugs von Bierschneider sieht Herbaty die Freien Wähler im Stadtrat gut aufgestellt. Für die neue Periode ist Georg Brandl der erste Nachrücker der FW. Doch wie das Prozedere nun korrekt abläuft, konnte die Stadtverwaltung am Montag noch nicht mitteilen. Denn der Rückzug Bierschneider fällt noch in die Periode des alten Stadtrates, ab Mai trifft sich ja erst das neue Gremium.