In Regensburg wird dieses Wochenende jemand zum Millionär – nur: Macht Geld glücklich?

In Regensburg wird sich dieses Wochenende irgendjemand sehr freuen. Zugegeben: Vermutlich werden sich einige Menschen ziemlich freuen. Am Samstag scheint schließlich die Sonne. Aber nur ein Mensch wird eine Million Euro gewinnen. Dieser Tage macht nämlich das SKL Millionen-Event Station in Regensburg. Grund genug, einer Sache auf den Grund zu gehen: Macht Geld eigentlich glücklich? Fragen wir eine Lotterie-Gewinnerin, einen Psychologen – und natürlich Jörg Pilawa.
Fangen wir bei Vesna Vekic an. Die Münchnerin muss es schließlich wissen. Sie hat bei der SKL vor 27 Jahren fünf Millionen Euro gewonnen. Das ist diverse Finanz-, Euro- und Coronakrisen her. Das Geld ist allerdings noch da. In dem Moment, in dem sie die Millionen gewann, hatte sie erst einmal einen Filmriss. Sie vergaß sogar ihren Michi. Ihr Mann verzieh es ihr, allerdings nicht wegen des Geldes, betont sie. Sie habe erst einmal ihre Boutique weiterbetrieben, nach einem halben Jahr allerdings aufgehört. So sei es schlicht einfacher gewesen, Termine zu koordinieren. Schließlich arbeite Michi weiter. Und, macht Geld glücklich? „Ich war vorher schon glücklich“, sagt Vekic und strahlt. „Aber diese finanzielle Absicherung, die macht mich glücklich.“ Sie habe sich erst einmal an das Geld herantasten müssen. Was passiert, wenn ich 100 Euro mehr ausgebe? Was, wenn ich 1000 Euro mehr ausgebe? Sie habe für sich selbst ein Modell gefunden, sagt Vekic. Sie zahlt sich jeden Monat 5000 Euro aus. Ein Glück auf Raten, gewissermaßen. Sie würde sogar noch einmal gewinnen wollen, sagt sie. „Nicht wegen dem Geld, das reicht. Sondern wegen dem Gefühl. Mich würde interessieren, ob es nochmal so prickelt.“
Jörg Pilawa besucht Regensburg – und erzählt von sehr reichen Menschen, die sehr unglücklich sind
Dieses Prickeln ist das Geschäft von Jörg Pilawa. Der 60-Jährige ist Glückspate der SKL – und so etwas wie der Quizmaster der Nation. Da könnte man doch sagen, er produziert Glück in Serie. Oder? Herr Pilawa, macht Geld glücklich? Der Mann dessen Profession die Emotion ist, argumentiert erst einmal mit der Wissenschaft. Die habe herausgefunden, dass Geld bis zu einem gewissen Punkt glücklich macht. Der liege bei etwa 5000 Euro netto. „Was ändert sich denn, wenn man mehr hat? Das Auto wird größer, das Haus wird größer, man fliegt ein wenig weiter weg in den Urlaub. Aber es macht nicht glücklicher.“ Aber: „Wir haben eine große Unsicherheit. Dann plötzlich Geld zu haben – und Sicherheit. Das ist ein Moment des Glücks.“ Er habe in seinem Leben viele sehr reiche Menschen kennengelernt, die sehr unglücklich waren. „Ich habe einmal erlebt, wie eine Frau, die wirklich sehr viele Millionen geerbt hat, nur eine Sorge hatte: Wie viel Erbschaftssteuer muss ich zahlen?“ Das müsse man sich mal vorstellen: Da bekomme man etwas und habe nur die Sorge, dass es einem wieder weggenommen werde. „Irgendwann macht Geld nicht mehr glücklich. Irgendwann wird es zum Stressfaktor.“
Geld als Stressfaktor? Sollten Sie diesen Text lesen und in Regensburg wohnen, verdienen Sie ungefähr 4500 Euro im Monat – brutto. Das sagt zumindest die Statistik. Netto dürften Ihnen dann rund 2900 Euro bleiben. Geld dürfte für Sie damit eher durch Absenz als durch Präsenz zum Stressfaktor werden. Mit Blick auf die 5000-Euro-Pilawa-Theorie dürften Sie in etwa 2100 Euro vom Glück entfernt sein. Oder?
Regensburger Neurologe: Wohlstand entsteht im Kopf, nicht auf dem Konto
Geld ist ja nicht gleich Glück. Vielmehr ist das, was auf unserem Konto rumliegt, eher ein Vehikel. Das sagt auch der Regensburger Neurologe Prof. Dr. med. Volker Busch, dessen Podcast „Gehirn gehört“ auf allen Plattformen verfügbar ist. „Aus der Forschung wissen wir heute: Bis zu einem gewissen Maß macht Geld tatsächlich glücklich. Das Ausmaß ist aber begrenzt.“ Studien zeigten, dass das finanzielle Einkommen das Wohlbefinden vor allem dann steigert, wenn Grundbedürfnisse dadurch gesichert sind, wenn ich also beispielsweise einen Urlaub, das Auto, oder Hobbys davon bezahlen kann. „Danach flacht der Effekt ab. Mehr Geld macht dann nur geringfügig glücklicher, wenn überhaupt. Entscheidend für eine anhaltende Zufriedenheit sind und bleiben soziale Beziehungen, eine sinnvoll empfundene Aufgabe und die eigene Gesundheit.“ Geld könne somit vieles einfacher machen und Alltagssorgen reduzieren. „Aber echter Wohlstand entsteht im Kopf und weniger auf dem Konto.“
Zwei, die womöglich in naher Zukunft etwas Zuwachs auf dem Konto bekommen könnten, sind Anna Pittlack (38) aus Pähl und Apostolos Pratelidis (57) aus München. Beide nehmen am Millionen-Event der SKL in Regensburg teil – und sind schon jetzt glücklich. Pittlack sagt: „Ich habe ein schönes Zuhause, einen tollen Mann und einen tollen Job. Wir können ein schönes Leben führen.“ Mit dem Geld würde sie nach Griechenland auswandern. Dort habe sie bereits ein Grundstück. Eigentlich hätte sie das erst im Ruhestand geplant. Für sie ist das Geld also eine kleine Abkürzung zum Glück. Pratelidis sagt: „Es macht sicher entspannter, wenn man ein bisschen mehr hat. Aber man muss sein Glück immer selbst finden.“ Sein Glück ist das Meer. Er möchte sich vom Gewinn ein Boot kaufen. Die Sache mit dem Glück sei allerdings vielschichtig, sagt der Münchner. Die Frau eines Freundes sei kürzlich verstorben. Diesen Sommer begleitete er ihn auf eine längere Bootsfahrt. Es mache seinen Freund glücklich, nicht alleine auf das Boot zu müssen, sagt Pratelidis.
Noch einmal kurz zurück zu Vesna Vekic. Die Münchnerin erzählt von einem Club. Alle Mitglieder hätten größere Geldsummen gewonnen. Regelmäßig treffe man sich, um darüber zu sprechen. Es seien tiefe Freundschaften entstanden. Vielleicht auch eine Erkenntnis: Geteiltes Glück ist doppeltes Glück.
Das SKL Millionen-Event
• Prinzip: Das Event ist eine Sonderziehung des SKL Millionenspiels. Dabei handelt es sich um eine Staatliche Klassenlotterie, bei der die Teilnehmenden jeden Tag eine neue Chance haben, etwas zu gewinnen.
• Besuch: In Regensburg stehen dieser Tage mehrere Stationen an. Die Teilnehmer besuchen mehrere Orte. Es handelt sich allerdings nicht um ein Quiz, es müssen auch keine klassischen Aufgaben erfüllt werden. Vielmehr entscheidet das Glück, wer gewinnt.