Jeder zweite Irnsinger Haushalt ist ans Wärmenetz angeschlossen – Warum nicht mehr?

Von Jochen Dannenberg · 9. April 2026 um 15:00

Energie und Umwelt sind die großen Themen der Gegenwart. Der Ortsteil Irnsing zeigt, wie die Zukunft in Hinblick auf knapper werdende Ressourcen und steigende ökologische Anforderungen gelingen kann. In Irnsing (647 Einwohner) gibt es ein lokales Wärmenetz. Aber das stößt nicht nur auf Zustimmung.

Martin Beck, Vorsitzender der Irnsinger Wärmenetzgenossenschaft, die die Anlage für die Wärmegewinnung und -verteilung betreibt, zieht im Gespräch mit der Mittelbayerischen zunächst eine positive Bilanz. Die Entwicklung zum Irnsinger Wärmenetz sei sehr schnell gegangen, sagt Beck. 2022 habe es die erste Info-Veranstaltung gegeben, Ende 2025 war das Netz in Betrieb. „Die Hälfte der Irnsinger Haushalte war zu diesem Zeitpunkt ans Netz angeschlossen“, sagt Beck. Konkret waren es 130 von – je nach Zählweise – 230 bis 240 Haushalten, die es in dem Ort mit seinen rund 650 Einwohnern gibt.

Aber warum sind es nicht mehr? Immerhin wurde doch auch die Stadt Neustadt Mitglied der Genossenschaft. Sie hatte somit zumindest indirekt signalisiert, dass sie die Genossenschaft für ein seriöses Projekt hält. Und Stephan Kallmünzer, der das Netz gebaut hat, wohnt auch im Dorf. Was praktisch ist: Sollte es zu Störungen kommen, ist er bereits vor Ort. „Und der Stephan hängt mit seinem Haus auch am Wärmenetz und der will auch nicht frieren“, sagt Martin Beck. Weiterer Pluspunkt des Wärmenetzes: Die Heizanlage wird mit Pellets aus der Region befeuert. Man kann sie deshalb auch als ökologisch und regional bezeichnen.

Es geht um Unabhängigkeit und ums Geld

Bei der Suche nach Erklärungen, warum bisher nicht mehr Haushalte an das Wärmenetz angeschlossen sind, stießen Beck und seine Mitstreiter von der Genossenschaft auf unterschiedlichste Motive. „Das ist ähnlich wie damals, als Irnsing eine eigene Wasserleitung bekam. Da sagten manche Leute: Ich will unabhängig bleiben“, erläutert der Vorsitzende.

Daneben sagt er, gebe es auch ältere Einwohner, die die Investition scheuen oder vielleicht erst vor einigen Jahren ihre Heizung haben erneuern lassen. Dass sie diese Investition jetzt erst einmal „ableben“ wollen, erscheint verständlich. Nicht wenige, die jetzt nicht ans neue Wärmenetz angeschlossen sind, weiß Martin Beck, haben ihre eigenen Lösungen – Heizöl, Wärmepumpe, Pelletheizung.

Es sieht unspektakulär aus, aber der Ofen (Bildmitte) ist das Herstück des Irnsinger Wärmenetzes. - Foto: Jochen Dannenberg

Schließlich sagt Martin Beck, gebe es auch unzutreffende Vorstellungen darüber, was ein Anschluss und der Wärmebezug für einen einzelnen Haushalt kostet. Vor allem von denen, die nicht angeschlossen seien, würden völlig falsche Zahlen genannt. „Tatsächlich“, sagt Beck, „sind wir nicht zu teuer. Wir sind die günstigsten.“ Viele, die die Preise vergleichen würden, würden zudem die Rückstellung für den Austausch der Anlage übersehen.

Jetzt kommt Schützenhilfe von den Verbänden

Martin Beck wagt sogar eine Wette: „Wer uns beweist, dass ein Gebäude in Irnsing – mit egal welcher Wärmequelle – günstiger zu heizen ist, als mit einem Anschluss am Nahwärmenetz, bekommt von der Vorstandschaft der Irnsinger WärmeNetz eG eine Brotzeit für sich und seine ganze Familie beim Wirtshaus ‘Zum Dionys‘ in Gut Schwaben.“ Bisher soll dieser Wetteinsatz noch nicht eingefordert worden sein.

Der Aufbau und Betrieb von Wärmenetzen scheint ein harter Weg zu sein. Immerhin gibt es jetzt Schützenhilfe. „So wollen der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) dass in Gebieten, in denen ein Wärmenetz geplant ist, gebaut wird oder bereits besteht, andere Heizungsformen nicht mehr gefördert werden“, sagt Martin Beck.

Regelrecht kontraproduktiv findet er, dass derzeit trotz Förderung von Wärmenetzen auch andere Heizungsarten im selben Gebiet gefördert werden. „Da macht man sich selbst Konkurrenz und verschleudert Fördermittel“, schimpft Beck. Unterstützung für diesen Ansatz bekam er jetzt vom Genossenschaftsverband Bayern, wo ihm schriftlich mitgeteilt wurde, man sei völlig Becks Meinung, „dass es vor allem auch unter dem Gesichtspunkt der Kosteneffizienz nicht nachvollziehbar ist, warum Haushalte, die Teil eines bestehenden und funktionierenden Wärmenetzes sind, angereizt werden sollen, in ein eigenes Heizsystem zu investieren. Das ergibt gesellschaftlich weder kostentechnisch noch umwelttechnisch Sinn.“

Wohnen mit Aussicht: In Irnsing wurden zuletzt 31 Baugrundstücke geschaffen. Das schafft Nachfrage nach Wärme. - Foto: Jochen Dannenberg