Kokain-Schwemme in Regensburg: Experten warnen vor neuer Drogenwelle

Von Philip Hell · 7. April 2026 um 05:00

Kokain ist allgegenwärtig – auch in Regensburg. Behörden und Suchtexperten warnen und sehen dabei weitere ernste Gefahren.

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Eine Szene, die sich vor nicht allzu langer Zeit in einer Regensburger Kneipe abgespielt hat: Eine Person verschwindet in einer Klo-Kabine. Sekunden später klackert eine Karte auf einer ebenen Fläche. Kurze Stille. Schnief. Kurze Stille. Schnief.

Die Kokain-Schwemme schlägt sich auch in den Zahlen der Polizei nieder. Laut Sicherheitsbericht für das Jahr 2025 gab es im vergangenen Jahr 141 Delikte mit Kokain – das entspricht einer Steigerung von rund zehn Prozent. Robert Fuchs, Leiter der Kriminalpolizei Regensburg, sagte bei einer Pressekonferenz unlängst, dass die Verfügbarkeit von Rauschgift – wie in jeder Großstadt – auch in Regensburg groß sei. Das zeigten auch die Sicherstellungsmengen. Die zunehmende Bedeutung von Kokain bereite der Polizei Sorge, sagte Fuchs. Das sei insbesondere in der Partyszene der Fall.

Eng verbunden mit Kokain ist dabei Crack – eine stark wirksame, rauchbare Form von Kokain, die sehr schnell abhängig machen kann und mit hohen gesundheitlichen und sozialen Risiken verbunden ist. Noch spielt die Droge eine untergeordnete Rolle, sagte Fuchs. „Wir befürchten, dass es mehr wird. Es ist eine verheerende Droge.“ Die Zahlen gingen langsam hoch.

Experten sprechen von einer Kokain-Schwemme in Regensburg

Diesen Eindruck teilen auch Menschen, die sich hauptberuflich mit Rauschgiftabhängigen beschäftigen. Insgesamt sei der Kokain-Konsum in Regensburg „stark gestiegen“, stellt etwa Marion Santl fest. Sie ist Leiterin der Fachambulanz für Suchtprobleme der Caritas Regensburg. Dabei sei die Droge in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Milieus zu finden. „Das liegt insbesondere an der gestiegenen Verfügbarkeit.“ Das wiederum führe zu einem Fall der Preise. Dazu komme eine breitere Akzeptanz von Kokain. Santl betont: „Es gibt keinen typischen Kokain-Konsumenten.“ Die Droge werde von Berufstätigen ebenso konsumiert wie auf der Straße. In Fachkreisen, sagt Santl, spreche man von einer „Kokain-Schwemme“. Dabei sei die Substanz hochgefährlich, warnt sie. Insbesondere die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit sei groß.

Damit nicht genug: Auch Crack halte Einzug in Regensburg, bestätigt Santl. Die Mischung aus Wasser, Kokain und Natron. Kleine Kristalle, die geraucht werden und dabei knacken – daher der Name. Auch an die Ambulanz der Caritas kommen Crack-Konsumenten, sagt Santl. „Es spielt vereinzelt eine Rolle“, sagt Santl. Aus anderen bayerischen Städten höre man, dass dort der Konsum der Droge, die mittels einer Pfeife geraucht wird, zum öffentlichen Konsumbild gehört. „Wir sind sehr achtsam.“ Insbesondere durch die hohe Verfügbarkeit von Kokain könne auch Crack in Regensburg schnell zum Problem werden.

Früher sei Kokain kaum in Regensburg verfügbar gewesen, sagt Santl. „Das kippt jetzt.“ Früher habe die Domstadt als Heroin-Hochburg gegolten. „Kokain ist dabei, dem Heroin den Rang abzulaufen.“ Insbesondere auf der Straße gelte allerdings: „Was da ist, wird genommen.“ Das führe wiederum zu großen Gefahren. „Die Konsumenten wissen ja nicht, was drin ist.“ Durch verunreinigte Stoffe, die dem Kokain beigemischt werden, um es zu strecken, bestünden große Risiken.

Experten warnen vor Kokain in Regensburg: Nicht nur die Droge an sich ist lebensgefährlich

Nur: Wie geht man damit um? Santl sagt, dass insbesondere die Behörden gefordert seien. Darüber hinaus müsse man auf Präventionsarbeit setzen und beispielsweise in den Schulen über die Gefahren durch Kokain aufmerksam machen. Zudem brauche es niedrigschwellige Angebote – und Aufmerksamkeit. Da sei jeder gefordert, sagt Santl. Wer in seinem Umfeld beobachte, dass sich jemand anders benimmt als sonst, solle das Gespräch suchen.

Maria Heilmeier leitet den Kontaktladen des Vereins Drugstop, der Menschen mit Suchterkrankung Hilfe anbietet. Seit einigen Jahren sei der Kokainkonsum exorbitant gestiegen. „Das liegt auch daran, dass es deutlich billiger geworden ist.“ Es sei inzwischen auch für Leute erschwinglich, die sich das früher kaum leisten konnten. Erkrankte seien aber nicht nur auf eine einzige Droge festgelegt seien. Viele seien polytox, also von mehreren Substanzen abhängig. Dass Heroin weniger verfügbar sei, unter anderem durch die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan, habe das Aufkommen von Kokain begünstigt. Auch Crack sei ein Thema im Kontaktladen. Allerdings noch kein flächendeckendes, betont Heilmeier – gerade im Vergleich mit anderen Städten. Dennoch sei das Kokain-Gemisch vor zehn Jahren, als sie im Kontaktladen begonnen hat, noch überhaupt kein Thema gewesen. Durch die Verbreitung von Kokain könne natürlich auch Crack zum größeren Problem werden.

Was Heilmeier allerdings mehr Sorgen macht, sind synthetische Opioide, die benutzt werden, um beispielsweise Heroin zu strecken. Das führe zu unkalkulierbaren Risiken für Drogenerkrankte. „Das ist lebensgefährlich!“

Gerade deshalb pocht Suchtexpertin Heilmeier auf sogenanntes Drug-Checking. Damit können Erkrankte genau überprüfen, was in ihren Drogen ist. „So müssen sie sich nicht in lebensgefährliche Situationen begeben.“ Darüber hinaus brauche es Drogenkonsumräume, betont Heilmeier. Man müsse alles dafür tun, Erkrankte an ein Hilfssystem anzubinden.

Hilfsangebote für Suchterkrankte und Angehörige in Regensburg

Drogentote: Im vergangenen Jahr starben laut Sicherheitsbericht der Polizei sechs Menschen im Zusammenhang mit Rauschgift im Stadtgebiet von Regensburg. Der Jüngste war dabei 26 Jahre alt – der Älteste 51 Jahre alt. Beamte sprachen in diesem Zusammenhang von jahrelangen Drogenkarrieren, die mitunter mit dem Tod enden.

Caritas: Ratsuchende, egal ob Betroffene oder Angehörige, können sich kostenfrei unter der Einhaltung der Schweigepflicht und auf Wunsch auch anonym bei der Caritas Fachambulanz beraten lassen. Die Fachambulanz für Suchtprobleme befindet sich in der Hemauerstraße 10c. Telefonisch erreichbar ist sie unter (09 41) 6 30 82 70.

Drugstop: Der Verein ist eine niedrigschwellige Anlaufstelle für Menschen mit Drogenproblemen und bietet Beratung, Betreuung sowie medizinische Hilfe an. Die Einrichtung setzt auf Schadensminimierung. Ziel ist es, Betroffene zu stabilisieren und ihnen Perspektiven zu eröffnen. Telefon: (09 41) 5 84 30 32, Adresse: Landshuter Str. 43.