Kurort als „Firma“: So viel Geld bringen die Touristen nach Bad Gögging

Der Tourismus ist ein zentraler Wirtschaftsmotor im Landkreis Kelheim. Der Kurort Bad Gögging im Landkreis Kelheim ist für die heimische Wirtschaft so bedeutend wie die großen Unternehmen im Landkreis. Die Zahlen wurden jetzt im Rathaus vorgelegt.
Eine wesentliche Grundlage für den Tourismus im Kurort sind die Gästeankünfte und Übernachtungen. Sie stiegen im vorigen Jahr erneut. Ende 2025 kam Bad Gögging damit auf 116.022 Ankünfte, die Zahl der Übernachtungen betrug zum Jahresende 578.867, berichtete Fiorentina Casale, Leiterin des Kulturausschusses in der jüngsten Sitzung des Gremiums.
Was die Gästeankünfte und Übernachtungen wirtschaftlich für den Kurort bedeuten, erläuterte Andrea Holzapfel, Leiterin der Abteilung Kultur, Tourismus und Bildung in der Stadtverwaltung, in derselben Sitzung. Danach gab es im Jahr 2024 rund 565.000 Übernachtungen und 450.000 Tagesgäste, woraus dwif-Consulting insgesamt 1,015 Millionen Aufenthaltstage und touristische Bruttoumsätze in Höhe von 99,3 Millionen Euro errechnete. Anders gesagt: Diese Summe floss 2024 in den Kurort.
Gewerbliche Betriebe sind größte Profiteure
Der größte Teil entfiel auf gewerbliche Betriebe (mehr als zehn Betten) mit 83,5 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Bruttoumsatz aus Tagesreisen lag bei 13,7 Millionen Euro, gefolgt von 1,6 Millionen im Bereich Camping und Wohnmobile sowie 0,5 Millionen bei Privatquartieren mit weniger als zehn Betten.
„Die direkten Profiteure des Tourismus sind dabei das Gastgewerbe zu 57,9 Prozent, was einem Bruttoumsatz von 57,5 Millionen Euro entspricht, der Einzelhandel mit 9 Prozent (9 Millionen Euro) sowie der Dienstleistungssektor mit 33 Prozent Anteil (32,8 Millionen Euro)“, sagt Andrea Holzapfel. Nach Abzug der Mehrwertsteuer verbleiben 92,3 Millionen Euro als Gesamtnettoumsatz.

„40 Millionen Euro davon entsprechen einer direkten Wertschöpfung, werden also unmittelbar zu Löhnen, Gehältern oder Gewinnen“, erklärte die Leiterin der Abteilung Kultur, Tourismus und Bildung. Der verbleibende Rest in Höhe von 52,3 Millionen Euro werde von den Unternehmen für Vorleistungen aufgewendet, woraus sich eine indirekte Wertschöpfung von 15,7 Millionen Euro ergebe.
Aus der Wertschöpfung lässt sich – zumindest rechnerisch – auch ermitteln, wie viele Menschen vom Tourismus leben. Das dwif, das diese Untersuchungen für den gesamten Freistaat Bayern durchführt, spricht insofern von einem „Beschäftigungsäquivalent“.
Durchschnittliches Gehalt von 28.104 Euro
Für Bad Gögging wurde ermittelt, dass 1979 Personen vom Tourismus leben. Ihr durchschnittliches Arbeitnehmerentgelt beträgt 28.104 Euro. Zumindest mit der Zahl der Beschäftigten kann der Kurort als „Firma“ mit den großen Betrieben im Landkreis Kelheim mithalten. So hat der Autozulieferer SMP in Neustadt a.d. Donau aktuell rund 2600 Beschäftigte, Wolf in Mainburg soll derzeit an seinem Stammsitz 1600 Arbeitnehmer haben.
Ob man deshalb vom Tourismus als einer Branche sprechen möchte, die möglicherweise noch immer als Wirtschaftsfaktor unterschätzt wird, Bad Gögging gar ein „hidden champion“ ist? Ganz sicher ist der Kurort der Schwerpunkt des Tourismus im Landkreis. Von insgesamt 1,02 Millionen Übernachtungen im Landkreis im Jahr 2024 entfielen auf Bad Gögging 57,3 Prozent.
