Kirche bereit für Live-Übertragung: Nittenauer Pfarrei wird immer digitaler

Von Simon Heimerl · 21. April 2026 um 11:00

Halbdunkel liegt über der Stadtpfarrkirche Mariä Geburt in Nittenau (Landkreis Schwandorf). Zwischen den massiven Wänden des Kirchenbaus aus den 1970er-Jahren steht an diesem frühen Abend ein junger Mann im schwarzen Kapuzenpulli auf einer Leiter und justiert wie so oft konzentriert eine Kamera. Es ist Nicolas Süß, einer der treibenden Köpfe hinter einem Projekt, das die Kirche vor Ort in die digitale Zukunft führen soll.

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„Der Wunsch nach einem quasi dauerhaften Livestream war früh da“, erzählt Süß, während er einen letzten prüfenden Blick auf die Technik wirft. Schon während der Corona-Pandemie habe der Pfarrgemeinderat gemerkt, dass hier großes Interesse besteht. Doch der Aufwand war jedes Mal riesig. Mit dem neuen Pfarrer Holger Kruschina, der von Roding nach Nittenau wechselte, kam zusätzlicher Schwung in die Idee.

Gleichzeitig sei schnell klar geworden, welches Potenzial darin steckt: Gerade für ältere oder kranke Menschen sei es eine große Sache, die „eigene Kirche“ einmal wieder erleben zu können. Doch der Weg dorthin war alles andere als einfach. „Das größte Problem war tatsächlich die Internetverbindung, oder besser gesagt: dass es keine gab“, sagt Süß und lacht.

Übertragung blieb immer eine große Herausforderung

Da die Kirche über keinen Telefonanschluss verfügt, konnte keine herkömmliche Internetverbindung über einen Router aufgebaut werden. Und selbst der Mobilfunk scheiterte an den dicken Wänden. „Wir haben uns am Anfang wirklich damit beholfen, mehrere WLAN-Repeater hintereinanderzuschalten, bis wir irgendwie nach draußen gekommen sind. Dort stand dann ein Hotspot“, erinnert er sich. „Das war ehrlich gesagt ziemlich abenteuerlich und für stabile Livestreams völlig ungeeignet.“

Auch an den großen Feiertagen blieb es eine Herausforderung. „Wenn wir an Weihnachten oder an den Kar- und Ostertagen gestreamt haben, mussten wir die Technik vor jedem Gottesdienst auf- und hinterher wieder abbauen“, sagt Süß. „Das war ein immenser zeitlicher Aufwand, und am Ende hat man trotzdem gehofft, dass die Verbindung hält“, erzählt er.

Also suchte man nach dauerhaften Lösungen. Eine Idee: den Kirchplatz zwischen Pfarrheim und Pfarrkirche aufreißen und ein Kabel zum Pfarrheim verlegen. „Aber das ist natürlich für eine klamme Kirchenkasse kein Zuckerschlecken“, so Süß. Auch Richtfunk wurde diskutiert. „Wir haben überlegt, aus dem Dachboden des Pfarrheims in den alten Teil der Kirche zu funken, um eine Verbindung aufbauen zu können. Aber das war uns am Ende zu experimentell und schlicht zu teuer.“

Die entscheidende Idee kam schließlich aus dem eigenen Haus. „Unser Hausmeister Heiner Poiger hat uns darauf gebracht“, erzählt Süß. Poiger wusste, dass die Heizungen von Kirche und Pfarrheim über ein Steuerkabel miteinander kommunizieren. Und: Dieses Kabel hat noch mehrere ungenutzte Phasen. Diese Entdeckung wurde zum Durchbruch. „Dann haben wir von der Sakristei aus alles eingerichtet“, so Süß. „Das Bild- und Tonsignal wird im Keller der Pfarrkirche über ein PowerLAN-Modul auf ein Stromsignal gelegt, geht durchs bestehende Kabel rüber ins Pfarrheim und von dort ganz normal ins Internet.“ Die Umsetzung sei überraschend unkompliziert gewesen.

„Nicht immer, aber immer öfter“ lautet das Motto

„Die Kirchenverwaltung hat das im Umlaufverfahren genehmigt. So teuer war das am Ende gar nicht. Vor allem, weil der komplette Umbau in Eigenleistung passiert ist“, sagt er. Mit der neuen Infrastruktur konnten auch fest installierte Kameras eingebaut werden. Und auch für die Sicherheit tut sich etwas. „Wir hatten hier leider immer wieder mit Vandalismus zu tun“, berichtet Süß. „Von geklauten Blumenkübeln bis zu entsorgtem Altöl im Weihwasserbecken der alten Kirche gab es alles.“ Die neuen Überwachungskameras schaffen nun Abhilfe. Sie schicken ihre Bilder direkt über die neue Internetverbindung auf einen externen Server. Selbst wenn jemand eine Kamera zerstört, sind die Aufnahmen in Echtzeit gesichert.

Rein technisch könnten wir jetzt jeden Gottesdienst übertragen.Nicolas Süß, Mitarbeiter im Katholischen Pfarramt Mariä Geburt Nittenau

Bleibt die Frage, wie es mit den Livestreams weitergeht. „Rein technisch könnten wir jetzt jeden Gottesdienst übertragen“, sagt Süß. „Aber wir brauchen halt genug Ehrenamtliche, die das Streamingdeck bedienen können.“ Deshalb werde das Angebot Schritt für Schritt ausgebaut. „Nicht immer, aber immer öfter“, fasst er zusammen.

Die Band Brot-Zeit hat bald einen großen Auftritt – nicht nur beim Jugendgottesdienst in Nittenau, sondern auch im World Wide Web. - Foto: Simon Heimerl

Ein erster Höhepunkt steht bereits fest: Am 2. Mai um 18 Uhr findet ein Gottesdienst mit der Kirchenband „Brot-Zeit“ statt, der unter dem Thema „Glück“ steht. „Das wird so ein bisschen der Auftakt für die neue Phase“, sagt Süß. Die Proben laufen bereits.

Und Nicolas Süß? Der steigt von seiner Leiter, zufrieden mit dem Fortschritt. „Den Gottesdienst mit Brot-Zeit wird man hier in der Kirche erleben können“, sagt er mit einem Lächeln. „Und jetzt eben auch vor dem heimischen Bildschirm.“