Dem Blackout Kontra geben: Stromausfall lässt Familie Graf aus Pösing dank eigener Energie kalt

Von Christoph Klöckner · 5. April 2026 um 05:00

Der Blackout in Berlin im Januar ist vielen noch vor Augen. Ohne Strom griffen schnell Dunkelheit und Kälte um sich – die Hauptstadt im Ausnahmezustand. In Pösing (Landkreis Cham) gab es 2025 auch einen Blackout – ein Gewitter legte dort die Stromversorgung lahm. Dunkel wurde es bei Familie Graf in der Straße Am Bierl deshalb nicht – sie haben ein Notstromsystem im Haus, seit sie in ihre private Energiewende investiert haben.

Video ansehen

Das sei vor knapp zwei Jahren gewesen, erzählt Andreas Graf auf der Terrasse im Sonnenschein. Am 20. Oktober 2024, nach zwei Tagen Installationszeit, sei die Anlage ans Netz gegangen. In dem Jahr hätten sie sich mit Blick auf die wachsende Familie und die steigenden Strompreise entschlossen, ihre Energieversorgung umzustellen. „Der Stromverbrauch bei uns steigt ja eher“, sagt Andreas Graf, wie vermutlich auch der Strompreis. Die Familie ist gewachsen: Jonas ist vor einem Jahr dazu gekommen, so dass sie nun zu fünft sind.

Das Haus stammt aus den sechziger Jahren

Das Haus selbst, das aus den sechziger Jahren stammt, haben die Grafs von Stefanies Tante übernommen, die jetzt unten in einer Einliegerwohnung zuhause ist. Es wurde 2018 von Grund auf saniert und komplett umgebaut. Eine erste Energieentscheidung fiel bereits da: Andreas und Stefanie Graf entschieden sich für eine Pellets- anstelle der vorherigen Ölheizung. „Das Haus ist zu wenig gedämmt, um hier eine Wärmepumpe sinnvoll einzusetzen“, erläutert der 37-Jährige. Daher das Votum für Pellets.

Auch lesenswert: Einst aus der Not geboren ist Chams Kraftwerk ein wichtiger Pluspunkt im Energie-Mix

Die seien damals auch noch günstig gewesen – gestartet ist er mit 200 Euro die Tonne. Das seien nur 600 bis 800 Euro im Jahr für Heizung und Warmwasser gewesen. 2021 sei die Tonne dann auch schon einmal auf 1000 Euro hochgeschnellt, zuletzt habe er 280 Euro bezahlt. Der Heizungsbauer habe ihm damals gesagt, Solar aufs Dach lohne nicht.

Notstromversorgung und Heizstab integriert

So ganz geglaubt haben sie es wohl nicht, denn 2024 haben sie gerade in Solar investiert. „Wir haben im Jahr etwa 4000 Kilowattstunden Strom verbraucht“, so Graf, das sei nicht so viel gewesen.

Interessant dazu: Landkreis Cham setzt Windkraft-Pläne auf Stand-by

Der Fachmann, den sie nach einigen Beratungen dafür engagierten, Ingenieur Gerd Wegmann von der Firma enerix aus Roding, habe sie auch auf die Notstromversorgung gebracht. Der ebenfalls eingebaute Heizstab nutzt den kostenlosen Strom vom Dach, um das Wasser im Pufferspeicher aufzuheizen – und spart dadurch Pellets. Ab April brauche er keine Heizung mehr, um das Wasser auf Badetemperatur zu bringen.

Der „Kopf“ des Heizstabs, der Acthor, hängt an der Wand. Er lenkt den Strom dorthin, wo er nötig ist, etwa ums Wasser zu wärmen. - Foto: Christoph Klöckner

Das sei eine gut durchdachte Sache, die ihn einiges an Geld spare, sagt Alexander Graf, der bei SK technology in Roding als gelernter Feinwerkmechaniker arbeitet und der Liebe wegen 2017 aus Weiden herzog. Die acht Cent staatliche Vergütung pro Kilowattstunde Strom bringe da weniger und lohne kaum.

Daher hat er in die Schlafzimmer, die unterm Dach liegen und sich aufheizen, Klimaanlagen eingebaut, die auch mit kostenlosem Strom betrieben werden. Die gesamte Anlage kostete 23 000 Euro – sie amortisiert sich nach etwa elf Jahren, vielleicht schon nach zehn, je nach Wetter und, wenn die verbauten Geräte die Zeit überdauern. Wobei schon jetzt der Strom fürs Haus umsonst sei durch den Eigenverbrauch.

Mehr Stromverbrauch – dafür aber kostenlos

Die vier Monate Winter seien natürlich energieintensiv, wie überall, so Andreas Graf. Mittlerweile verbrauche die Familie etwa 7500 Kilowattstunden Strom jährlich – also mehr als früher. Vor allem der Heizstab saugt Strom, ums Wasser zu wärmen.

Doch der sei eben selbst produziert, da die Anlage etwa 10 000 Kilowattstunden pro Jahr erzeuge – und damit kostenlos und spare zudem Pellets. Über den Winter, wenn die PV-Anlage wenig beschäftigt sei, weil Sonne fehle, brauche das Haus insgesamt nur noch 900 Kilowattstunden von außen zusätzlich.

Keine einfache Dachfläche für PV-Anlagen war das Grafhaus, doch um viel Strom und Pellets zu sparen, reicht sie. - Foto: Enerix/Beyer

Bislang hat die Familie nur ein E-Bike, um den Strom vom Dach auch für die täglichen Fahrten zu nutzen. Komme noch ein E-Auto dazu, lohne es noch mehr, sind sich beide einig: „Ein Elektroauto wäre definitiv günstiger!“ Das Problem: Nur der VW Touran hat Platz für drei Kindersitze nebeneinander. Und noch ein Problem, wie Stefanie Graf mit einem Lachen ergänzt: „Er will sich nicht von seinem GTI trennen!“ Beides steht der E-Mobilität noch im Wege.

„Habt ihr auch keinen Strom?“ – so lautet der bei Gewitter oft übliche Anruf aus der Nachbarschaft. Beim Pösinger Blackout war es auch so, erinnert sich Stefanie Graf. Sie verneinte. Dabei war auch ihr Haus nicht mehr an der öffentlichen Versorgung – doch unbemerkt war das Notstromsystem angesprungen – ließ das Licht leuchten und den Kühlschrank weiter kühlen.