Nittenaus Pfarrer ist schon in Ostervorfreude: Diese „Schlager“ sind für ihn Pflicht

Von Martin Kellermeier · 2. April 2026 um 19:00

Die Christen im Landkreis Schwandorf stehen vor dem wichtigsten Kirchenfest des Jahres: Ostern. Neben besonderen Liturgieformen wie an Karfreitag oder der Osternacht spielt auch die Musik eine große Rolle. In Nittenau bereitet Stadtpfarrer Holger Kruschina (55) nicht nur die Ostergottesdienste vor, er lädt als Leiter des Vokalensembles Hubert Velten auch zum Passionssingen. Im MZ-Interview spricht er über die Besonderheiten der Musik an Ostern und verrät sein persönliches Fastenopfer.

Herr Pfarrer, man kennt Sie in der Region längst nicht nur als umtriebigen Seelsorger. Auch als leidenschaftlicher Musiker und Chorleiter sind Sie den Nittenauern bekannt. Nun steht Ostern samt der Kartage vor der Tür. Was bedeutet diese Zeit für die Musik?

Oh, das ist ein großes Fass! Musik erreicht uns ganz anders als Worte oder Bilder. Demenzpatienten können noch Lieder singen, wenn sie das Reden vergessen. Der Atem, unser Lebensfluss, geht anders. Darum ist Musik beim Menschen schon immer mit Spiritualität verbunden, ein Weg zu glauben, eine Brücke zu Gott. Mit Musik kann man Gefühle ausdrücken – und in der Meditation von Angst, Einsamkeit, Trauer, Leid und Sterben, wie es die Kartage tun, ist Musik ein ganz wichtiges Element.

Wie zeichnet sich die Musik an Ostern aus? Und wie ist die Musik an den Kartagen geprägt?

Für Menschen, die in der Gemeinde verwurzelt sind, gibt es „Schlager“, die dürfen nicht fehlen: „Beim letzten Abendmahle“ oder „O Haupt voll Blut und Wunden“. Für Kunstsinnige sicher die großen Passionen von Bach – sie alle können das fassen, was ich eben schon gesagt habe: existenzielle Gefühle der Not, der Angst, aber auch der Zuversicht, die der Glaube schenkt.

Auf welche Stücke greifen Sie mit Ihrem Vokalensemble an den Kar- und Ostertagen zurück?

Meine Jungs sind ja alles Domspatzen und die klassische Passionsmusik – vor allem lateinische Motetten, Vertonungen der biblischen Klagelieder – spielen eine große Rolle in der Domliturgie. Da gehen wir zu den Wurzeln zurück. Es gibt „gefälligere“ Programme im Laufe des Jahres, aber die Musik ist sehr ergreifend und tiefgehend. Und dann dürfen von Anfang des Ensembles an Gospels nicht fehlen. Die sind ja auch Ausdruck erfahrenen Leids und Kraft, die man aus dem Glauben schöpft.

Musik erreicht uns ganz anders als Worte oder Bilder.Holger Kruschina, Pfarrer und Chorleiter

Was ist Ihnen als Leiter des Ensembles beim Ausdruck der jeweiligen Stücke an den Kartagen sowie an Ostern wichtig?

Je älter ich werde, umso demütiger schaue ich auf „alte Sachen“: Sie fassen Erfahrungen, die jede Generation für sich macht und machen muss. Mit dem Ensemble kann ich das Spektrum erweitern, in der Gemeinde versuche ich in der Wiederholung Lieder als Lebensbegleiter erfahrbar zu machen. Aber im Gotteslob 2014 sind auch „Neue“ dazu gekommen (lacht).

Mit dem Vokalensemble Hubert Velten unterwegs

Wo treten Sie in dieser Zeit mit Ihrem Ensemble auf?

Schon als Hubert Velten nicht mehr gesund war, hab ich die Gelegenheit als „Ortspfarrer“ genutzt, ein Passionssingen zu beherbergen, das ihn nicht so anstrengt. Unseren Karfreitagabend gibt es daher schon seit 20 Jahren. Das hat sich auch gehalten, als ich die Leitung übernommen habe. Wir haben aber in den letzten Wochen schon vier Passionssingen im Umkreis von etwa 100 Kilometern und zwei Gottesdienste gestaltet. Und als nächstes sind dann schon im Mai die Mariensingen dran.

Das Vokalensemble Hubert Velten war schon mehrmals in Nittenau zu hören. - Foto: Agnes Feuerer, Archiv

Sie haben den Karfreitag gerade schon angesprochen. An diesem Tag laden Sie heuer in Nittenau um 19 Uhr in die Stadtpfarrkirche zum Passionssingen. Was erwartet die Zuhörer?

Das Singen am Karfreitagabend ist für mich eine Vertiefung der Betrachtung der Passion Christi, darum gibt es auch einen größeren Textteil. In diesem Jahr versuche ich eine Art „Sprechmotette“: Die vier Evangelisten erzählen gleichzeitig von der Passion Jesu und fallen sich dabei ins Wort. So wie ein kleiner Trupp, der gemeinsam etwas Wichtiges erzählen will. Das macht es für mich authentischer. Ich bin selber gespannt.

Was ist Ihr Lieblingslied an Ostern, und warum?

Da gibt's wirklich viele. Aber „Jesus lebt“ hat mich in der frühen Jugend ergriffen, weil es „neu“ war, da kam nämlich ein Anhang fürs Gotteslob 1972 heraus. Und „Der Heiland erstand“ werde ich immer mit meiner Zeit in Roding in Verbindung bringen. Gegen 6.15 Uhr waren wir in der morgendlichen Osternacht gerade bei der Gabenbereitung und singen „Der Morgen erwacht in himmlischer Pracht“ und in dem Moment geht über der Orgel die Sonne auf und das Licht flutet die Decke durch die breite Fensterfront – da krieg ich heute noch Gänsehaut.

Ganz persönlich: Was bedeuten die Kartage und Ostern für Sie?

Sie sind mein innigstes Fest im Kirchenjahr und ein wichtiger Baustein für meinen persönlichen Glaubens- und dann auch Berufungsweg. Ich freue mich jedes Jahr darauf – ehrlicherweise mehr als auf Weihnachten, und lasse mich einfach in die Liturgie und die alten Riten fallen. Da bin ich sogar Purist und habe in der Osternacht alle – wohlgemerkt acht – vorgesehenen Lesungen. Dafür bin ich auch meiner Gemeinde sehr dankbar, dass sie diesen Weg – wenn auch vielleicht mit etwas Bauchgrummeln – mitgeht. Man kann auch wieder von daheim aus mitfeiern über unseren Youtube-Kanal.

Nittenaus Stadtpfarrer hat heuer auf den Alkohol verzichtet

Mit dem Beginn der Kartage neigt sich auch die Fastenzeit dem Ende entgegen. Worauf haben Sie während dieser Zeit verzichtet? Hatten Sie Erfolg?

Letztes Jahr war's der Kaffee – und ich bin nicht mehr zu meinem Maß von davor zurückgekehrt. Darum war's heuer der Alkohol, außer dem liturgischen natürlich. Ich habe den Vorsatz einmal gebrochen, als beim deutsch-tschechischen Priestertreffen die Mitbrüder extra Pils aus Pilsen mitgebracht haben. Da hab' ich kein schlechtes Gewissen – ansonsten: mit Erfolg!

Und dann lassen Sie uns noch kurz in Ihre Küche schauen: Sind Ihre Ostereier schon gefärbt und das Osterlamm gebacken?

Die Eier hat meine verstorbene Mama immer am Karfreitag, nach der Liturgie der Sterbestunde Jesu am späten Nachmittag, gefärbt, und das Osterlamm wurde nicht gebacken, sondern beim Bäcker gekauft. So halte ich es auch.

Besonderer Termin am Karfreitag: Passionssingen in Nittenau

• Veranstaltung: Am Karfreitag lädt das Vokalensemble Hubert Velten zum Passionssingen in die Stadtpfarrkirche Nittenau. Beginn ist um 19 Uhr. Pfarrer Holger Kruschina wird mit verbindenden Worten durch diesen besinnlichen „Ausklang“ des Karfreitags führen.

• Eintritt: Der Eintritt ist frei. Es wird um Spenden gebeten.