Waldrätsel für Familien und Ratefüchse: Wie viele Holzfiguren stehen am Kalvarienberg in Cham?

Von Mittelbayerische Zeitung · 22. April 2026 um 17:00

Zwei Pensionisten aus Cham verschönern den heimischen Stadtwald mit Handwerkskunst – und möchten damit mehr junge Familien zurück in die Natur locken. Neu ist: Klein und Groß sollen gemeinsam auf die Jagd nach Holzfiguren gehen.

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„Aufgrund kranker Bäume musste die Stadt Cham im Stadtwald am Kalvarienberg einiges fällen“, erklärt Bürgermeister Martin Stoiber. „Früher waren das hier nur die sogenannten Anlagen“, fügt Franz Rackl hinzu. Der ehemalige Gymnasiallehrer war zusammen mit seinem Nachbar und Freund Dr. Hans Schneider, früher Chefarzt im Chamer Krankenhaus, für die künstlerische Gestaltung zuständig.

Stadtwald ist eine versteckte Idylle, ein Erholungsgebiet

Beide wohnen nicht weit entfernt von ihrem neuesten Werk in der Katzberger Straße. „1900 wurde dieser Wald erstmals angelegt. 2001 bekam er den Namen ‚Stadtwald‘“, so Rackl. Dadurch wollte man ihn ins Rampenlicht rücken. Die versteckte Idylle soll nicht mehr nur ältere Spaziergänger und Hundebesitzer anlocken. „Eigentlich ist das hier ein super Erholungsgebiet“, meint Schneider.

Das neue Projekt sei nun ein Versuch, auch Kinder und ihre Familien anzulocken, erklärt Katrin Pielmeier von der Tourist-Info in Cham. Das Team ist zusammen mit Rackl Urheber der Rätsel-Idee. Doch „in der Regel stehen immer die Frauen dahinter“, denn Franz Rackls Ehefrau sei diejenige gewesen, die die beiden Pensionisten auf die Idee gebracht habe, verschiedene Tierfiguren aus Holz für das Quiz anzufertigen. Das ließen sich die beiden nicht zweimal sagen.

Um mit dem Rätsel starten zu können, müssen in der Chamer Tourist-Info am Kirchplatz Flyer abgeholt werden. In diesen kann man die Anzahl der jeweils gefundenen Tierfiguren eintragen. Hat man die beiden Raben entdeckt, die nahe Rackls Lieblingsbank mit Aussicht auf die Bayerwald-Berge befestigt wurden? „Wie viele Marder sind da?“ und „Wie viele Mäuse verstecken sich?“, fragt der Flyer die Rätsellustigen ab. So wird dann der Weg durch das Wäldchen hinter dem Fußballplatz bestritten.

Wie viele Tierfiguren die beiden insgesamt im Zeitraum von etwa einem halben Jahr angefertigt haben, bleibt vorerst ein Geheimnis. Denn wer am Ende richtig gezählt hat, darf sich unter Vorlage der Lösung einen thematisch abgestimmten Preis in der Tourist-Info abholen. Auch Schneider nimmt sich ein paar mit: „Wenn ich mit den Verwandten herkomme, dass ich sie dann auch selber alle finde!“ „Man kann sich damit gut Zeit lassen“, fügt Pielmeier hinzu. Das Ziel sei schließlich ein „Aufenthalt“ im Wäldchen. „Auch für Schulklassen wäre das ein toller Ausflug“, ergänzt Rackl.

Es handelt sich um heimische Tiere, die hier in der Umgebung zu finden sindFranz Rackl

Bürgermeister Martin Stoiber lobt: „Man muss den beiden Herren gebührend dafür danken“. Etwa 120 Arbeitsstunden seien in dieses Projekt geflossen. Schneider ergänzt: „Trotzdem geschieht das alles per Learning by Doing.“ Die Treffen finden in „unregelmäßiger Regelmäßigkeit“ statt. Seit Allerheiligen 2025 saßen die zwei Nachbarn an diesem Projekt. „Es handelt sich um heimische Tiere, die hier in der Umgebung zu finden sind“, erklärt der pensionierte Biologie-Lehrer.

Wer gegenüber des Parks sein Auto abstellt, dem fallen sofort die ersten Schnitzarbeiten ins Auge. Für ihre Heimat „am Katzberg“ typisch haben sie es sich natürlich nicht nehmen lassen, ca. 40 Zentimeter große Katzenfiguren auf den abgeschnittenen Bäumen thronen zu lassen. „Der Adler schaut auf die Stadt Cham hinab“, beschreibt Rackl. Ein echter Blickfang. Montiert wurden die Figuren alle mit einer Hebebühne. „Wir wären mit gehobenem Alter nicht hochgekommen“, scherzt Schneider. Die Sicherheit im öffentlichen Raum sei bei der Befestigung von großer Wichtigkeit gewesen.

Lärchenholzfiguren sind nicht nur bei der Stadt beliebt

„Weiter hinten verstecken sich Fuchs und Hase, die sich Gute Nacht sagen“, spaßt Rackl auf dem Weg vom Stadtwald zurück zu Schneiders Werkstatt. Dort fertigen sie kleine Modelle an, schnitzen und kolorieren ihre Lärchenholz-Figuren. „Sie sind witterungsfest“, betonen beide. Der ehemalige Lehrer sei für die Ideensgebung zuständig, während der pensionierte Arzt das Wissen aus seiner Schreinerausbildung einfließen lässt.

„Die Figuren sehen auf Augenhöhe gleich ganz anders aus“, so Schneider, während er neben den etwa ein Meter hohen Wölfen posiert, die noch bei ihm zu Hause stehen. Die beiden haben bereits Figuren für die Landesgartenschau oder das BRK angefertigt. Und auch kommende Projekte sind bereits in der Planung. „Eventuell können wir bald noch etwas für das Seniorenheim machen“, so Rackl. „Inzwischen bekommen wir auch viele Privataufträge.“

Figuren aus Holz sind das Steckenpferd der zwei Künstler. - Foto: Hannah Hötzl

Einfach mitmachen

■ Start: Die Flyer gibt’s in der Tourist-Info.

■ Rätseln: Wie viele Tiere finden sich im Wald? Mit dem ausgefüllten Flyer geht’s zurück an den Kirchplatz.

■ Zu gewinnen: Das wird nicht verraten – am besten selbst herausfinden!