Einziger roter Rathauschef im Landkreis: Steinbergs Bürgermeister Harald Bemmerl hört auf

Von Philipp Breu · 5. März 2026 um 17:00

Harald Bemmerl kann man getrost als lokalpolitisches Urgestein bezeichnen. Seit 36 Jahren ist er im Steinberger Gemeinderat dabei, zwölf Jahre lang hat er die Amtsgeschäfte seiner Heimatgemeinde als Bürgermeister geleitet. Nun zieht sich der derzeit einzige amtierende Rathauschef, den die SPD im Landkreis Schwandorf stellt, größtenteils zurück. Zeit für eine letzte Bilanz.

Seinen Schreibtisch hat der 72-Jährige schon begonnen, etwas aufzuräumen. Und dabei ist er immer wieder auf interessante Dokumente und Aktenvermerke gestoßen. Einige reichen bis in die 90er Jahre zurück. „Ich habe zum Beispiel dem Scharf Jakl immer wieder mal geschrieben, dass er bei bestimmten Themen zu Potte kommen soll“, sagt Bemmerl und lacht. Da sei er noch Fraktionssprecher der SPD im Gemeinderat gewesen, und Jakob Scharf, Spitzname Jakl, der Bürgermeister von Steinberg am See.

Zweimal kandidierte Bemmerl gegen den CSUler, zweimal hat er aber deutlich verloren. 2014, als sich Jakob Scharf nach 30 Jahren eben nicht mehr als Bürgermeister zur Wahl gestellt hatte, witterte der SPDler seine große Chance. Und diesmal sollte der Sprung auf den Chefsessel im Steinberger Rathaus gelingen. Bemmerl setzte sich in der Stichwahl gegen CSU-Bewerber Bernd Hasselfeldt mit 55 Prozent der Stimmen durch. Bei seiner Wiederwahl 2020 war die Sache deutlicher. Bemmerl wies seinen Herausforderer Christian Messmann (CSU) mit über 65 Prozent in die Schranken.

Von der Erlebnisholzkugel bis zur Rettung der Grundschule

So hielt er im Steinberger Rathaus auch in den vergangenen sechs Jahren die rote Fahne hoch – als einziger Bürgermeister im Landkreis. Für ihn sei das aber bis heute eher eine Randnotiz. Schließlich gehe es ja darum, über Parteigrenzen hinweg zum Wohl der Gemeinde zusammenzuarbeiten – und das habe in Steinberg unterm Strich gut geklappt.

Während seiner Amtszeit habe sich in der Gemeinde viel getan, sagt Bemmerl. Die Ortschaft Oder wurde beispielsweise an die Kanalisation und die Wasserversorgung angeschlossen. Damit wurde auch der Weg bereitet für die Ansiedlung der Erlebnisholzkugel samt Chalet-Ressort, die zusammen jährlich zahlreiche Touristen aus Nah und Fern anlocken. Aber auch im Bereich der Kinderbetreuung habe er zusammen mit den Gemeinderäten die Kommune fit für die Zukunft gemacht.

Der katholische Kindergarten St. Martin wurde neu gebaut, erweitert und dort erstmals auch eine Kinderkrippe ins Leben gerufen. Im September 2023 nahm der Waldkindergarten Mooswichtel seinen Betrieb auf.

In Sachen Grundschule tat sich ebenfalls etwas. 2016 hatte es laut Bemmerl noch so ausgesehen, als gäbe es zu wenig Schüler, um die Einrichtung weiter bestehen lassen zu können. Doch dann wurden neue Baugebiete erschlossen, wie beispielsweise Hirmerleithen III mit 53 Parzellen. „Da habe ich alle Grundstücke selbst verkauft“, erinnert sich der Noch-Rathauschef. Viele junge Paare ließen sich nieder, die Zahl der Kinder stieg.

Harald Bemmerl ist nur noch auf der Kreistagsliste zu finden

Daneben gebe es noch eine Reihe weiterer Dinge, die während seiner Amtszeit in Angriff genommen wurden. Straßen wurden saniert, die Wasser- und Abwasserversorgung moderner aufgestellt, die Verkehrsführung rund um den Steinberger See neu konzipiert und umgesetzt, die Turnhalle saniert oder auch der Glasfaserausbau vorangetrieben. „Ziel war es immer, eine attraktive Wohngemeinde zu schaffen, mit dem Steinberger See als touristische Anlage. Das ist uns bisher ganz gut gelungen“, sagt Bemmerl.

Aber natürlich gibt es noch ein paar Baustellen, die die Gemeinde in den kommenden Jahren beschäftigen werden. Der Rathauschef denkt hier beispielsweise an die Nahversorgung, die Kanalsanierung, die Erneuerung der Trinkwasserversorgung, die kommunale Wärmeplanung oder die Realisierung des Campingplatzes am Seeufer.

Ziel war es immer, eine attraktive Wohngemeinde zu schaffen, mit dem Steinberger See als touristische Anlage. Das ist uns bisher ganz gut gelungen.Harald Bemmerl, Noch-Bürgermeister in Steinberg

Das seien aber alles Dinge, die dann sein Nachfolger mit einem erneut zwölfköpfigen Gemeinderat wuppen müsse, so Bemmerl. Denn fest steht, dass der Amtsinhaber selbst weder für den Chefposten im Rathaus noch für eine weitere Periode im Gemeinderat zur Verfügung stehen wird. Nur auf der Kreistagsliste der SPD ist der Name Harald Bemmerl noch zu lesen. „Mit 72 ist es einfach an der Zeit, kürzer zu treten“, begründet er seine Entscheidung,

Wie die Wahl am 8. März ausgeht, will Bemmerl, der sich als Wahlleiter zur Verfügung stellt, nicht prognostizieren. „Aber es wird sicher spannend“, sagt er. Eine Stichwahl sei angesichts dreier Kandidaten nicht ausgeschlossen, auch im Gemeinderat könnten einige neue Gesichter dazukommen.

Genug Zeit für die geliebten Enkel und das Angeln

Am 1. Mai wird der Wechsel dann offiziell vollzogen sein. Bis dahin will Bemmerl zusammen mit der aktuellen Gemeinderatsbesetzung den Haushalt 2026 unter Dach und Fach bringen. Das soll noch in der Sitzung im März passieren. „Ich hoffe, dass wir im April dann noch eine Abschlusssitzung halten können – mit möglichst wenig Tagesordnungspunkten.“

Und dann? „Privat wird es mir sicher nicht langweilig“, sagt Bemmerl. Er sei erst kürzlich zweifacher Opa geworden und gehe gerne zum Angeln. Und natürlich wird er auch weiter die geliebte Lokalpolitik in seiner Heimat Steinberg am See verfolgen. „Wenn jemand mal einen Rat braucht, stehe ich zur Verfügung“, so Bemmerl.