Hohe Spritpreise sorgen für Unmut: So ist die Stimmung an Kelheims Tankstellen

2,39 bis 2,41 Euro pro Liter Diesel – das sind die Preise, die Kelheimer Tankstellen am Donnerstagvormittag aufgerufen hatten. Wir haben uns bei den Autofahrern und den Tankstellenbesitzern in der Kreisstadt umgehört.
So mancher Autofahrer fragt sich, wann die Spritpreise wieder sinken, doch getankt wird trotzdem. Das jedenfalls stellte eine Mitarbeiterin der Freien Tankstelle Niederl in der Regensburger Straße auf Anfrage unserer Zeitung fest. „Vor Ostern wurde sogar noch mehr getankt, da die meisten Angst hatten, dass die Preise noch höher steigen“, sagt sie. Man spüre den Frust und die Verärgerung der Kunden über die Situation, aber am Personal der Tankstelle würden sie das nicht auslassen. „Die Leute wissen, dass wir nicht mehr verdienen und nichts dafür können“. Denn der Preis wird nicht an jeder Tankstelle individuell gemacht. „Die Preise hängen von den Lieferanten ab, wir selbst können sie nicht beeinflussen“, sagt sie.
Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die Spritpreise in Deutschland gestiegen, getrieben durch den Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus zwischen Iran und Oman. „Damit hätte man rechnen können“, sagt Rentner Lothar Kinskofer, den wir am Donnerstagnachmittag beim Tanken an der Tankstelle Beier getroffen haben. Denn bei den vielen Krisen der letzten Jahre sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis man es an den Zapfsäulen merkt.
Die Pendler trifft es aktuell besonders hart
Dennoch sieht er das Ganze gelassen - er muss sein Auto nur einmal im Monat tanken und befüllte am Donnerstag zusätzlich zwei Kanister mit Sprit für den Rasenmäher zuhause. „Ändern kann man eh nichts“, sagt Kinskofer, warum sich also ärgern? „Aber wenn man das Auto für die Arbeit braucht, ist das happig“, sagt er.

Es ist ein komplexes Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage, das sich unmittelbar an den Zapfsäulen bemerkbar macht. Die Betreiber der Tankstellen stehen dabei oft zwischen den Fronten.
Aber, dass die Leute aufgrund der hohen Spritpreise weniger oder gar nicht mehr tanken, kann die Mitarbeiterin der Tankstelle Niederl nicht bestätigen. Neben dem Ölpreis machen vor allem Steuern und Abgaben einen großen Teil des Spritpreises aus. Dazu zählen unter anderem die Energiesteuer sowie die Mehrwertsteuer.
Von der Spritpreisbremse merkt man nichts an den Preistafeln. „Eher nerven die Preissteuerung vom Staat und die neue 12-Uhr-Regelung“, heißt es an der Tankstelle Niederl. Diese besagt, dass seit dem 1. April die Spritpreise nur einmal am Tag, um 12 Uhr, erhöht, aber immer reduziert werden dürfen. Diese sei keine gute Idee, denn die Spritpreise würden trotzdem steigen.
Für viele Autofahrer ist Tanken inzwischen zur finanziellen Belastung geworden, wie eine Umfrage unserer Zeitung an mehreren Tankstellen in Kelheim ergeben hat. Wer mit Tankkunden spricht, bekommt direkt mit, wie verärgert sie sind. So manche pauschale Schimpftirade „auf die Politik“ ist da nicht zu überhören.
Besonders Pendler, die täglich auf ihr Auto angewiesen sind, spürten die Preissteigerungen deutlich. Oder viele machen es wie Autofahrerin Elisabeth Bell: „Ich tanke nur noch so viel, um von A nach B zu kommen“, sagt sie. Um einigermaßen den Überblick zu behalten, nutzen manche auch Spritpreis-Apps, doch auch das helfe nur begrenzt, denn „wer das Auto braucht, um zur Arbeit zu kommen, kann sich nicht aussuchen, ob er tanken möchte oder nicht“, sagt Bell.
Ich tanke nur noch so viel, um von A nach B zu kommen.Elisabeth Bell, Autofahrerin
Man spürt den Frust unter den Leuten, die die Preise für übertrieben hoch empfinden und Steuersenkungen fordern. „Es ist ein Witz“, sagt Bell. Dass es in anderen europäischen Ländern günstigeren Sprit gibt, trifft auf Unverständnis unter den Kunden der Tankstellen.
Denn in Deutschland ist der Benzinpreis erneut schneller gestiegen als in vielen benachbarten EU-Ländern. Hier spielt die Energiesteuer eine wichtige Rolle. 47 Cent pro Liter Diesel beziehungsweise 65,4 Cent pro Liter Benzin kassiert der Staat. Dazu kommt noch die CO2-Abgabe in Höhe von 20,5 Cent pro Liter Diesel beziehungsweise 18,6 Cent pro Liter Benzin.
Nach Daten der Europäischen Kommission kletterte der Preis für Superbenzin zwischen dem 30. März und dem 6. April hierzulande um rund elf Cent je Liter nach oben. In Nachbarländern wie Frankreich, Belgien und Italien fielen die Aufschläge deutlich niedriger aus. Nur Dänemark erlebte mit etwa neun Cent einen ähnlich starken Anstieg.
Spritpreise erstmals wieder gesunken
Am Donnerstag sind die Spritpreise erstmals wieder gesunken, meldeten die Agenturen. Aber nur geringfügig. Die Tage vorher kratzte der Dieselpreis an der 2,50-Euro-Grenze, gestern kostete an Kelheimer Tankstellen Super E10 2,20 Euro pro Liter, Super E5 2,26 Euro, und Diesel sank am Donnerstagnachmittag gegen 14.30 Uhr auf 2,37 bis 2,39 Euro
Motorradfahrer Alex Kolb sieht die Preisentwicklung ebenfalls als belastend, denn „wenn jetzt das schöne Wetter kommt, wird’s teuer“ mit seiner Zweitaktmaschine. Aber auch daheim in der Landwirtschaft. Da müsse man sich jetzt nun zweimal überlegen, ob der Bulldog angemacht wird, sagt er. Dennoch verspürt Kolb keinen Frust auf die Politik, sondern sieht es eher so, dass es mit der Zeit besser werden wird.
Wie sich die Preise in Zukunft entwickeln, bleibt ungewiss. Sowohl Tankstellenbetreiber als auch Kunden hoffen auf eine Entspannung der Lage. Bis dahin bleibt Tanken für viele ein Thema, das weiterhin für Diskussionen sorgt.