Allein mit dem Motorrad nach Malaysia - 35.000 Kilometer mit einer alten BMW

Von Jochen Dannenberg · 18. April 2026 um 19:00

Einfach losfahren, alles hinter sich lassen und nicht daran denken, dass man vielleicht irgendwann wieder in die Arbeit muss. Was klingt wie ein Traum, hat ein 34-Jähriger verwirklicht: Er ist mit seiner 32 Jahre alten BMW von Neustadt nach Malaysia gefahren. Allein. Über ein halbes Jahr war er unterwegs, legte 35.000 Kilometer zurück und reiste durch 20 Länder.

Auch Schlammpisten musste Florian Pollinger mit seiner 32 Jahre alten BMW in Malaysia bewältigen. - Foto: Florian Pollinger

An Anfang war es nur ein flüchtiger Gedanke. „Ich war auf dem Rückflug von einem Urlaub in Thailand, schaute aus dem Fenster des Flugzeugs und dachte: Da musst du mit dem Motorrad hinfahren“, sagt Florian Pollinger. Das war vor zehn Jahren. Die Idee, so spontan sie auch war, ließ ihn nie wieder los. Am 15. August vorigen Jahres war es soweit. Nach etlichen Touren in Europa – u.a. zum Nordkap – und am Ende monatelangen Vorbereitungen fuhr der 34-Jährige mit seiner BMW los. Freunde von den Yeti Riders aus Hienheim begleiteten ihn zunächst noch bis nach Österreich, von dort fuhr der gelernte Metallbauer allein weiter.

Es war alles andere als ein gemütliches Dahingleiten

„Über die Balkanroute ging es in die Türkei, weiter nach Georgien, Russland, Kasachstan, Kirgistan und Tadschikistan nach China. Und dann weiter am Himalaya entlang und durch die Taklamakan-Wüste nach Laos, Thailand und schließlich nach Malaysia“, zählt Pollinger die Stationen seiner achtmonatigen Reise auf, die ihn dann auch noch per Flugzeug – und ohne Motorrad – auf die Philippinen und nach Vietnam brachte.

Pause in Malaysia: Die Strapazen sind Florian Pollinger anzusehen. - Foto: Florian Pollinger

„Ich bin in Deutschland aufgebrochen – mit einer groben Route im Kopf, aber vor allem mit dem Wunsch, das Unbekannte zu erleben“, erzählt Pollinger. Als er Europa verließ, wurde ihm klar: Diese Reise würde kein gemütliches Dahingleiten werden. „Die ersten richtig harten Offroad-Passagen ließen nicht lange auf sich warten. Kilometerlanges Geröll, sandige Spuren, endlose Hitze. Es gab Tage, an denen das Hinterrad tiefer im Sand steckte als mir lieb war – und Nächte, in denen nur das Knacken des abkühlenden Motors daran erinnerte, wie weit ich von zu Hause entfernt war.“

Dennoch hat sich für den 34-Jährigen nie die Frage gestellt, ob ein anderes Fahrzeug vielleicht das bequemere Fortbewegungsmittel gewesen wäre. „Ich finde, du fühlst auf dem Motorrad mehr von deiner Umgebung und du bist näher an den Menschen“, sagt er. „Es ist mehr Freiheit.“

Die Entschädigung für die Strapazen waren auch die stillen und intensiven Momente. „Sonnenuntergänge, die den Himmel in Farben tauchten, die zu Hause keiner glauben würde. Menschen, die mich zum Tee oder zum Essen einluden, obwohl wir keine gemeinsame Sprache sprachen. Straßen, die eigentlich keine waren, und Landschaften, die sich anfühlten, als wäre ich auf einem anderen Planeten.“

Und dann kam Thailand – der Ort, an dem einst die Idee für die Reise entstanden war. Nach Wochen mit kargen Landschaften erlebte der 34-Jährige plötzlich tropengrüne Hügel, feuchte Luft, betörende Gerüche. „Der Moment, in dem ich die Grenze passierte, war wie ein kleiner Triumph – jede Schweißperle, jedes Fluchen und jede Unsicherheit hatten sich gelohnt.“

Die Reise war damit nicht zu Ende. Malaysia wartete noch auf Pollinger, außerdem Vietnam und die Philippinen. Vorige Woche traf er wieder in Irnsing ein. Plötzlich stand er vor der Tür seines Elternhauses. „Die Familie war überrascht, als ich wieder da war“, sagt der 34-Jährige. Während der ganzen Reise waren sie in Kontakt gewesen, jetzt stand er vor ihnen. „Sie haben geschaut, als ob ich ein Geist wär‘.“

Acht Monate unterwegs – zwei Reparaturen

Das Motorrad ist noch unterwegs. Es soll in diesen Tagen, verpackt in einem Container, mit einem Schiff in Valencia (Spanien) eintreffen. Von dort soll die Reise dann weitergehen. Pollinger will mit der BMW noch durch Marokko, Spanien, Portugal, Frankreich und die Alpen fahren. „Vielleicht bleibe ich auch einfach einen Monat lang in Marokko und vielleicht werde ich auch noch surfen lernen, mal sehen.“

Auch durch Kuala Lumpur kam der 34-jährige Irnsinger bei seiner Reise. - Foto: Florian Pollinger

Acht Monate war er mit seiner alten BMW unterwegs. Das Motorrad hat brav durchgehalten, nur zweimal musste was repariert werden. Was für den 34-Jährigen bleibt, sind die Erinnerungen. Wüsten, Berge, Pisten, Menschen hat er erlebt „und unzählige Momente, die mich und mein Motorrad bis an unsere Grenzen gebracht haben“. Er weiß: „Das war ein Abenteuer.“

Wichtig zu wissen - in Kürze:

Motorradleben: Angefangen hat Florian Pollinger mit dem Motorrad fahren mit 16 Jahren. Auslöser war sein zwei Jahre älterer Bruder, der ebenfalls Motorrad fährt.

BMW: Die BMW, mit der der 34-Jährige zu seiner Reise aufbrach, ist eine 1100 GS, Baujahr 1994. Sie war bereits 90.000 Kilometer gelaufen, gekostet hatte sie 1500 Euro.

Vorbereitung: Vor dem Start zu seiner Reise hatte der gelernte Metallbauer das Motorrad eigenhändig überholt („da gibt es tolle Videos im Internet, die alles erklären“).

Gepäck: Mitgenommen wurde nur das Notwendigste: Hängematte, Zelt, Werkzeug, ein paar Ersatzteile für die BMW, ein Gaskocher und eine Kaffeemühle. „Morgens brauche ich meinen Kaffee.“

Pannen: Auf der Reise gab es nur zwei kleinen Pannen mit der BMW – ein Riss im Rahmen und ein Riss in einer Felge. Beides wurde unterwegs geschweißt.

Kosten: Pro Monat hat Florian Pollinger rund 1800 Euro gebraucht. Große Ausgaben waren das Verschiffen des Motorrades, der Rückflug und der Guide für die China-Fahrt.

Sprachen: Der 34-Jährige spricht Englisch. Wo das nicht reichte, musste der Google-Übersetzer einspringen. Problem: In Russland funktionierte das Internet nicht.

Sabbatical: Florian Pollinger arbeitet bei Audi in Ingolstadt, die das Sabbatical als Teilzeitmodell anbietet. Man arbeitet Vollzeit, bekommt aber nur für Teilzeit Geld. Den Rest hat man in der Freistellung zur Verfügung. So konnte er die Reise finanzieren und sich die Zeit dafür nehmen.

Tipp: „Man muss sich Zeit lassen und bleiben, wo es einem gefällt“, rät der 34-Jährige allen, die es ihm nachmachen wollen.

Ende der Reise nach Asien: Die BMW ist für den Rücktransport nach Europa eingepackt. Von Valencia soll es nach Marokko gehen. - Foto: Florian Pollinger