Weniger Bierdurst im Landkreis – Wie geht es Kelheimer Brauereien damit?

Von Sophie Knorr · 7. April 2026 um 19:00

Die Schließung der Regensburger Brauerei Bischofshof war für viele ein Schock – auch für Johann Berghammer aus Oberndorf. Der Braumeister und sein Sohn Severin brauen jeden Dienstag ab 5 Uhr morgens Weißbier, Helles und Kupferbier. Ihr Betrieb ist einer der kleinsten im Landkreis. Und das, sagen sie, sei derzeit ein Vorteil.

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Johann Berghammer und sein Sohn Severin sind beide Braumeister aus Leidenschaft. In der Regel wird in der Brauerei Berghammer in Oberndorf immer dienstags gebraut. Dann geht es schon morgens um 5 Uhr los um Weißbier, Helles und dunkles Kupferbier zu brauen.

„Wir sind eine der kleinsten Brauereien im Landkreis und haben zum Glück nur zwei Angestellte“, sagt Berghammer. Seine Personalverantwortung halte sich damit in Grenzen. Seit er von der Schließung der Brauerei Bischofshof aus Regensburg gehört hat, sei er froh, nur einen kleinen Betrieb zu haben. „Bei einer solchen Größe wie bei Bischofshof ist die Personalverantwortung eine andere“, sagt er.

Das Aus für den Bischofshof sei für Johann Berghammer „ein echter Schock“ gewesen. „Dass eine der größten und ältesten Brauereien in Regensburg schließen muss, hätte ich nie gedacht“, sagt er. Ende dieses Jahres werden die Markenrechte der Regensburger Brauerei von der Kelheimer Brauerei Schneider Weisse übernommen.

Mittelständische Betriebe besonders betroffen

Laut Bayerischem Brauerbund ist die Schließung der Regensburger Brauerei aber nur ein Beispiel für eine Entwicklung, die sich in vielen Regionen Bayerns zeigt. Die Jahresbilanz des Bierabsatzes fiel 2025 für ganz Bayern ernüchternd aus: Der Inlandsabsatz sank um 4,5 Prozent. Besonders betroffen seien vor allem mittelständische Betriebe, die ohnehin mit steigenden Betriebskosten und wachsendem Preisdruck kämpften.

Auch Berghammer stellt einen Wandel hinsichtlich des Bierkonsums fest. Im Januar diesen Jahres sei so wenig wie noch nie getrunken worden. „Die Leute sind mittlerweile gesundheitsbewusster und verzichten deshalb auch mehr auf Alkohol“, so Berghammer. Unter anderem sei der immer weiter anwachsende Trend des „dry january“ dafür verantwortlich, bei dem viele Menschen im Monat Januar komplett auf Alkohol verzichten. „Am Stammtisch trinkt niemand mehr sechs Bier wie noch vor einigen Jahren“, sagt er.

„Dass der Markt angespannt ist, merken auch wir“, sagt Maximilian Krieger, Geschäftsführer des Brauhauses Riedenburg. Trotz des Konsumeinbruchs habe das Brauhaus seinen Umsatz im letzten Jahr aber steigern können. Das sei ihrem alkoholfreien Angebot zu verdanken. Weil die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier stetig ansteige, braut Krieger mittlerweile elf verschiedene Sorten davon.

Die Brauerei Berghammer bietet kein alkoholfreies Bier an. „Dafür haben wir nicht die Kapazitäten und sind ein zu kleiner Betrieb“, sagt Sohn Severin. Bei ihnen wird vieles noch selbst gemacht, was in großen Betrieben Maschinen übernehmen. „Wir füllen die Flaschen noch selbst ab , stapeln die Kisten auf Paletten und fahren das Bier anschließend selbst zu den Kunden“, erzählt Severin Berghammer. „Leider müssen wir auch das Putzen nach dem Brauen selbst übernehmen“, sagt er schmunzelnd.

Braumeister Severin Berghammer beim Brauprozess. Im Kessel befindet sich die so genannte Würze für ein helles Bier. - Foto: Sophie Knorr

Darüber hinaus ist die Brauerei nur regional vertreten und verzichte auf Werbung. „Deshalb würde es uns schon helfen, wenn die Leute regionaler denken würden“, sagt Johann Berghammer. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage sei die Konsumlaune aber generell zurückhaltend, viele müssten sparen.

Außerdem seien viele Leute nicht mehr bereit, den Preis für hochwertiges Bier zu bezahlen. Bei den Angebotspreisen von großen Brauereien könne er nicht mithalten. „Die Spottpreise großer Brauereien erschweren zusätzlich das Bestehen von kleinen Brauereien“, schildert er. Ein Kasten Bier der Brauerei Berghammer kostet 19,50 Euro. Supermärkte werben mit Angeboten für unter 14 Euro.

Auswirkungen auch im Hopfenanbau spürbar

Zusätzlich würden steigende Rohstoffpreise die Situation für den Betrieb erschweren. So auch im Riedenburger Brauhaus. „Die Energiekosten sind um 100 Prozent, alle weiteren Kosten um 60 bis 80 Prozent gestiegen“, sagt auch Krieger. Die Auswirkungen des rückläufigen Bierkonsums betreffen aber nicht nur Brauereibetriebe.

Auch im größten deutschen Hopfenanbaugebiet, der Hallertau, hätten im vergangenen Jahre bereits 37 Betriebe schließen müssen, sagt Dr. Erich Lehmair, Geschäftsführer des Deutschen Hopfenverbands. „Durch den rückläufigen Bierkonsum wird in den Brauereien weniger Hopfen benötigt. Deshalb haben wir nun eine Hopfen-Überversorgung“, erklärt er.

Die Brauereilager seien noch immer voll und der Hopfenpreis entsprechend niedrig. Deshalb hätten Hopfenbetriebe mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Eine weitere Konsequenz seien außerdem Flächenrodungen. Etwa 1.100 von 16.500 Hektar wurden in der Hallertau bereits gerodet, weitere Rodungen könnten laut Lehmair noch in diesem Jahr folgen. „Wir sind gezwungen, die Flächen an den Konsum anzupassen und deshalb zu verkleinern“, sagt Lehmair.

Seitens des Brauerbunds sei künftig „eine Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette, nachhaltige Produktion und neue Produktfelder“ geplant. „Unsere Aufgabe ist es, das bayerische Brauhandwerk in eine neue Zeit zu führen! Mit Maß, Mut und Vertrauen darauf, dass die Menschen in Bayern auch morgen noch wissen, was ein gutes Bier wert ist“, so Georg Schneider, der Senior von Schneider Weisse in seiner Funktion als Präsident des Bayerischen Brauerbundes.

Trotz aller Schwierigkeiten ist Johann Berghammer nach wie vor gerne Brauer: „Im eigenen Betrieb steckt immer Herzblut“, sagt er. Und auch sein Sohn Severin hat Freude am Brauerberuf. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, kein Tag ist gleich und man freut sich, wenn man das fertige Bier in den Händen hält.“ Für die Zukunft hoffen sie, dass ihre Kunden die Qualität des Bieres weiterhin schätzen.