So paradox es klingt: Wer Frauen in der Politik will, muss sich an die Männer wenden

Von Katrin Böhm · 19. April 2026 um 09:30

Hier extreme null Prozent, dort magere zehn oder 15 Prozent: Die Quote an Frauen in den Kommumalparlamenten im Landkreis Neumarkt ist zum Teil beschämend. Besondes frustrierend vor allem für all jene, die das eigentlich ändern wollten – und das waren gar nicht mal so wenige. Womöglich aber muss ein anderer Ansatz her, findet Autorin Katrin Böhm.

Wer will, dass mehr Frauen in der Kommunalpolitik aktiv sind, darf nicht oder zumindest nicht nur bei den Frauen ansetzen – sondern muss das bei den Männern tun. Denn was hindert interessierte, qualifizierte Frauen daran, sich politisch zu engagieren? In den allermeisten Fällen: Care-Arbeit.

Essen kochen, Haushalt führen, einkaufen, die Kinder zum Sport bringen, Geschenke für den nächsten Geburtstag besorgen – all das bleibt zu oft an Frauen hängen. Klar, Männer erledigen mittlerweile auch Familien-Dinge, daran denken, was zu tun ist, müssen aber häufig die Frauen. Und die haben fast immer auch einen Job und damit nachvollziehbarerweise keine Zeit und vielleicht auch keine Nerven mehr, sich mit mitunter komplexen kommunalpolitischen Themen auseinanderzusetzen.

Autorin Katrin Böhm findet, dass Männer mehr in die Pflicht genommen werden müssen. - Foto: Böhm

Wer das ändern will, muss die Männer in die Pflicht nehmen: Sie sollten ihre Frauen aktiv ermutigen – nichts zählt so viel wie die Ermutigung der Vertrauensperson seiner Wahl. Und sie müssen zu Hause nicht „helfen“, wie das gern bezeichnet wird, sondern für eine gleichberechtigte Lebensweise sorgen, indem sie genauso selbstverständlich mitdenken, Dinge organisieren und erledigen wie ihre Frauen.

Frauen in den Kommunalparlamenten im Landkreis Neumarkt

• Berching: 15 Prozent/3 von 20 (minus 1 im Vergleich zu 2020). 1 bei der CSU, 1 bei den Freien Wählern, 1 bei BL. 0 Vertreterinnen bei DFB und Linken.

• Berg: 20 Prozent/4 von 20 (plus 1). 2 bei der SPD, je 1 bei CSU und LBG. 0 Vertreterinnen bei Grünen und FWG.

• Berngau: 42,9 Prozent/6 von 14 (plus 2). 5 bei der CSU/BLB, 1 bei den Freien Wählern.

• Breitenbrunn: 12,5 Prozent/2 von 16 (plus 1). 1 bei der CSU, 1 bei BLB. 0 Vertreterinnen bei den Freien Wählern.

• Deining: 10 Prozent/2 von 20 (keine Veränderung bei der Anzahl der Frauen, jedoch größeres Gremium ab Mai – bis dato nur 16 Mitglieder). 1 bei der CSU, 1 bei der SPD. 0 Vertreterinnen bei FW und BLD.

• Dietfurt: 35 Prozent/7 von 20 (unverändert). Je 2 bei FW/UPW, CSU und SPD, 1 bei UFW. 0 Vertreterinnen bei CWU und Grünen.

• Freystadt: 20 Prozent/4 von 20 (unverändert). 3 bei CSU, 1 bei Grünen. 0 Vertreterinnen bei FW, AfD, SPD und FGG.

• Hohenfels: 0 Prozent/0 von 14 (minus 2). 0 Vertreterinnen bei CSU, UPW, ABL und AfD.

• Lauterhofen: 12,5 Prozent/2 von 16 (minus 1). 1 bei FW, 1 bei ÖDP. 0 Vertreterinnen bei CSU und SPD.

• Lupburg: 14,3 Prozent/2 von 14 (unverändert). 1 bei CSU, 1 bei FW/UPW.

• Mühlhausen: 25 Prozent/5 von 20 (plus 1). 2 bei CSU, 2 bei FW, 1 bei DBL. 0 Vertretrinnen bei der AfD.

• Neumarkt: 50 Prozent/20 von 40 (plus 7). 7 bei der CSU, 4 bei der UPW, 3 bei den Grünen, 2 bei der SPD, je 1 bei Linken, ÖDP, FDP und AfD.

• Parsberg: 15 Prozent/3 von 20 (plus 1). 1 bei CSU, 1 bei FWG/PWG und 1 bei JB. 0 Vertreterinnen bei Grünen, SPD und FWL.

• Pilsach: 21,4 Prozent/3 von 14 (unverändert). 2 bei CWG/FW, 1 bei BLP. 0 Vertreterinnen bei CSU, AfD, Linken und ÖDP.

• Postbauer-Heng: 35 Prozent/7 von 20 (plus 1). 3 bei der CSU, 2 bei den Grünen, je 1 bei UPW/FW und SPD. 0 Vertreterinnen beim Bürgerblock.

• Pyrbaum: 20 Prozent/4 von 20 (minus 1). Je 1 bei CSU, Grünen, SPD und CFW. 0 Vertreterinnen bei FW, FW Schwarzach und Linken.

• Sengenthal: 31,3 Prozent/5 von 16 (plus 2). Je 2 bei CSU und FWG/UWG, 1 bei FW.

• Seubersdorf: 30 Prozent/6 von 20 (plus 4). 3 bei der SPD, 2 bei FW/PWG, 1 bei JB. 0 Vertreterinnen bei CSU und ZWG.

• Velburg: 25 Prozent/5 von 20 (plus 2). 3 bei der CSU, je 1 bei FW und Grünen. 0 Vertreterinnen bei ABV, FWV und SPD.

• Kreistag: 30 Prozent/18 von 60 (plus 4). 6 bei der CSU, 3 bei den Grünen, je 2 bei SPD, JU und FW, je 1 bei Linken, FDP und AfD. 0 Vertreterinnen bei der ÖDP.