Gegen sexualisierte und digitale Gewalt: 1200 Menschen fordern mehr Schutz für Frauen

Von Martina Groh-Schad · 19. April 2026 um 16:09

Auf den Plakaten war zu lesen „Fass mich nicht an“, „Opferschutz statt Täterschutz“ und „Stoppt Gewalt an Frauen“: In einem langen Zug bewegten sich die laut Polizei etwa 1200 Demonstranten verschiedenen Alters und Nationalitäten vom Bismarckplatz aus durch Regensburg bis zum Ostentor und zurück zum Haidplatz. Der Fall Collien Fernandes und Christian Ulmen, verbunden mit digitaler und pornographischer Gewalt, scheint etwas in Gang gesetzt zu haben.

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Immer wieder war in lauten Sprechchören zu hören „Nein heißt Nein!“. Mit der Demonstration unterstrichen die Teilnehmer, darunter Frauen wie Männer, ihre Haltung: Es reicht! Die Zahl der Frauen, die sich dazu bekennen, bereits sexualisierte und digitale Gewalt erfahren zu haben, steigt aktuell sprunghaft an. „Wir sind hier, weil wir nicht mehr länger wegschauen wollen“, betonte eine Sprecherin und erntete dafür tosenden Applaus.

Demo in Regensburg: Forderungen an Stadtrat und Bundestag

Das Organisationsteam, das aus mehreren Frauen und Männern besteht, hat sich über die sozialen Medien gefunden. Vor einigen Wochen fragten sie auf Instagram, ob Interesse an der Organisation einer Demo bestünde. Damit war die Demo-Aktion verbunden mit einem großen Fest mit Kultur und Musik am Sonntag auf dem Haidplatz geboren und auch der anfängliche Regen hielt nicht ab. Unterstützt wurde die Aktion von pro familia Regensburg, dem Frauennotruf und dem Bündnis für Toleranz und Menschenrechte.

Im Mittelpunkt der Aktion stehen Forderungen, die das Organisationsteam an den Stadtrat und den Bundestag richtet und für die sie bei der Demonstration warben. Das Spektrum, das sie beklagen, ist groß: Es reicht von sexistischen Witzen und Anmachsprüchen im Alltag bis hin zu pornographischen Bildern und Videos, die im Internet in den Umlauf gebracht werden oder die Ausübung körperlicher Gewalt gegen Frauen oder sogar Femizide.

Sexualisierte Gewalt: Was die Demonstrierenden fordern

Den Initiatoren geht es um einen ganzheitlichen Schutz vor sexualisierter Gewalt. Sie sehen die Stadt in der Pflicht, hier aktiv zu werden. So fordern sie beispielsweise die Entwicklung eines umfassenden kommunalen Handlungskonzeptes gegen sexualisierte und digitale Gewalt. Die Stadt Regensburg solle der Europäischen Charta für Gleichstellung von Frauen und Männern beitreten und ihre Ziele umsetzen.

Zudem sprechen sie sich für den Ausbau einer niederschwelligen, barrierefreien und mehrsprachigen Beratungs- sowie Meldestruktur aus sowie eine Erweiterung der Schutzangebote im Bereich der Schutzunterkünfte und der psychosozialen Nachsorge. Polizei und Rettungsdienste sollten verstärkt geschult werden und die Präventions- und Bildungsarbeit in Schulen verankert werden. Nötig sei zudem die Einrichtung einer zentralen Koordinierungsstelle. Alle Forderungen sind nachzulesen unter www.esreicht-rgb.de.