Sanierung wird zum Großprojekt: Zweckverband zur Abwasserbeseitigung verabschiedete Finanzplan

Von Renate Ahrens · 5. April 2026 um 11:00

Eine erhebliche finanzielle Belastung steht den Kommunen Nittenau, Bruck und Bodenwöhr in den kommenden Jahren bevor: Die Sanierung der gemeinsamen Verbandskläranlage wird Millionen kosten. Bereits seit 1977 reinigt die Anlage das Abwasser aus den drei Orten – jährlich rund 1,2 Millionen Kubikmeter. In der jüngsten Sitzung des Zweckverbands zur Abwasserbeseitigung im Sulzbachtal stellte das beauftragte Planungsbüro erste Schritte vor. Für die erkrankte Brucker Bürgermeisterin Heike Faltermeier nahm der Dritte Bürgermeister Lorenz Bräu (FWG) an der Sitzung teil.

Die drei Gemeinden betreiben jeweils eigene Kanalnetze. Erst ab der Einleitung in den Hauptsammler liegt die Zuständigkeit beim Zweckverband. In den vergangenen Jahren wurden bereits kleinere Maßnahmen zur Ertüchtigung und Modernisierung der Anlage umgesetzt: So wurde eine Solaranlage auf dem Dach installiert, die Elektroanlagen wurden erweitert und umgebaut, und 2022 entstand eine neue Schlammentwässerungsanlage.

Die umfassende Sanierung der Anlage ist jedoch bereits seit mehreren Jahren Thema. Im Herbst 2024 fand dazu eine interkommunale Informationsveranstaltung statt, bei der viele Bürger ihre Sorgen über die zu erwartenden Kosten sowie mögliche Auswirkungen auf Gebühren und Beiträge äußerten. Über die Finanzierung der Maßnahme entscheidet jede Kommune eigenständig. Laut Satzung trägt die Stadt Nittenau die Hälfte der Sanierungskosten, während sich Bruck und Bodenwöhr die verbleibenden Kosten teilen.

Kreditaufnahme ist nicht vorgesehen

Eine Kreditaufnahme ist laut Satzung nicht vorgesehen: Sowohl die bestehende Anlage als auch die anstehenden Umbaumaßnahmen werden über Umlagen finanziert. Die Sanierung und Erweiterung sei jedoch dringend notwendig, hatten die Verantwortlichen bei der Informationsveranstaltung betont. Zudem läuft die Einleitungsgenehmigung in den Regen aus. Der Zweckverband betreut insgesamt 21 Außenstellen sowie rund 14 Kilometer Hauptsammler.

Vertreter des beauftragten Münchner Planungsbüros Dünser.Aigner.Kollegen, das auf Kläranlagen spezialisiert ist, erläuterten nun die nächsten Schritte. Man befinde sich derzeit noch in der Grundlagenermittlung, erklärten die Ingenieure Dominik Vogl und Klaus Komian. Viele erforderliche Daten lägen noch nicht vollständig vor. „Zudem handelt es sich nicht ausschließlich um kommunales Abwasser – etwa ein Drittel stammt aus der Industrie“, erklärte Vogl.

Als Nächstes sind umfangreiche Messungen vorgesehen. „Die Zulaufdaten sind noch nicht vollständig erhoben. Das wird noch einige Monate in Anspruch nehmen“, ergänzte Komian. Darauf folgen die Vorplanung sowie ein erster Planungsentwurf. Anschließend sollen verschiedene Baukonzepte vorgestellt werden.

Die modernisierte Anlage soll künftig für rund 40.000 Einwohner ausgelegt sein und damit zukunftsfähig werden. Konkrete Aussagen zu Baukosten, Fördermitteln oder einem möglichen Baubeginn seien laut Nittenaus Bürgermeister, Benjamin Boml (FW), derzeit noch nicht möglich. Im Herbst 2024 war von Kosten in Höhe von rund 9,5 Millionen Euro die Rede gewesen. Auf Nachfrage erklärte Verbandsvorsitzender Boml, dass belastbare Zahlen erst nach weiteren Abstimmungen vorliegen werden. „Viel hängt auch von der Höhe der staatlichen Förderung ab“, so Boml.

Weitere Themen der Sitzung waren die Feststellung der Jahresrechnung 2025, das vorläufige Ergebnis für das Jahr 2025 sowie der Haushalt für 2026. Sämtliche Punkte wurden ebenso einstimmig beschlossen wie der Finanzplan bis 2029.

In den vergangenen Jahren habe man hohe Rücklagen aufgebaut, erklärte Nittenaus Kämmerin Katrin Schminke. Diese würden nun vollständig aufgebraucht. Der Haushaltsplan 2026 schließt im Verwaltungshaushalt mit Einnahmen und Ausgaben von rund 1,51 Millionen Euro sowie im Vermögenshaushalt mit jeweils rund 1,14 Millionen Euro ab. Der nicht durch Gebühren oder sonstige Einnahmen gedeckte Finanzbedarf wird über Betriebs- und Investitionsumlagen finanziert. Diese belaufen sich auf 998.600 Euro beziehungsweise 624.400 Euro.

Arbeiten werden sich auf Gebühren auswirken

In den beteiligten Kommunen laufen indes Überlegungen, wie der jeweilige Anteil an der Sanierung finanziert werden soll. Dies hänge von zahlreichen Faktoren ab, erklärte Bodenwöhrs Bürgermeister Georg Hoffmann (CSU) auf Nachfrage. Die Sanierung werde sich in jedem Fall auf die künftigen Gebühren auswirken. „Wenn jeder Hauseigentümer einmalig einen bestimmten Betrag, beispielsweise 300 Euro, bezahlen würde, hätte das eine spürbare Entlastung bei den Gebühren zur Folge.“

Zudem beschloss die Verbandsversammlung, die Planungsleistungen für die technische Ausrüstung der Kläranlage auszuschreiben und damit den nächsten Projektschritt einzuleiten.