Christian Meßmann will Moderator für Steinberg am See und seine Bürger sein

Von Petra Beer-Dausch · 9. April 2026 um 17:00

Er freue sich narrisch, dass er die nächsten sechs Jahre Bürgermeister von Steinberg am See sein darf, sagte Christian Meßmann (CSU) nach seiner Wahl am 8. März. Mittlerweile sind knapp fünf Wochen vergangen und der 49-Jährige ist voller Tatendrang, wie im Gespräch mit dem angehenden Gemeindeoberhaupt deutlich wird. Der Mittelbayerischen verriet er, was für seinen Heimatort im Moment „Prio 1“ für ihn hat, wie er möglichst viele Steinberger einbinden will und welche Vision er für „Steinberg am See 2035“ hat.

Mit 58,5 Prozent der Stimmen setzte sich Christian Meßmann gegen die Mitbewerber Christopher Haas (SPD, 22,0 Prozent) und Michael Körner (AfD, 19,4 Prozent) durch. Die Reaktionen auf seine Wahl habe er so nicht erwartet, sagt Meßmann. Unter den zahlreichen Gratulanten seien auch viele gewesen, von denen er seit Jahren nichts mehr gehört habe. Bisher habe es nicht eine negative Rückmeldung gegeben, „das stimmt mich froh“. Aber er spüre auch, dass es Erwartungen an ihn gebe. Das Lob vorweg erhöhe den Druck.

Ab 1. Mai wird der 49-jährige Förderlehrer an der Mittelschule Burgweinting ehrenamtliches Gemeindeoberhaupt von Steinberg am See mit seinen rund 2000 Einwohnern sein und die Nachfolge von Harald Bemmerl (SPD) antreten. Wie sein Amtsvorgänger den Übergang gestaltet, ist für Meßmann „super. Besser geht es nicht.“ Bemmerl gebe weiter Vollgas, nehme ihn überall mit hin, Entscheidungen würden gemeinsam getroffen. „Ich rechne ihm das hoch an“, sagt der künftige Bürgermeister.

Konstituierende Sitzung des Gemeinderats ist am 8. Mai geplant

Der 49-Jährige sieht seine Aufgabe vor allem als Moderator, setzt auf Kommunikation. Mit den Mitgliedern des neuen Gemeinderats gab es schon eine erste Vorbesprechung vor der konstituierenden Sitzung, die für Freitag, 8. Mai, geplant ist. In dem zwölfköpfigen Gremium gibt es künftig vier Sitze für die CSU, zwei für die JU, drei für die SPD, zwei für die AfD und einen für die FW – und damit so viele verschiedene Gruppierungen wie nie zuvor. „Ich glaube, es geht harmonisch weiter“, schildert Meßmann seinen Eindruck nach dem ersten Treffen. Nicht vorgreifen will er auf Nachfrage nach seinen Stellvertretern dem Ausgang bei der konstituierenden Sitzung.

Mir ist das Miteinander wichtig und dass die Leute zu mir kommen. Es hilft nichts, wenn hinten rum geschimpft wird.Christian Meßmann, künftiger Bürgermeister von Steinberg am See

Vorbesprechungen für größere und wichtige Themen will der künftige Bürgermeister institutionalisieren und dafür einen vorberatenden Hauptausschuss einführen. Die erforderliche Änderung der Geschäftsordnung müsse der Gemeinderat beschließen.

Mit einbinden will Meßmann möglichst viele Teile der Gesellschaft – und dafür verschiedene Beiräte als Bindeglied ins Leben rufen. Zum Beispiel einen Familienbeirat, in den er neben den zwei Familienbeauftragten weitere Personen holen möchte, die sich in diesem Bereich bereits engagieren oder einbringen möchten. Für Mai ist ein Treffen mit allen Vereinsvorsitzenden geplant, um über deren Sorgen und Bedürfnisse zu sprechen. Auch hier sei das Ziel, ein Gremium – Arbeitstitel Vereinsbeirat – ins Leben zu rufen. Das gute Miteinander in Steinberg am See ist für den künftigen Bürgermeister in erster Linie auch ein Verdienst der Vereine.

Künftiger Bürgermeister arbeitet gerne als Lehrer

Meßmann will zudem alle Gewerbetreibenden für einen Austausch an einen Tisch holen. „Wir wollen weiteres Gewerbe ansiedeln, wer wüsste besser, wie das klappen kann oder woran es hängt“, so der 49-Jährige. Einen Seniorenbeirat schließlich gebe es schon, aber der solle künftig auch mehr mit einbezogen werden.

Auf breite Unterstützung angewiesen ist Meßmann, denn das Bürgermeisteramt in Steinberg am See ist ein Ehrenamt. „Ich bin gerne Lehrer und will auch Lehrer bleiben“, betont der 49-Jährige. Er arbeitet an einer gebundenen Mittelschule in einem jungen Kollegium, „das macht Spaß und ich würde das sehr vermissen.“ Er unterrichte aktuell 13 Stunden in Klassen, sei ansonsten in der Schulberatung und Verwaltung tätig, so dass er auch im Homeoffice arbeiten und Termine teilweise frei legen könne. „Ich denke, dass sich das gut vereinbaren lässt“, sagt Meßmann.

Auch wenn er seit 2020 als 2. Bürgermeister tätig ist, gibt es natürlich Themen, in die sich der 49-Jährige noch intensiver oder neu einarbeiten muss. Antworten versuche er gerade auf die Frage „Wo können wir noch expandieren mit Gewerbeflächen und Bauland?“ zu finden. Dabei müsse man auch die bestehende Infrastruktur betrachten. Gerade für Bauland sieht Meßmann schon Bedarf. Vor diesem Hintergrund sollen auch die Eigentümer von Baulücken-Grundstücken kontaktiert und eventuelle Verkaufsbereitschaft abgeklärt werden.

Der künftige Bürgermeister hat sich viel vorgenommen. Welche Vision hat er für „Steinberg 2035“? Der 49-Jährige muss nicht lange nachdenken. „Ich hoffe, dass wir weiterhin finanziell gut dastehen und die Wasserversorgung in der eigenen Hand haben.“ Er wünsche sich, dass die Bürger die Notwendigkeit von anstehenden Maßnahmen erkennen und sie mittragen. Meßmann hofft, dass es gelingt, die Vereinskultur und das Miteinander am Leben zu erhalten und das offene politische Gespräch beizubehalten. Der 49-Jährige abschließend: „Mir ist das Miteinander wichtig und dass die Leute zu mir kommen. Es hilft nichts, wenn hinten rum geschimpft wird.“

Aktuelle Themen für Steinberg: Das hat für Meßmann „Prio 1“

• Nahversorgung – der künftige Bürgermeister ist „vorsichtig optimistisch“: Momentan gibt es kein Geschäft vor Ort, das Waren für den täglichen Bedarf anbietet. Ein lokaler Unternehmer will nun mit sogenannten „Marktboxen“ für Abhilfe sorgen. „Diese Initiative finde ich super“, so Christian Meßmann. Dennoch halte man weiterhin an dem Ziel fest, einen Nahversorger anzusiedeln, „das hat Prio 1 für mich“. „Die Drähte zu den Vermittlungsbüros glühen“, berichtet der 49-Jährige. Er sei vorsichtig optimistisch. Ein Kleinsortimenter mit einer Verkaufsfläche von 600 bis 800 Quadratmetern sei für ihn der große Wurf. Eine Alternative, die parallel verfolgt werde, sei ein Dorfladen im Rathaus.

• Ponyhof-Gelände – Platz für Senioren oder auch alle Generationen?: Erklärter Wille des bisherigen Gemeinderats für das ehemalige Ponyhof-Gelände mitten im Ort ist ein Projekt Wohnen im Alter. Der Bedarf steht für Meßmann außer Frage. Es seien drei Objekte mit unterschiedlichen Strukturen besichtigt worden. Es gebe Bauträger und Betreiber, die signalisiert haben, dass sie dieses Projekt in Steinberg am See umsetzen würden. In welcher Form, das sei noch offen und hänge vom Investor ab – ebenso, ob sich die weitere Idee, dort einen Mehrgenerationentreff zu schaffen, realisieren lasse. Eine planungsrechtliche Herausforderung gibt es allerdings noch: Bei Hochwasser oder Starkregen tritt im Bereich beim ehemaligen Ponyhof der Schreckerbach über die Ufer und das Areal steht unter Wasser. Dafür muss eine Lösung gefunden werden.

• Infrastruktur – bei der Wasserversorgung stehen große Ausgaben an: Größere Projekte sieht Christian Meßmann im Bereich Wasserversorgung auf die Gemeinde zukommen. Er spricht sogar von „existenziellen Ausgaben“. Konkret gehe es um eine vorgeschriebene räumliche Trennung der Trinkwasserbrunnen und der Aufbereitungsanlage. Für den Straßenunterhalt seien im Finanzplan für die kommenden fünf Jahre Mittel eingestellt, damit wolle man immer wieder kleinere Straßenzüge sanieren. Irgendwann stehe aber der Reutinger Weg als größere Maßnahme an, „man muss sich überlegen, wie man das finanziell stemmen kann.“

• Tourismus und Steinberger See – weitere Projekte wollen gut überlegt sein: Der See hat sich für Christian Meßmann gut entwickelt, aber jetzt sei man „an einer Grenze angelangt, wo man ganz genau schauen muss, wenn man noch einmal etwas ansiedelt.“ Der künftige Bürgermeister sagt, er sei grundsätzlich offen für neue Ideen, diese müssten sich aber gut einfügen. Zum geplanten Campingplatz sagte der 49-Jährige, der Investor verfolge dieses Projekt nach wie vor, und es bestehe auch Baurecht. Es liefen derzeit Bodenproben. Wenn allerdings der aktuelle Investor den Campingplatz doch nicht realisieren würde, „dann würde ich das Thema nicht mehr weiter verfolgen“, so Meßmann.