Polizei-Urgestein spricht über 40 Jahre Dienst – und den Eisernen Vorhang im Landkreis Cham

Mehr als 40 Jahre war Reinhold Balk Polizist mit Leib und Seele. Im Grenzgebiet in der Region ist er ein Urgestein. Gerade der Schutz der Grenzen beschäftigte ihn beruflich enorm. Seit Juni 2019 ist der 67-Jährige in Ruhestand. Die Grenze lässt ihn trotzdem bis heute nicht los.
Früher hatte er selbst Einsätze im Grenzbereich des Eisernen Vorhangs koordiniert, heute hält er seine Erinnerungen an die Zeit fest. Erlebnisse, Geschichten und Fälle lässt er in Vorträgen ein zweites Mal lebendig werden. Denn Balks Devise ist klar. Man müsse die Geschichte thematisieren und richtig aufarbeiten. Manche würden es immer noch vorziehen, nicht über die Zeit zu sprechen. Für ihn der falsche Schritt, wie er in einem Pressegespräch am Freitag in der Bundespolizeiinspektion Waldmünchen anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Bundespolizei. erklärte.
New York leichter zu erreichen als Pilsen
Das Verständnis für eine richtige Grenze hätten heute nicht mehr alle. „Für mich war damals New York leichter zu erreichen als Pilsen“, sagt Balk. Als der Eiserne Vorhang fiel, spürte er – wie viele andere – eine Aufbruchstimmung.

Zuvor war seine Arbeit geprägt von der allgegenwärtigen Grenze. „Damals war da hinten gefühlt die Welt zu Ende.“ Seine polizeiliche Laufbahn startete der gebürtige Amberger 1980 in der damaligen Grenzschutzabteilung Süd 5 Schwandorf als Sachbearbeiter Sicherheit. Dabei machte Balk den Grenzschutz zu seinem Steckenpferd.

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs änderten sich nicht nur Balks persönliche Lebensumstände, sondern auch seine berufliche Laufbahn. Die Grenzschutzabteilung wurde geschlossen und zum Amt umfunktioniert, dem Bundesgrenzschutzamt Schwandorf. In diesem bekam der 67-Jährige leitende Funktionen im Bereich Ermittlung und Grenzfahndung zugesprochen. 1998 wurde er Leiter der Bundesgrenzschutz- und Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Schwandorf. Dort war er unter anderem der Chef von drei jetzigen Waldmünchner Bundespolizisten. Sylvia Hieninger, Bundespolizeisprecherin, Martin Ebenschwanger, Polizeioberrat, und Alfred Schmid, Leiter des Ermittlungsdienstes, erinnern sich ausschließlich positiv an Balk, den Mann „der alten Schule“. Für sie war das Pressegespräch wie ein kleines Familientreffen.
Symbolische Grenzöffnung in Waldmünchen besonders
Im Laufe der Jahre ging jeder Beamte seinen eigenen Weg. Als 2007 mit dem Schengenabkommen ein Großteil der Grenzsicherung wegfiel, wechselte Balk im Anschluss zur Bundespolizei in Nürnberg, bis er von 2015 bis 2019 im gemeinsamen Zentrum Passau tätig war. Neben den gesammelten Zahlen - beispielsweise der Todesopfer während des Kalten Krieges in der Region – informiert Balk auch über die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Behörden und der Amerikaner, das „Denken im System“ oder die Grenzöffnungen. Ein prägnantes Ereignis für den 67-Jährigen war die symbolische Grenzöffnung in Waldmünchen. Die wartenden Leute, Grenzwächter, Musik und ein Banner, das die Menschen begrüßen sollte. Die Atmosphäre kann er heute schwer beschreiben. „Es war auf jeden Fall Aufbruchstimmung.“
Auf die heutige Grenzpolitik blickt Balk differenziert. Für ihn sei der Schritt zum Schengenabkommen ein klares Signal gewesen. „Davor haben wir zwei Drittel der Fahndungsaufgriffe in Deutschland an den Grenzen gemacht. Das war schon ein bewusster Schritt“, sagt der ehemalige Polizist. Die Grenzkontrollen jetzt wieder einzuführen, gerade zu diesen Zeiten, sei dennoch nicht sinnlos.

Um aus der Geschichte zu lernen, wird Balk sein Wissen weitergeben – bei Vorträgen oder Führungen. Für Balk ist klar: Die Geschichte endet nicht – solange sie jemand erzählt.
Anlass für das Pressegespräch ist das 75-jährige Bestehen der Bundespolizei. Hierzu wird das Bundespolizeiorchester ein Konzert spielen:
Datum: Anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Bundespolizei tritt am Freitag, 8. Mai, das Bundespolizeiorchester München in der Dreifachturnhalle in Waldmünchen auf.
Tickets: Insgesamt sind 300 kostenlose Eintrittskarten im Tourismusbüro der Stadt Waldmünchen erhältlich.
Das Orchester: Das Bundespolizeiorchester München wurde 1952 als „Musikkorps des BGS" gegründet, ist somit fast so alt wie die Bundespolizei.