Protest gegen Hochwasserschutz-Planung am Unteren Wöhrd wächst

Von Juliana Ried · 16. April 2026 um 05:00

Der Hochwasserschutz für den Unteren Wöhrd in Regensburg ist ein Mammutprojekt. Jetzt begehren Bürger dagegen auf – und werfen den Behörden „technokratischen Übermut“ vor. Die versuchen, die Einwände zu entkräften.

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Der Hochwasserschutz für den Unteren Wöhrd ist ein Mammutprojekt, das räumt Rainer Zimmermann, Vize-Chef des Wasserwirtschaftsamts, offen ein. Das Projekt sei so umfangreich wie alle bisher umgesetzten Hochwasserschutz-Abschnitte in Regensburg zusammen, mehr als 1000 Seiten umfassen die Antragsunterlagen dafür. Die Maßnahmen selbst nennt Zimmermann dennoch „behutsam“ und mit dem Welterbe verträglich. Die Mitglieder des neu gegründeten Aktionsbündnisses „Erhalt der Donauinseln“ sehen das völlig anders.

Sie und werfen den zuständigen Behörden „technokratischen Übermut“ vor. So formuliert es Bernhard Löffler, der Vorsitzende des Vereins, am Dienstagabend im Rathaus.

Bernhard Löffler (Dritter von links) mit Mitstreitern vom Aktionsbündnis „Erhalt der Donauinseln“ - Foto: Julia Ried

Auf Bitten der Stadträte von Grünen und Brücke informiert dort Zimmermann den Planungsausschuss über den Stand der Hochwasserschutzplanungen für den Unteren Wöhrd, der derzeit im Fokus steht; im Vorfeld hatten die kritischen Bürger ihre Fragen und Einwände an mehrere Fraktionen und Gruppierungen herangetragen.

Löffler betont: „Wir stellen nicht die Notwendigkeit von Hochwasserschutz infrage. Es geht um die Massivität der Maßnahme.“ Die geplante Abdichtung des Untergrunds mauere die Inseln im Grunde ein. „Das scheint ein Ansatz zu sein, der noch nirgendwo erprobt wurde, und der uns zu einer Art Versuchslabor macht“, sagt Löffler.

Kritisch zu sehen sei die Planung aus Gründen des Denkmal- und Naturschutzes, aber auch weil die Lebensqualität dann abnehme. „Der Bauvorgang, die Erschütterungen, die Naturzerstörung“ machten einigen Anwohnern Sorgen, 60 bis 80 seien schon im Verteiler des neuen Vereins. Planmäßig müssten knapp 130 Bäume gefällt werden. Löffler glaubt allerdings nicht, dass es dabei bleibt, wenn das „schwere, raumgreifende Gerät“ anrücke.

57 Einwendungen von Bürgern

Insgesamt gingen im Verfahren für den Unteren Wöhrd 57 Einwendungen von Bürgern ein, so Zimmermann – „nicht besonders wenig, aber auch nicht wahnsinnig viel“. „Wir werden prüfen, wo es noch Möglichkeiten gibt, im Vorfeld entgegenzukommen, Rücksicht zu nehmen“, versichert er. Eingriffe seien aber unvermeidbar und schon im Vorfeld minimiert worden. Immer präsent sei der „Fehlversuch“ seiner Vorgänger in den 80ern, Stadtamhof mit einer Mauer abzuschirmen gegen Hochwasser.

Dass der Flutschutz am Widerstand der Bürger scheitert, soll nicht noch einmal passieren. Während die Stadtamhofer aber damals zurecht befürchtet hätten, sie würden eingemauert, handle es sich heute um „sehr differenzierte Planungen“ und die Bürger würden mitgenommen.

Besonders groß sei der Widerstand gegen den Hochwasserschutz an der Westspitze des Unteren Wöhrds, was nachvollziehbar sei. Dort sei die Betroffenheit im Hochwasserfall geringer, sprich das Wasser ist etwa nur im Keller, die Schutzmaßnahmen aber sehr präsent.

Was das Konzept mit Untergrundabdichtung, Geländeanhebungen, Pump- und Schöpfwerken, Mauern und mobilen Elementen angehe, so scheiden mögliche Alternativen laut Zimmermann relativ schnell aus. Zu groß seien Gewässer und Gelände, zu hoch sei die Zahl der betroffenen Gebäude – 140 seien es.

Die Objekte direkt zu schützen, helfe nicht gegen ansteigendes Grundwasser und gewährleiste auch nicht ihre Erreichbarkeit über Flucht- und Rettungswege. Das sei etwa wichtig, wenn Menschen geborgen werden müssen. Das System sei komplex, aber beherrschbar. „Es sind alles Einzelkomponenten, die technisch erprobt sind.“ Pumpen und Schöpfwerke liefen nur im Hochwasserfall und beeinträchtigten die Wasserstände ansonsten kaum, so beantwortete Zimmermann entsprechende Fragen von Stadträten. Die allermeisten Bäume würden ortsnah ersetzt.

Stadt muss 20 Prozent der Kosten tragen

Da Kommunen nur noch 20 Prozent der Hochwasserschutz-Kosten tragen müssten, müsse die Stadt in der fünfjährigen Bauphase mit Kosten von zwei bis vier Millionen Euro pro Jahr rechnen. Was die Notwendigkeit der Maßnahmen angeht, so betonte Franz Kastenmeier, im städtischen Tiefbauamt zuständig für das Thema, der Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasser biete einen „unfassbaren Zeitgewinn“. Zusammen mit Vier-Tages-Prognosen führe er dazu, dass die Infrastruktur fast zwei Tage länger geschützt sei.

Löffler überzeugt dieses Argument nicht. Die Behörden argumentierten hier mit „Extremfällen“. Aber man könne sich nicht gegen jede Sintflut wappnen.

Hochwasserschutz in Regensburg

Einordnung: Jeder neue Hochwasserschutz in Bayern muss Siedlungen und Verkehrsanlagen bis zu einem 100-jährlichen Hochwasser schützen. Das Regensburger Projekt, das 2000 seinen Anfang nahm, ist das größte und aufwendigste im Freistaat zum Schutz einer Stadt vor Hochwasser. Das Wasserwirtschaftsamt plant ihn in enger Zusammenarbeit mit der Stadt und setzt ihn abschnittsweise um.

Fortschritt: Eigentlich wäre der nächste Abschnitt, der von den insgesamt 18 Hochwasserschutzmaßnahmen im Stadtgebiet an der Reihe wäre, Gallingkofen. Dort befindet sich das Wasserwirtschaftsamt allerdings noch in der Planung, während die weitaus komplexere Maßnahme am Unteren Wöhrd bereits in der Genehmigungsphase ist. Wo als nächstes gebaut wird, hängt auch davon ab, welches der beiden Verfahren zügiger vorangeht.

Baubeginn: In Bezug auf den Unteren Wöhrd war kürzlich von einem Baubeginn frühestens 2028 die Rede. Ob es dann tatsächlich losgeht, ist dem Wasserwirtschaftsamt zufolge aber nicht absehbar. Das hängt nicht nur von dem Genehmigungsverfahren ab, in dem als nächstes die öffentliche Erörterung ansteht, sondern auch vom Grunderwerb und der Finanzierung.