„Flora“ bringt internationale Positionen nach Eichhofen, samt Literatur und Jazz

Natur und Kunst führen sie zusammen: Daniela Schönharting von der mühlen.kunst in Eichhofen (Landkreis Regensburg) und Isabelle Lesmeister aus Regensburg. Mit „Flora“ starten sie nun ein großes Projekt, das internationale Kunst aufs Land bringt. „Der Ort ist einfach prädestiniert“, sagt die promovierte Kunsthistorikerin mit Galerie in der Bachgasse.
Der Gasthof im Tal der Schwarzen Laber liegt idyllisch und agiert autark, braut eigenes Bier, hat eigenes Wasser, produziert eigenen Strom. Die Küche legt größten Wert auf Bio und auf Regionales, der schöne Park wird bei Kräuterführungen erschlossen. Bester Boden also für eine Ausstellung, die um Natur kreist und das Verhältnis von Mensch und Umwelt erforscht. Internationale künstlerische Positionen werden fernab urbaner Zentren sichtbar gemacht und gleichzeitig regionale Netzwerke gestärkt.
„Flora“ präsentiert Arbeiten von fünf Künstlerinnen: Clare Celeste (Jahrgang 1982, Thailand), Marina Gasparini (Jahrgang 1966, Italien), Birgit Nadrau (Jahrgang 1971, Deutschland), Beatrice Pediconi (Jahrgang 1972, Italien) und Asta von Unger (Jahrgang 1970, Deutschland).
Die Fünf eröffnen vielfältige Perspektiven auf Natur als Resonanzraum von Erinnerung, Materialität und Imagination, heißt es in der Ankündigung, und: „Zwischen Zeichnung, Textil, Fotografie, Installation und Collage entfaltet sich ein poetisches Geflecht, das das Verhältnis von Mensch und Umwelt neu befragt.“ „Flora“ verstehe sich als Hommage an das Lebendige, „an jene stille, beständige Kraft, die in künstlerischen Prozessen ebenso wirksam ist wie in natürlichen Wachstumszyklen“.
Lauter Frauen sind am Werk: „Es hat sich so ergeben“
Warum lauter Frauen? „Das hat sich einfach so ergeben“, sagt Lesmeister, „und es passt gut.“ Mit Lalena Hoffschildt von der Buchhandlung Dombrowsky und Anastasia Wolkenstein, die eine Musik-Agentur betreibt und die mit „Sparks & Visions“ ein internationales Jazzfestival etabliert hat, sind noch zwei weitere weibliche Akteurinnen an Bord, die beim Begleitprogramm mitmischen.
Lesmeister arbeitet mit einigen der fünf Künstlerinnen schon seit Jahren. Sie skizziert kurz, was deren Kunst ausmacht: Clare Celeste verbindet Naturfragmente zu hybriden Bildwelten. Ihre floralen Motive sind verdichtete Erinnerungen an Pflanzen und Landschaften verschiedener Kulturen.
Biodiversität wird als visuelle Erzählung erfahrbar. Marina Gasparinis Arbeiten aus Baumwollfäden und Draht bewegen sich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit und greifen rhythmische Prozesse von Wachstum und Wiederholung auf. Birgit Nadrau verarbeitet Blattaluminium zu Strukturen von Zweigen; die schimmernden Oberflächen lassen das Licht changieren und verweisen auf die fragile Balance zwischen Wachstum und Vergänglichkeit.
Beatrice Pediconi arbeitet experimentell mit Fotografie, Film und Malerei. Die organischen Formen, die entstehen, erinnern an florale Strukturen, ohne sie konkret abzubilden. Die Stoffarbeiten von Asta von Unger schließlich zeigen überlagerte pflanzliche Strukturen, die wie Momentaufnahmen lebendiger Landschaften erscheinen und zwischen Zwei- und Dreidimensionalität oszillieren.
In Kooperation mit lokalen und internationalen Partnern ist rund um die Ausstellung enorm viel enorm Aufregendes geboten. Zur Vernissage spielen The Babettes & The Barflies (1. Mai, 11 Uhr). Zudem ist der Schlosspark Eichhofen geöffnet, Gäste können beim Besuch auch durch das von Daniela Schönharting angelegte Blütenmeer flanieren.
Jazz-Duo gastiert und ein Autor ruft zu „Liebe!“ auf
Asta von Unger zeigt im Workshop „Upcycle your Stuff“ , wie man eigene Materialien kreativ verarbeitet (2. Mai, 13 bis 16 Uhr, Info und Anmeldung: www.wunderkammaa.com).
Wer mehr über die Ausstellung erfahren will: Das Künstlerinnengespräch bietet Gelegenheit, vertiefte Einblicke zu erhalten (3. Mai, 14 Uhr). Die Regensburger Schauspieler und Tausendsassas Florian Toperngpong und Tobias H. Ostermeier lotsen unter dem Titel „Wächst hier was?“ durch die Ausstellung. Sie verbinden bildende und darstellende Kunst mit sinnlichen Erfahrungen, die man im Anschluss auch bei Petits Fours und Kräuterlimonade machen kann (10. Mai, 16 Uhr, Info und Tickets über www.galerie-lesmeister.de).
Mit Filippou & Lucaciu sind zwei Große aus dem Jazz zu Gast, vermittelt durch Anastasia Wolkenstein; gerade wurde das Duo nominiert für den Deutschen Jazzpreis (17. Mai, 18 Uhr, Tickets: www.agentur-wolkenstein.de). Bestseller-Autor Daniel Schreiber, gebucht in Kooperation mit dem Salonfestival und Dombrowsky, liest aus seinem Büchlein „Liebe! Ein Aufruf.“. Gegen eine Kultur des Hasses lässt sich später trefflich reden bei Drinks und Snacks vom Büfett (29. Mai, 19 Uhr, Info und Tickets: www.salonfestival.de).
Das pralle Begleitprogramm in Eichhofen endet, wie es begonnen hat: mit Musik. Bei der Finissage von „Flora“ spielt der Regensburger Gitarrist Milorad Romic (7. Juni, 11 Uhr).