Geschlecht, Alter, Beruf und Bildung: Diese Besonderheiten hat Neumarkts Stadtrat

Von Wolfgang Endlein · 7. April 2026 um 05:00

Am 6. Mai tagt erstmals der neu gewählte Neumarkter Stadtrat. Von den 40 gewählten Mitgliedern (das 41. ist automatisch der Oberbürgermeister) ist genau die Hälfte Frauen. Das ist aus mehreren Gründen bemerkenswert und beileibe nicht der einzige Punkt, auf den hin sich der neue Stadtrat analysieren lässt.

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So viele Frauen saßen noch nie im Stadtrat. 20 haben die Wähler in das Gremium gewählt. Das ist umso bemerkenswerter, da insgesamt deutlich weniger Frauen als Männer kandidierten und viele eine weniger gute Platzierung auf den Listen hatten. Die Wähler haben sich also sehr bewusst für viele der Kandidatinnen entschieden.

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Von 221 Bewerbern auf acht Listen für die Stadtratswahl waren 81 Frauen. Der größte Frauen-Anteil fand sich auf der Liste der Grünen mit 22 von möglichen 40 Listenplätzen. Prozentual kann die ÖDP da mithalten, da 55 Prozent ihrer Bewerber weiblich waren (zehn von 18). Dahinter folgten UPW (14 Kandidatinnen) und CSU (zwölf).

Frauen waren im Nachteil auf den Listen einiger Neumarkter Parteien

Ein guter Platz auf der Liste ist angesichts des Wahlsystems bei Kommunalwahlen (Kumulieren) nicht allein entscheidend, erhöht aber die Chancen, gewählt zu werden. Hierbei hatten Frauen bei der Stadtratswahl allgemein gesprochen einen Nachteil. Nimmt man die ersten zehn Kandidaten aller Listen zusammen, waren davon 41 Prozent Frauen. Bei den Grünen, der Linken, SPD und ÖDP war die Besetzung der ersten zehn Plätze halb und halb. Vier Frauen fanden sich bei der UPW unter den ersten zehn. Bei der CSU waren es drei.

Trotzdem haben die Christsozialen die meisten Stadträtinnen (sieben). Gefolgt von der UPW, wo die fünf Frauen sogar in der Mehrheit sind bei insgesamt neun Sitzen. Drei Frauen schafften es für die Grünen in den Stadtrat, zwei für die SPD und jeweils eine für AfD, FDP, Linke und ÖDP.

Zum Vergleich: Im Bundestag sind von 630 Abgeordneten 204 Frauen. Im Landtag gibt es 51 weibliche Abgeordnete bei insgesamt 203 Sitzen.

Angesichts der gewachsenen Zahl von Frauen im Stadtrat ist es spannend, wie sich dies bei der Besetzung der wichtigen Posten niederschlägt. Marco Gmelch (CSU) dürfte wieder gesetzt sein als Bürgermeister. Doch zweite Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger (SPD) hat nicht mehr kandidiert. Könnte ihr eine Frau nachfolgen? Der Blick geht zur UPW als zweitstärkste Fraktion.

Deren Fraktionsvorsitz ist zudem nach der Wahl Martin Meiers zum Landrat vakant. Er wird nicht mehr im neuen Stadtrat sein. Auch bei den restlichen Parteien, die im aktuellen Stadtrat Fraktionsstärke haben, sind die Vorsitzenden allesamt Männer (CSU, Grüne und SPD). Alle haben wieder den Sprung ins Gremium geschafft. Ob einer Platz für eine Frau macht?

Der Neumarkter Stadtrat hat ein Durchschnittsalter von 55 Jahren

Wie Menschen auf Themen blicken und entscheiden, wird neben dem Geschlecht und anderen Faktoren auch von ihrem Alter, Bildung und beruflichen Hintergrund beeinflusst.

Der Stadtrat hat ein Durchschnittsalter von rund 55 Jahren. 18 Mitglieder sind älter als 60 Jahre. Keine Altersgruppe ist größer. Unter 40 Jahren sind fünf Mitglieder. Die jüngsten Mitglieder sind Luis Urban (CSU) und Nicole Stagat (SPD) mit jeweils 32 Jahren. Heinrich Zuckschwert (UPW) ist mit 77 Jahren der älteste Stadtrat.

Die UPW hat trotz einer Verjüngung die älteste Fraktion mit einem durchschnittlichen Alter von rund 60 Jahren, knapp gefolgt von den Grünen mit rund 59 Jahren. Die SPD hat sich deutlich verjüngt (im Schnitt 46 Jahre). Die CSU-Fraktion rangiert in der Mitte mit durchschnittlich 55 Jahren. Die beiden neuen Linken-Stadträte sind beide unter 40. Auch hier ein Vergleich zum Bundestag bzw. Landtag: Das Durchschnittsalter betrug dort beim Start der jeweiligen Legislaturperiode 47 bzw. 50 Jahre.

So viele Akademiker sitzen künftig im Neumarkter Stadtrat

In den beiden genannten Parlamenten sitzen gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung überproportional viele Menschen aus Rechtsberufen. Im Neumarkter Stadtrat ist das anders. Geht man nach den Angaben der Kandidaten zum Beruf auf den Listen, sind es vier.

Anders als im Bundestag und Landtag machen im Stadtrat soziale Berufe einen größeren Anteil aus. Sieben Mitglieder sind in solchen Berufen tätig. Fünf Stadträte kommen aus dem Bereich der Medizin. Ansonsten dominieren Berufe mit einem kaufmännischen Hintergrund.

Auch bei Bildungsabschlüssen unterscheidet sich der Stadtrat von Bundestag und Landtag. Im Landtag sind 75 Prozent der Abgeordneten Akademiker. In der bayerischen Bevölkerung macht deren Anteil aber nur 17 Prozent aus. Im neuen Neumarkter Stadtrat sitzen 17 Mitglieder mit einem Hochschulabschluss. Das sind rund 41 Prozent.

Die einfachste Auswertung überhaupt betrifft die Neumarkter mit Migrationshintergrund. Null sind es im neuen Stadtrat. Dabei beträgt deren Zahl mehrere Tausende.