Holger Kruschina und Chor nehmen neue CD auf – 15. Auflage befindet sich in Produktion

Fröhlich pfeifend läuft der Nittenauer Stadtpfarrer Holger Kruschina durch seine Wohnung und zieht eine CD nach der anderen aus den Regalen. Dann reiht er die CD-Cases auf der Längsseite seines Esstischs chronologisch auf, von der ersten Aufnahme aus dem Jahr 2011 bis zur letzten. Noch passen die 14 Scheiben nebeneinander. Doch mit der 15. CD, die gerade entsteht, wird der Tisch zu kurz.
Zu viele sind es inzwischen. „Für mich ist es eine schöne Dokumentation über unser Ensemble, das Beständige und die Veränderung, über viele Jahre hinweg“, sagt der Pfarrer.
Seit über einem Jahrzehnt ist Kruschina Leiter des Vokalensembles Hubert Velten. Ursprünglich 1991 gegründet vom gleichnamigen Stimmbildner, der 2010 verstarb, führte Kruschina das Ensemble aus ehemaligen Domspatzen weiter. „Schon unter Hubert Velten habe ich die Choräle für die CDs ausgewählt, auch wenn ich nur auf zwei davon mitgesungen habe“, erzählt er. Ein Jahr nach Veltens Tod entstand „Pro Nobis“, die erste eigene Produktion des Chores unter Kruschinas Leitung. Seither erscheint fast jedes Jahr eine neue CD, meist pünktlich zu Weihnachten.
Als Weihnachtsgeschenk
Verkauft werden die CDs nicht. „Wir freuen uns über eine Spende, die die Unkosten deckt, aber eigentlich sind es Werbe-CDs“, sagt Kruschina. Bei Konzerten legt er die Aufnahmen auf einem Tischchen aus, denn „da kann man schlecht einen QR-Code hinlegen“, fügt er schmunzelnd hinzu. Außerdem bekommt jeder Sänger so viele CDs, wie er als Weihnachtsgeschenk braucht.
Auch für Pfarrer Kruschina steht die CD jährlich schon als Weihnachtsgeschenk für seine Ehrenamtlichen fest. „Da komm ich nie in Compliance-Probleme“, meint Kruschina lachend.
Aufgenommen werden die CDs in einem Tonstudio in Radling bei Schorndorf, das Kruschina vor einigen Jahren bei der Arbeit mit einer anderen Gruppe kennengelernt hat. Eine Ausnahme waren einzig die CDs während Corona, die aufgrund der Abstandsregeln in einer Kirche aufgenommen werden mussten.
Die Aufnahme erfolgt konzentriert, drei Stunden am Stück, an drei Abenden. „Die meisten Stücke haben wir sowieso im Repertoire“, erklärt Kruschina. Nur manchmal müssten Stücke extra für den Männerchor gesetzt werden.

Während der Aufnahme wechseln sich Singen und Anhören ab. Danach übernimmt der Tonmeister, der sich gemeinsam mit Kruschina auf die hörfreundlichste Version einigt. Diese wird dann noch einmal vom Tonstudio zusammengeführt, sodass sie für die CD perfekt ist.
Nun muss noch die Erlaubnis der GEMA eingeholt werden, die überprüft, ob und für welche Rechte Geld zu entrichten ist. Dann erst kommt die Aufnahme ins Presswerk – immer mit dem Ziel, rechtzeitig vor Weihnachten fertig zu sein.
Für mich ist es eine schöne Dokumentation über unser Ensemble, das Beständige und die Veränderung, über viele Jahre hinweg.
Holger Kruschina, Stadtpfarrer Nittenau
Ein schon lange befreundeter Mediengestalter besorgt das Design; in den letzten Jahren entwarf Pfarrpraktikant Noah Walczuch das Cover im immer gleichen Stil, um ein einheitliches Erscheinungsbild aufzubauen, wie Kruschina erklärt.
Gesungene Andachten
Die bisher jüngste CD, eine Marienplatte, wird nun von einer Aufnahme der Waidler- und der Deutschen Bauernmesse abgelöst. Die Waidlermesse stammt von Ferdinand Neumaier, die Texte schrieb der Heimatdichter Eugen Hubrich, der wegen seiner NS-Begeisterung bis heute umstritten ist.
Als indirektes Vorbild diente die ältere Deutsche Bauernmesse von Annette Thoma. Sie stellte die Messe bereits in den 1930er Jahren zusammen, indem sie bekannte volkstümliche Melodien – darunter den berühmten Andachtsjodler – mit eigenen bairischen Texten versah.
Dem Pfarrer ist bewusst, wie sehr diese beiden Messen vielen Menschen am Herzen liegen: „Ich habe immer wieder gehört, dass es Menschen große Freude bereitet. Das ist das Schönste, was man mit Musik machen kann“, sagt Stadtpfarrer Holger Kruschina.
Rund 95 Prozent der Auftritte des Ensembles seien gesungene Andachten: stille, musikalische Momente, die vielen lange in Erinnerung bleiben.