Schloss Pirkensee wird saniert – doch der Eigentümer hadert mit dem Denkmalschutz

Von Norbert Wanner · 21. April 2026 um 05:00

Nach jahrelangem Ringen mit den Denkmalschützern ist die Sanierung von Schloss Pirkensee (Maxhütte-Haidhof, Landkreis Schwandorf) durch Eigentümer Robert Gerstl endlich im Gange. Der Investor sieht das komplizierte Genehmigungsverfahren kritisch, doch das Landesamt für Denkmalpflege dagegen befindet: „Der genehmigte Antrag ist das Ergebnis eines längeren Abstimmungs- und Überarbeitungsprozesses.“

Video ansehen

Blickt man auf die Vorgeschichte zeigt diese, dases in der Tat ein zäher Abstimmungsprozess war. Immer wieder berichtete die Mittelbayerische, beginnenim Jahrhr 2017, über das Thema. Auch dass Gerstl es sogar mit einer (erfolglosen) Petition beim Bayerischen Landtag versuchte, spricht für sich. Und so bleibt für den Investor nach eigenen Angaben ein bitterer Beigeschmack, auch wenn es am Ende doch noch grünes Licht für seine Pläne gab.

Formal hat dafür eine Sitzung des Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschusses im Sommer des vergangen Jahres gesorgt. Damals gab es das gemeindliche Einvernehmen zum „Tekturantrag auf Dachgeschossausbau, Nutzungsänderung und -ergänzung; Schloss Pirkensee Veranstaltung, Büroflächen, drei Gästesuiten und fünf gewerbliche Appartements“.

Die unterschiedlichen Sichtweisen spiegeln sich in der jeweiligen Bewertung des Genehmigungsverfahrens wider. Auf die Frage, warum alles so lange gedauert habe, teilt Pressesprecherin Katharina Schmid vom Landesamt mit: Die eingereichten Unterlagen seien zunächst nicht vollständig gewesen und die Genehmigungsbehörde, die untere Denkmalschutzbehörde am Schwandorfer Landratsamt, habe wiederholt nachfordern müssen.

Nur wenige Änderungen am ursprünglichen Konzept

Dazu sei erst im September 2024 ein denkmalpflegerisches Gesamtkonzept vorgelegt worden. Zudem seien im Verlauf des Verfahrens wesentliche Planungsinhalte angepasst und überarbeitet worden.

Bei Gerstl dagegen klingt das anders. Die genehmigte Planung entspreche genau dem, was seit 2017 an denkmalschutzrechtlichen Bedenken gescheitert sei. Am ursprünglichen Konzept hätten sich lediglich zwei Dinge geändert: Statt 14 Doppelzimmern mit 30 Betten seien nun acht Appartements mit 20 Betten vorgesehen. Dazu entfalle die Gastronomie im Erdgeschoss, da unter heutigen Gesichtspunkten deren Wirtschaftlichkeit fraglich wäre.

Auf Schloss Pirkensee wird gebaut. Trotzdem bleiben für den Investor nach der langen Vorgeschichteinige Fragenen offen. - Foto: Norbert Wanner

Zu den Fakten zählt für Gerstl auch die Rechnung, die er nach dem jahrelangen Ringen aufmacht. Ursprünglich habe er Baukosten von fünf Millionen Euro erwartet. Durch die inzwischen deutlich gestiegenen Baupreise müsse dieser Betrag mehr als verdoppelt werden. Dazu seien auch die Zinsen nach oben geklettert. Ursprünglich hätte er 1,2 Prozent erhalten können, heute sei der Satz fast dreimal so hoch. Dazu seien in den Jahren ab 2017 Kosten von 3,5 Millionen Euro entstanden, um das Schloss in Stand zu halten und mit dem Hochzeitsbetrieb dort zumindest eine notdürftige Nutzung zu realisieren.

Allein durch gestiegene Baukosten samt den gestiegenen Finanzierungskosten entstehe ihm damit ein Schaden von rund neun Millionen Euro.

Bei alldem sei noch nicht einmal berücksichtigt, dass in all den Jahren auch der Verfall des Kleinods Schlosskapelle weiterging. Das im Rokokostil gehaltene Gotteshaus, das im Ostflügel beheimatet ist, enthälein Deckenfreskoko, das Cosmas Damian Asam zugeschrieben wird und das inzwischen regelrecht zerbröselt ist, wie ein Gang mit dem Schlossherrn durch die Kapelle zeigt. Eine Sanierung der Kapelle würde weitere Millionen verschlingen. Wegen der Kostenexplosion ein Vorhaben, das nach den Worten Gerstls derzeit nicht zu stemmen wäre.

Aus diesen Erfahrungen heraus hat Gerstl auch ein „Positionspapier eines Denkmaleigentümers verfasst“ und auch dem Landesamt vorgelegt. Die wichtigste Erkenntnis darin: „Denkmalpflege funktioniert nur zusammen mit dem Eigentümer, nicht gegen ihn“. Denn die gemachten Erfahrungen berührten grundsätzliche Fragen, wie nach Gerstls Angaben auch sein Vorhaben Schloss Etterzhausen zeigt. 2024 erworben, habe er hier binnen Wochen Unterstützung durch das Landesamt sowie das Landratsamt Regensburg erhalten, alles deutlich schneller gegangen.

Forderung: Standards in der Denkmalpflege

Gerstl fordert deshalb Standards in der Denkmalpflege. Es brauche Kriterien, anhand derer die Entscheidungen der Denkmalbehörden für einen Denkmaleigentümer jederzeit nachvollziehbar seien. Dass das möglich sei, beweise das Nachbarland Österreich. Dort gebe es das Kompendium „Standards der Baudenkmalpflege“. Für Gerstl, das zeigt sich auch im Positionspapierer, hängt zu viel an individuellen Entscheidungen. Erst eine personelle Änderung auf der Position des zuständigen Gebietsreferenten, habe einen Durchbruch ermöglicht.