Nittenau soll eine Bühne bekommen: MTV will alte Turnhalle in Kulturzentrum verwandeln

Der Musik- und Tanzförderverein (MTV) Nittenau (Landkreis Schwandorf) verfolgt ein hochgestecktes Ziel: Aus der alten Turnhalle auf dem Gelände des TSV Nittenau soll ein Kultur- und Veranstaltungszentrum werden. MTV-Vorsitzender Werner Götzer setzt dabei auf die Kooperation mit anderen Vereinen – doch das ist offenbar nicht so einfach.
„Wir könnten uns als Nittenauer alle glücklich schätzen, so einen Ort zu haben“, sagte Götzer kürzlich bei einer Infoveranstaltung im Gasthaus Schmidbauer. Man plane aktuell die Gründung einer gemeinnützigen GmbH für Kultur und Veranstaltungen. Ziel sei im Moment der Erwerb und Umbau der alten Turnhalle an der Fischbacher Straße 52 zu einem Kulturzentrum, so Götzer weiter.
Der MTV-Vorsitzende erläuterte den gut 20 erschienenen Vereinsvertretern seine Vision. Im November 2025 habe er erfahren, dass die Stadt beschlossen habe, die ihr gehörende Turnhalle am TSV-Gelände zu verkaufen. Daraufhin habe er bei Bürgermeister Benjamin Boml (FW) im Namen des MTV Interesse an der Immobilie angemeldet.
Wenn wir das nicht in Angriff nehmen, können wir in Nittenau bald die Bürgersteige hochklappen.Werner Götzer, MTV-Vorsitzender
Auch ein Gespräch im Rathaus habe dazu bereits stattgefunden, so Götzer weiter. Er habe außerdem mit anderen Vereinen wie dem TSV Nittenau, dem Theater- und Festspielverein, dem Trachtenverein und der Faschingsgesellschaft Allotria Kontakt aufgenommen. Zudem habe er Fachleute befragt und erste Planunterlagen für einen möglichen Umbau der Turnhalle in ein Veranstaltungszentrum erstellen lassen.
Kinder sportlich und schauspielerisch fördern
Dieses werde in Nittenau dringend gebraucht. „Die Halle soll es uns zukünftig ermöglichen, Kinder musikalisch, schauspielerisch und sportlich zu fördern. Sie sollen ihre Leidenschaft dafür entdecken und entwickeln können. Dafür wollen wir ein Domizil schaffen, in dem sie proben und auftreten können“, sagte Götzer.

Der langjährige MTV-Vorsitzende betonte, ihm gehe es nicht darum, bei diesem Projekt als großer Zampano dazustehen. „Ich will gemeinsam mit anderen Vereinen etwas erreichen“, sagte er. Es sei wichtig, in Nittenau etwas für Kinder und Jugendliche zu tun. Angesichts der angespannten Finanzsituation könne die Stadt nur ihre Pflichtaufgaben bewältigen. „Für unsere Arbeit ist kein Geld mehr da“, so Götzer. Er persönlich sei sehr besorgt, wie es in Nittenau in Sachen Kultur weitergehen solle.
Vor zehn Jahren traute man sich das Projekt noch nicht zur
Der MTV Nittenau wurde vor 20 Jahren gegründet und hat mittlerweile rund 265 Mitglieder, darunter rund 100 Kinder. Bereits vor rund zehn Jahren habe man sich überlegt, einen Vorstoß in Richtung Kulturzentrum zu machen. „Damals haben wir es uns aber noch nicht zugetraut“, sagte Götzer.
Doch mittlerweile sei der Bedarf noch größer geworden. Die verschiedenen Gruppen des MTV proben an den verschiedensten Orten, in Nittenau zum Beispiel im Haus des Gastes. Mangels Alternativen weichen sie aber auch nach Walderbach oder Reichenbach aus. „Ständig muss man sich darum kümmern, dass alle gut untergebracht sind – das ist nicht einfach. Wir sind überall daheim, bloß nicht bei uns in Nittenau“, sagte Götzer.
Proben im Gasthaus sind keine Dauerlösung
Doch dieses Problem kennt nicht nur der MTV – auch eine Reihe anderer Vereine in Nittenau sind von der Raumnot betroffen. Götzer verwies auf den Theater- und Festspielverein und den Trachtenverein, die für ihre Proben und Aufführungen auf das Gasthaus Schmidbauer in Muckenbach angewiesen seien. „Es ist natürlich schön, dass es diese Möglichkeit gibt. Aber auf Dauer ist das keine Lösung“, lautete Götzers Fazit.
Für den TSV Nittenau nahm dessen Vorsitzender Jürgen Hasenbach an der Versammlung teil. Er erklärte, dass der TSV gegenüber der Stadt bereits sein Interesse an der alten Turnhalle bekundet habe. Doch über weitere Schritte müsse die Mitgliederversammlung entscheiden.
TSV Nittenau sieht viele Herausforderungen
Aus Sicht des TSV stelle sich zudem die Frage, ob nach dem potenziellen Umbau der Halle der bisherige Sportbetrieb dort noch wie gewohnt weiterlaufen könne. Ein solches Projekt mit mehreren Vereinen gemeinsam auf die Beine zu stellen sei hoch kompliziert, so Hasenbach. Außerdem seien die Unterhaltskosten der Halle sehr hoch.
Auch stelle sich die Frage, ob man als Sportverein durch so ein Projekt eventuell satzungswidrig handle und die Gemeinnützigkeit gefährde. Allerdings wolle man auch vermeiden, dass die Halle anderweitig verkauft werde und beispielsweise in eine Lagerhalle umfunktioniert werde. Das passe nicht zum Sportbetrieb auf dem Gelände.
Die Position des Theater- und Festspielvereins machte dessen Vorsitzender Albert Meierhofer deutlich. Man sei sehr interessiert daran, in Nittenau endlich eine dauerhafte Bühne zu haben, die von mehreren Vereinen genutzt werden könne, sagte er.
Wenig Hoffnung auf Angerinsel als Standort
Ein idealer Standort für eine solche Einrichtung sei eigentlich die Angerinsel, doch hier sei das Projekt auf absehbare Zeit nicht realisierbar. Umso wichtiger sei es, jetzt etwas vorwärts zu bringen. „Kultur belebt die Stadt. Wenn sie keinen Raum mehr hat, stirbt sie“, sagte Meierhofer. Auch von Allotriavertretern war beim Infoabend zu hören, dass man an dem MTV-Projekt grundsätzlich interessiert sei, da man beispielsweise mehr Platz für das Gardetraining brauche.
Sorgen machte den Anwesenden an diesem Abend die Frage, welche Kosten der Umbau der Halle verursachen könnte. „Das wird eine gscheide Stange Geld werden“, sagte Götzer dazu. Er wolle niemanden mit Zahlen erschrecken, aber als Hausnummer sei wohl mit rund zwei Millionen Euro zu rechnen.
In Nittenau bald die Bürgersteige hochklappen?
Allerdings könne man das Projekt auch abspecken. Darüber hinaus müsse man alle möglichen Förderprogramme abrufen und Zuschüsse und Spenden sammeln, um die Finanzierung möglich zu machen. Mit der Halle könne man aber sicherlich künftig auch Einnahmen generieren, sagte Götzer. Veranstaltungen mit 400 bis 500 Besuchern könnten durchaus Geld in die Kasse spülen. „Ich kann mir schon vorstellen, dass das gut funktioniert. Da muss man nicht nur reinbuttern. Wenn wir das nicht in Angriff nehmen, können wir in Nittenau bald die Bürgersteige hochklappen“, so der MTV-Vorsitzende.
Die anwesenden Vereinsvertreter einigten sich am Ende darauf, das Projekt bei ihren anstehenden Mitgliederversammlungen zu besprechen und anschließend dem MTV eine Rückmeldung zu geben. Götzer hofft nun auf positive Nachrichten. „Allein macht der MTV es sicher nicht“, erklärte er.