Von 0 bis maximal 50 Prozent: Darum sind in Neumarkt so wenige Frauen in der Politik

Ein Parlament sollte das Spiegelbild der Gesellschaft sein, was Geschlecht, Alter, Berufsgruppen und soziale Hintergründe betrifft – so sieht es der Grundsatz der parlamentarischer Repräsentation vor. Demzufolge dürfte in einer Kommune im Landkreis keine einzige Frau leben. Und einzig Neumarkt schafft es, dass im Stadtrat genauso viele Frauen wie Männer sitzen. Warum ist das so? Eine Spurensuche.
Hohenfels sticht bei dem Thema besonders hervor: Hier entscheiden künftig exakt null Frauen im Marktrat mit – 2020 waren immerhin zwei Frauen gewählt worden. UPW-Bürgermeister Christian Graf bedauert das, schließlich habe er immerhin vier Frauen – eine davon als Reserve – für die UPW-Liste gefunden, das sei ihm neben der Verjüngung ein persönliches Anliegen gewesen.
„Aber leider ist keine gewählt worden.“ Schade sei das, weil Frauen gerade in Gremien, in denen es auch mal hitzig hergehe, mäßigend einwirken könnten. Für Graf steht prinzipiell eine Sache fest: „Die Mischung macht es.“ Womöglich klappe es beim nächsten Mal wieder besser.
Berching: Parteiübergreifende Aktion brachte nichts
Das ist ziemlich einzigartig: In Berching schlossen sich vor der Wahl Politikerinnen parteienübergreifend zusammen, gründeten eine WhatsApp-Gruppe mit dem gemeinsamen Ziel qualifizierte, meinungsstarke Frauen in die Kommunalpolitik zu bringen. „Das hat leider gar nicht funktioniert“, konstatiert Regina Burger jetzt ernüchtert. Wenigstens fünf Stadträtinnen hätte sich die CSU-Stadträtin gewünscht, drei wurden es – und damit sogar eine weniger als 2020.

Die Gründe dafür seien vielschichtig, so Burger. Es sei schwer gewesen, überhaupt Kandidatinnen zu finden: „Wahnsinnig viele“ Frauen, die durchaus qualifiziert gewesen seien, habe man gefragt – „und ganz viele Absagen bekommen“. Die Begründung: zu wenig Arbeitskapazität. Hier gibt es für Burger einen entscheidenden Unterschied zur Herangehensweise von Männern: „Die sagen eher ja – auch wenn sie eigentlich keine Kapazität frei haben.“ So standen letztlich etwa 15 Frauen auf fünf Listen – 15 von etwa 80, nicht einmal 20 Prozent. Einige hätten vielleicht auch nicht das Selbstvertrauen gehabt, sich aufstellen zu lassen.
Frauen in der Politik hält Burger vor allem deswegen für wichtig, weil bei Entscheidungen andere Problemlösungsstrategien und Nuancen eine Rolle spielen. „Die weibliche Sicht ist oft anders als die männliche.“ Bedauerlich findet sie auch, dass Frauen häufig keine anderen Frauen wählten, da spiele ein gewisser Neid eine Rolle. Das bessere sich zwar, aber nur langsam. Eine Frauenquote könne ein nützliches Instrument sein, um Parität herzustellen, betont Burger – allerdings nicht dafür, um auf Biegen und Brechen Frauen in die Politik zu bringen, sondern um qualifizierten Frauen diesen Weg zu ermöglichen.
Deining: Nur zehn Prozent sind weiblich
Mehr Frauen im Gemeinderat hätte sich auch der Deininger Bürgermeister Peter Meier gewünscht. Die Hacken habe er sich auf der Suche nach Frauen, die kandidieren wollen, abgelaufen, sagt er – gerade einmal zwei fand er für die CSU. Und wo wenige Frauen auf der Liste stehen, können nur wenige gewählt werden. Zwei Frauen gehören dem neuen Gremium an – zwei von 20, das sind zehn Prozent. „Ich finde das total schade“, sagt Meier. Der weibliche Blick auf die Dinge fehle ihm im Gemeinderat häufig – gerade bei den Themen Soziales, Familie, Kindergarten und Schule.
Auf der Suche nach Kandidatinnen habe er immer wieder die gleiche Antwort gehört, sagt Meier: „Frag jemand anders, ich habe keine Zeit.“ Die Frauen hätten häufig Familie, seien ehrenamtlich engagiert und beruflich eingespannt, aber durchaus interessiert an Kommunalpolitik. Womöglich, so sagt Meier, müssten sich die Männer etwas mehr an die Nase fassen, um ihren Frauen den Weg in die Politik zu ermöglichen. Und womöglich sei es auch zu knapp, ein Jahr vor der Wahl auf die Frauen zuzugehen. „Man muss vielleicht wirklich früher beginnen.“
Parsberg: Viele Frauen wollten erst gar nicht
Parsberg zählt mit seinen knapp 8000 Einwohnern zu den größeren Städten im Landkreis – und im Vergleich zu 2020 sitzt eine Frau mehr im Stadtrat. Trotzdem sind es gerade einmal drei. Eine von ihnen ist Mihriban Stigler. „Drei von 20 sind nicht viel“, sagt sie. Warum das so ist, „kann ich mir eigentlich auch nicht erklären.“

Die 31-jährige Sozialpädagogin ist seit 2020 Stadträtin bei der Liste Junge Bürger. Sie ist bei den Burgspielen und der Feuerwehr, bediente im Wirtshaus, „viele kennen mich“. Als die Kandidaten für 2026 aufgestellt wurde, waren auf der Liste Junge Bürger nur ein Viertel Frauen, sagt Stigler. „Dabei wurde reihum gefragt, Frauen und Männer.“ Womöglich trauten sich Frauen das Amt einfach nicht zu und auf kommunaler Ebene fehlten Vorbilder. „Oder es hat damit zu tun, dass man plötzlich in der Öffentlichkeit steht.“ Auch Selbstreflexion spiele eine Rolle. „Ich frage mich schon: Ist das ausreichend, was ich mache? Wie viel Zeit und Kraft kann ich aufbringen?“
Neumarkt: Die einzige Kommune mit 50:50
Neumarkt hat es geschafft: Als einzige von 19 Gemeinden sitzen mit 20 Stadträtinnen genauso viele Frauen wie Männer im Gremium. Die meisten (sieben) gehören der CSU an. Lissy Walter ist eine davon und führt den Erfolg darauf zurück, dass viele Frauen sich von der CSU-Fraktion mitgenommen fühlten. Auch sei „das Klima super“, so dass jede Frau merke, dass es sich lohne, hier Zeit zu investieren.

Generell hält sie Frauen für genauso politisch interessiert wie Männer. Dass in anderen Gemeinden mit dem Zeitfaktor argumentiert wird, kann Walter nur bedingt nachvollziehen. „Wir haben auch alle Familie, Beruf und Ehrenämter.“ Allerdings hätten alle auch Partner zu Hause, „die das Ganze positiv begleiten“. Ihr Tipp für andere? „Frauen in Themen einbinden und schon jetzt ansprechen“ – dadurch merkten Frauen, dass es um echtes Interesse gehe und nicht nur darum, die Liste vollzukriegen.

Auch Gerlinde Wanke sieht das offene Klima innerhalb der Neumarkter CSU – allen voran OB Ochsenkühn und Marco Gmelch – für den Erfolg als entscheidend an. Die junge Generation der Männer habe „ein anderes Frauenbild.“ Dass es andernorts schwieriger ist, liegt für Wanke auch an einem „Stadt-Land-Gefälle“ und einem noch traditionelleren Rollenbild.
Frauen in den Kommunalparlamenten im Landkreis Neumarkt
• Berching: 15 Prozent/3 von 20 (minus 1 im Vergleich zu 2020). 1 bei der CSU, 1 bei den Freien Wählern, 1 bei BL. 0 Vertreterinnen bei DFB und Linken.
• Berg: 20 Prozent/4 von 20 (plus 1). 2 bei der SPD, je 1 bei CSU und LBG. 0 Vertreterinnen bei Grünen und FWG.
• Berngau: 42,9 Prozent/6 von 14 (plus 2). 5 bei der CSU/BLB, 1 bei den Freien Wählern.
• Breitenbrunn: 12,5 Prozent/2 von 16 (plus 1). 1 bei der CSU, 1 bei BLB. 0 Vertreterinnen bei den Freien Wählern.
• Deining: 10 Prozent/2 von 20 (keine Veränderung bei der Anzahl der Frauen, jedoch größeres Gremium ab Mai – bis dato nur 16 Mitglieder). 1 bei der CSU, 1 bei der SPD. 0 Vertreterinnen bei FW und BLD.
• Dietfurt: 35 Prozent/7 von 20 (unverändert). Je 2 bei FW/UPW, CSU und SPD, 1 bei UFW. 0 Vertreterinnen bei CWU und Grünen.
• Freystadt: 20 Prozent/4 von 20 (unverändert). 3 bei CSU, 1 bei Grünen. 0 Vertreterinnen bei FW, AfD, SPD und FGG.
• Hohenfels: 0 Prozent/0 von 14 (minus 2). 0 Vertreterinnen bei CSU, UPW, ABL und AfD.
• Lauterhofen: 12,5 Prozent/2 von 16 (minus 1). 1 bei FW, 1 bei ÖDP. 0 Vertreterinnen bei CSU und SPD.
• Lupburg: 14,3 Prozent/2 von 14 (unverändert). 1 bei CSU, 1 bei FW/UPW.
• Mühlhausen: 25 Prozent/5 von 20 (plus 1). 2 bei CSU, 2 bei FW, 1 bei DBL. 0 Vertretrinnen bei der AfD.
• Neumarkt: 50 Prozent/20 von 40 (plus 7). 7 bei der CSU, 4 bei der UPW, 3 bei den Grünen, 2 bei der SPD, je 1 bei Linken, ÖDP, FDP und AfD.
• Parsberg: 15 Prozent/3 von 20 (plus 1). 1 bei CSU, 1 bei FWG/PWG und 1 bei JB. 0 Vertreterinnen bei Grünen, SPD und FWL.
• Pilsach: 21,4 Prozent/3 von 14 (unverändert). 2 bei CWG/FW, 1 bei BLP. 0 Vertreterinnen bei CSU, AfD, Linken und ÖDP.
• Postbauer-Heng: 35 Prozent/7 von 20 (plus 1). 3 bei der CSU, 2 bei den Grünen, je 1 bei UPW/FW und SPD. 0 Vertreterinnen beim Bürgerblock.
• Pyrbaum: 20 Prozent/4 von 20 (minus 1). Je 1 bei CSU, Grünen, SPD und CFW. 0 Vertreterinnen bei FW, FW Schwarzach und Linken.
• Sengenthal: 31,3 Prozent/5 von 16 (plus 2). Je 2 bei CSU und FWG/UWG, 1 bei FW.
• Seubersdorf: 30 Prozent/6 von 20 (plus 4). 3 bei der SPD, 2 bei FW/PWG, 1 bei JB. 0 Vertreterinnen bei CSU und ZWG.
• Velburg: 25 Prozent/5 von 20 (plus 2). 3 bei der CSU, je 1 bei FW und Grünen. 0 Vertreterinnen bei ABV, FWV und SPD.
• Kreistag: 30 Prozent/18 von 60 (plus 4). 6 bei der CSU, 3 bei den Grünen, je 2 bei SPD, JU und FW, je 1 bei Linken, FDP und AfD. 0 Vertreterinnen bei der ÖDP.