Steinberg vor spannendem Dreikampf: Kandidaten von CSU, SPD und AfD wollen Bürgermeister werden

Schon jetzt steht fest: Ab 1. Mai 2026 hat Steinberg am See einen neuen Bürgermeister. Denn Amtsinhaber Harald Bemmerl (SPD) tritt nach zwölf Jahren nicht mehr an. Drei Kandidaten wollen künftig ehrenamtlich die Geschicke der Gemeinde lenken: Christian Meßmann (49 Jahre, CSU), Christopher Haas (41 Jahre, SPD) und Michael Körner (39 Jahre, AfD). Für die Gemeinderatswahl sind erstmals fünf Listen zugelassen – neben den bereits vertretenen Gruppierungen CSU, SPD und Freie Wähler auch die AfD und die Junge Union (JU).
Das scheidende Gemeindeoberhaupt Harald Bemmerl fungiert als Wahlleiter. Er erwartet einen spannenden Kampf um den Bürgermeister-Stuhl“. CSU-Kandidat Meßmann hatte bereits 2020 seinen Hut in den Ring geworfen. Amtsinhaber Bemmerl erreichte damals 65,81 Prozent, Meßmann kam auf 34,19 Prozent.
Nahversorgung als Thema Nummer eins bei Bürgern
Seit 2020 ist Meßmann 2. Bürgermeister und Gemeinderat. Der 49-jährige Förderlehrer an der Mittelschule kam 1996 nach Steinberg am See; Mit Ehefrau Susanne hat er zwei Söhne. Als drängendstes Thema sieht der 49-Jährige die Nahversorgung. Das sei auch bei seinen Hausbesuchen im Wahlkampf Thema Nummer eins gewesen. Im Ort gebe es keinen einzigen Laden mehr. Hier wolle er möglichst schnell eine Lösung präsentieren, es liefen schon Gespräche, weiß er als 2. Bürgermeister. Ziel sei die Ansiedlung eines Teilsortimenters, eines Supermarkts, der mit seiner Produktpalette zumindest eine Grundversorgung gewährleistet. Die wahrscheinlichere Lösung sei aber ein Dorfladen.

Ein weiteres Anliegen ist es für Meßmann, möglichst „das gesamte Dorf“ miteinzubinden. Er sei ein Teamplayer und wolle seine Arbeit als Bürgermeister auf eine breite Basis stellen. Er sehe seine Rolle als Zuhörer, Verwalter und Umsetzer.
Thema See: Der Schritt hin zur Tourismusgemeinde ist für Meßmann nach wie vor richtig, aber an etwas großes Neues am See sei nicht mehr zu denken. Die Belastung für das Dorf und Oder sei bereits groß genug.
Der CSU-Kandidat sieht sich gut gerüstet für die Aufgabe als Gemeindeoberhaupt – nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen als 2. Bürgermeister. Die Arbeit in der Kommunalpolitik „erfüllt mich, sie ist eine schöne Ergänzung zum Schul- und Familienalltag“, sagt der 49-Jährige. Die Rückmeldungen beim Häuserwahlkampf seien durchweg positiv gewesen, aber wie es am 8. März ausgeht, „liegt in der Hand der Wähler“.
Gerüstet für alle Aufgaben sieht sich auch SPD-Kandidat Christopher Haas. Als Newcomer müsse man aber den Wahlausgang „schon realistisch sehen“, sagt er auf die Frage, welche Chancen er sich ausrechnet. Die Kommunalwahl 2026 soll für den 41-Jährigen auf jeden Fall der erste Schritt zu einem längerfristigen Engagement sein. Haas wohnt mit seiner Frau, einer gebürtigen Steinbergerin, seit sechs Jahren wieder in der Gemeinde und hat zwei Kinder. Der Entwicklungsingenieur im Bereich Automobiltechnik will mit seiner Kandidatur für den Gemeinderat und als Bürgermeister nach eigenen Worten auch ein Zeichen setzen, dass die SPD stark vertreten sei im kommunalen Bereich. Dabei gehe es ihm nicht um Parteiinteressen, sondern um die beste Lösung. Haas setzt darauf, dass zum Wohle Steinbergs alle an einem Strang ziehen.

Ein wichtiger Punkt für ihn als Bürgermeister wäre es, für mehr Transparenz zu sorgen. Es seien viele Themen angedacht und besprochen worden, aber oft fehle dann die Kommunikation mit den Bürgern, warum sie nicht oder anders umgesetzt würden. Weitere Anliegen des SPD-Kandidaten sind eine neue Nutzung für das Gelände des ehemaligen Ponyhofs, wo er neben Wohnen bzw. Wohngemeinschaften für Senioren auch einen Ort für generationenübergreifende Begegnungen schaffen möchte. Steinberg am See habe einen Kindergarten, einen Waldkindergarten und eine Grundschule. Damit all das erhalten bleibe, müssten sich weiterhin Familien ansiedeln können, dazu brauche es Bauplätze.
Viele wollen sich ehrenamtlich in der Politik engagieren
Der Tourismus könne weiter wachsen – aber nur unter Einbindung der Bürger, der Wahrung ihrer Interessen und naturverträglich. Mit Blick auf die Zahl der Bewerber – die Steinberger können zwischen drei Bürgermeister- und 44 Gemeinderatskandidaten wählen – betonte Haas: „Das ist eine hervorragende Leistung für Steinberg. Wir können alle stolz darauf sein, wie viele sich ehrenamtlich engagieren wollen. Das ist nicht selbstverständlich.“
Er wolle Steinberg am See etwas zurückgeben sagt AfD-Kandidat Michael Körner auf die Frage nach seiner Motivation. Familie und Freunde hätten ihn bestärkt, anzutreten. Der 39-jährige Gruppenleiter und zweifache Vater, der seit 1998 in Steinberg am See lebt, ist nach eigenen Angaben früher in der JU und CSU engagiert gewesen, 2015 aber ausgetreten. Mittlerweile fühle er sich von der AfD am ehesten repräsentiert und 2025 beigetreten. Ein großes Anliegen sei ihm, dass die Gemeinde eine gewisse finanzielle Autarkie erreiche, um nicht nicht mehr so abhängig von Bund und Land zu sein.

Bei der weiteren Entwicklung am See setze die Infrastruktur Grenzen. Wichtig ist für den AfD-Kandidaten, dass die Gemeinde aus dem, was man jetzt schon an Tourismus habe, auch ein Plus erziele. Es könne nicht sein, dass die Parkplätze zwar gebührenpflichtig seien, die Verwaltungskosten aber höher als die Einnahmen. Es gehe darum, die Tourismus-Ströme besser zu koordinieren und eine gemeinsame Vision zu entwickeln. Aber auch kleine Schritte wie die Asphaltierung von noch unbefestigten Abschnitten beim Weg um den See stehen auf Körners Agenda.
Die Bürgermeisterwahl „ist eine Persönlichkeitswahl, da kann wirklich alles passieren“, sagt der AfD-Kandidat. Im Wahlkampf habe er viel Zuspruch bekommen, es gebe aber auch viele, „die die AfD nicht mögen.“ Körner ist überzeugt: Der Wahlabend in Steinberg „wird auf jeden Fall spannend.“
Zwei treten bei der Gemeinderatswahl nicht mehr an
• Listen: Für die Wahl des Gemeinderats von Steinberg am See sind fünf Listen zugelassen. Zwölf Sitze sind zu vergeben. Bisher sind drei Gruppierungen vertreten: CSU (fünf Sitze), SPD (fünf Sitze) und Freie Wähler (zwei Sitze).
• Kandidaten: Am 8. März treten nun erneut die CSU mit zwölf Kandidaten, die SPD mit zwölf Kandidaten sowie die Freien Wähler mit vier Kandidaten an. Erstmals um Sitze bewerben sich die AfD mit vier Kandidaten sowie die Junge Union mit einer eigenen Liste mit zwölf Kandidaten, von denen fünf von der Frauenunion kommen.
• Wechsel: Von den bisherigen zwölf Gemeinderatsmitgliedern haben sich zehn wieder zur Wahl gestellt. Lediglich Philipp Binner (SPD) und Ingo Ippisch (FW) treten nicht mehr an.