Bergdoktor testete neue Zimmer: Hotel Gasthof Fenzl in Steinberg nach Umbau eingeweiht

Von Renate Ahrens · 30. Januar 2026 um 17:00

Rechtzeitig zum 100-jährigen Bestehen des Hotel Gasthofs Fenzl in Steinberg am See beginnt auch ein neues Kapitel: Was über Generationen gewachsen ist, wurde behutsam erneuert und erweitert – mit Respekt vor der Geschichte und dem Blick nach vorn. Mit zahlreichen Ehrengästen feierte Familie Fenzl den Umbau und das Jubiläum gebührend.

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Viele Meilensteine hat das Traditionsgasthaus in seinen 100 Jahren erlebt, wie Kreisheimatpfleger, stellvertretender Landrat und Steinbergs Altbürgermeister Jakob Scharf in seiner Rede hervorhob. Dabei erzählte er auch Anekdoten zum Staunen und Lachen. Bereits seit mindestens 1680 ist das Haus, eines der sieben ältesten des Ortes, laut Dokumenten als „Wirtsgütl“, Taverne oder Gasthaus erwähnt – zunächst mit kleinem Laden, Landwirtschaft und Metzgergerechtigkeit.

1925 wurde das Anwesen für 28.000 Mark erworben

Die Geschichte der Familie Fenzl begann 1925, als Josef Fenzl II. aus Irlach das Anwesen für 28.000 Mark kaufte und am 12. Juli desselben Jahres zur „Einstandsfeier mit Konzert und Schlachtpartie“ einlud. Seine Landwirtschaft in Irlach hatte ihm die Bayerische Braunkohlenindustrie AG (BBI) abgekauft. In einer Werbeanzeige bat er um „gütigste Unterstützung“ der Bevölkerung – und tatsächlich sollte das Gasthaus eine Erfolgsgeschichte schreiben.

Fahrendes Volk und Handwerksburschen wurden untergebracht, damals noch im Stall neben den sechs Pferden. Das war der Vorläufer des heutigen Hotels. Einheimische trafen sich zum Schafkopfen und am Stammtisch, während der „Bauerntisch“ nur für Honorationen reserviert war. Auch viele Vereine fanden hier eine Heimat. „Das Wirtsgütl wurde zu einem echten Dorfwirtshaus mit einem stets gastfreundlichen Wirt Sepp und seiner Ida“, lobte Scharf.

Nachfolger Josef Fenzl III. übernahm den Gasthof 1955, im selben Jahr wurde Josef Fenzl IV. geboren, Vater des heutigen Eigentümers Ronnie Fenzl und gelernter Kaufmann. Dieser träumte schon lange davon, das Wirtshaus zu einem Landgasthof umzubauen, der die „bürgerliche Mitte“ zusammenbringen sollte, wie der Seniorchef zurückblickt. Im Jahr 1973 übernahm er den Betrieb. 2001 erfolgte der erste größere Umbau, bei dem erstmals Zimmer zum Übernachten angeboten wurden.

Im Festsaal wurden über die Jahrzehnte legendäre Feiern abgehalten, vor allem der Fasching war beliebt. „Die maskierte Turnstunde war eine Goldgrube. 60 Flaschen Schnaps wurden an einem Abend ausgeschenkt – und niemand wurde kontrolliert“, erinnert sich Josef Fenzl.

Einen großen Aufschwung brachte das Ende des Bergbaus in Steinberg am See. Wo einst der Tagebau die Landschaft prägte, glitzert nun der See, und Menschen genießen Freizeit, Urlaub und Natur. Der Ort hat sich vom Arbeiterdorf zum beliebten Tourismusziel gewandelt. Mittlerweile liegt der Hotelgasthof Fenzl mitten im Oberpfälzer Seenland.

Als der Fasching an Bedeutung verlor, wurde 2012 der Saal aufgelöst und durch zehn weitere Zimmer ersetzt. Der Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten sei stetig gewachsen, betonte auch Bürgermeister Harald Bemmerl, der der Familie Fenzl ebenfalls gratulierte: „Die Familie hat stets vorausgedacht, Mut bewiesen und ist nun in ein nächstes Level aufgestiegen.“

Der bislang größte Umbau erfolgte im vergangenen Jahr: Im alten Teil des Hauses blieben nur die Außenwände stehen, alles andere wurde in Holzständerbauweise erneuert. Elf moderne Zimmer entstanden, sodass nun insgesamt 33 Zimmer mit 56 Betten zur Verfügung stehen. „Ronnie erfüllte damit meinen Lebenstraum“, sagt sein Vater.

Die Gäste konnten die neuen Räume bewundern. In Zimmer 205 hat kürzlich auch „Bergdoktor“ Hans Sigl übernachtet. - Foto: Renate Ahrens

Nicht nur Urlauber, sondern auch Durchreisende, Geschäftsreisende und Künstler wie Wolfgang Ambros, Eisi Gulp oder LaBrassBanda fühlten sich hier willkommen. Auch Hans Sigl, bekannt aus dem „Bergdoktor“, übernachtete kürzlich in einem der neuen Zimmer.

Eine urige Gaststube mit Eckbank und alten Balken

Seniorchef Josef Fenzl ist nach wie vor oft in der Gastwirtschaft anzutreffen – es sei eben sein Leben, sagt er. In der neuen Gaststube zeigt sich besonders gut, wie Moderne auf Tradition trifft. „Uns war es wichtig, sie urig zu gestalten, mit Eckbank und alten Balken“, betont Ronnie Fenzl (43), der nach Jahren im Ausland als Hotelfachmann heute gemeinsam mit seiner Frau Stephanie den Betrieb führt. Mit den Kindern Josef (5) und Helena (11) gibt es bereits die fünfte Generation der Wirtsfamilie. Den Handwerkern dankte er für ihre gute Arbeit beim Umbau.

Bei Oberpfälzer Spezialitäten – Leberknödeln, gesottener Bullenbrust, Rahmwirsing und Kartoffeln – und einem abschließenden Schnapserl sowie Faschingskrapfen als süße Hommage an eine unvergessliche Ära wurden das 100. Jubiläum und der erfolgreiche Umbau gebührend gefeiert. Eines sei in all den Jahren unverändert geblieben, sagt Seniorchef Josef Fenzl: „Gastronomie lebt von Leidenschaft. Nur so hat man langfristig Erfolg.“

Pfarrer Werner Sulzer erteilte den umgebauten Räumlichkeiten den kirchlichen Segen. - Foto: Renate Ahrens