Einst aus der Not geboren ist Chams Kraftwerk ein wichtiger Pluspunkt im Energie-Mix

Von Christoph Klöckner · 16. Oktober 2025 um 15:15

Wer kann sich daran noch erinnern – an die Geburtsstunde des Biomasseheizkraftwerks (BHKW), das heute unter dem Firmendach der Naturenergie Cham firmiert? Es war das aus der Not heraus geborene Gegenmodell zum geplanten Kraftwerk der Staatsforsten und des Maschinenrings. Daraus wurde ein Erfolgsmodell für Cham, das auch im 13. Jahr abliefert und eine feste Größe bei der Energiewende ist, wie jetzt Stefan Raab, Geschäftsführer der Stadtwerke und der Naturenergie, jetzt bilanzierte.

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Das Heizkraftwerk ist im 13. Betriebsjahr – 110 000 Betriebsstunden haben Biomassefeuerung und Turbine hinter sich. Seit Beginn beliefert das BHKW, das mit Hackschnitzel befeuert wird, die Goldsteig Käsereien nebenan mit heißem Dampf für die Produktion. Somit lässt sich auch aus der Dampfauskopplung ablesen, wie die Käsereien laufen.

Goldsteig nimmt mehr

Demnach floriert die Verarbeitung von Milch. Im ersten Halbjahr 2025 sei die Dampfauskopplung für Goldsteig um fast zwei Millionen Kilowattstunden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Auch mehr Wärme hat die Käserei geliefert bekommen – statt 3,6 in den ersten sechs Monaten 2024 waren es bereits 4,1 Millionen Kilowattstunden in diesem Jahr. „Wir liegen im ersten Halbjahr 6,4 Prozent über dem Planansatz der Käserei“, so Raab.

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Fernwärme ist auch das, was die Stadtwerke mittlerweile vermehrt aus dem BHKW ziehen, um das ausgebaute Fernwärmenetz der Stadt zu bedienen. Waren es im ersten Halbjahr gut 8,8 Millionen Kilowattstunden, stieg die Lieferung an die Stadtwerke 2025 um zwei Millionen auf 10,8 Kilowattstunden – wetterbedingt sei das so, sagt Stefan Raab. Hier liege man fürs erste Halbjahr 17,3 Prozent über dem Erwarteten.

Weniger Strom erzeugt

Gleichzeitig hat die Stromproduktion durch die Biomasse im Gegenzug abgenommen, obwohl sich auch der Stromverkauf lohnt. Von 9,1 in 2024 sank die Stromerzeugung 2025 bis Mitte des Jahres auf 7,9 Millionen Kilowattstunden. Der Grund dafür sei der Brand am Einspeisetrafo im Dezember 2024 gewesen.

Daher sei die Turbine des BHKW von Mitte Dezember 2024 bis Ende Januar 2025 nicht am Netz gewesen, wobei die Stromerzeugung ausgereizt sei. Die lag 2024 insgesamt bei knapp 17,4 Millionen Kilowattstunden – und damit deutlich über dem Geplanten. Mehr Erzeugung funktioniere nur, wenn Goldsteig weniger Dampf brauche. „Ein positives Betriebsergebnis für das laufende Jahr ist geplant und wird sicherlich deutlich erreicht“, bilanziert Raab aus den Zahlen. Der Jahresüberschuss 2025 werde laut Plan bei knapp 200 000 Euro nach Steuern taxiert: „Es zeichnet sich allerdings bereits jetzt ab, dass das tatsächliche Ergebnis für 2025 deutlich über unseren Erwartungen liegen wird.“

Zehn Jahre positive Zahlen

Und er lehnt sich damit nicht weit aus dem Fenster, denn seit bereits zehn Jahren, seit 2014, schreibt das Heizkraftwerk schwarze Zahlen. Gleichzeitig mit dem Nutzungsalter war manche Revision nötig – die Betriebskosten lagen 2024 bei 768 000 Euro.

Und das alles geht nur über Hackschnitzel – mehr Leistung bedeutet im Umkehrschluss auch mehr des Rohstoffs Holz, der verbrannt wurde. 2023 gingen 48 700 Tonnen in den Feuerraum – 2024 waren es 52 700 Tonnen. Gleichzeitig sank der Holzpreis und stieg der Wärmepreis. Somit wundert es nicht, dass auch die Umsatzerlöse 2024 des BHKW auf 7,126 Millionen Euro wuchsen. Das Jahresergebnis lag bei fast 700000 Euro.

Zur Entstehung des BHKW

Einen holprigen Start hatte das BHKW in Cham. Nachdem das von den Staatsforsten angeschobene Heizkraftwerk, das vor allem Strom generieren und in der Nähe des heutigen Standorts gebaut werden sollte, bereits das Einvernehmen des Stadtrats hatte, kam Widerstand aus den Reihen der Einwohner und auch von Seiten der Stadtwerke auf. Der Haken: Ein gemeindliches Einvernehmen des Rates kann nicht einfach so aufgehoben werden.

Dennoch suchte die Stadt unter dem damaligen Bürgermeister Leo Hackenspiel einen Ausweg – fand ihn im Gegenmodell eines eigenen, wärmegeführten BHKW und – entscheidender – vor dem Verwaltungsgericht. Ein Spezialist für Verwaltungsrecht fand im Auftrag der Stadt einen Formfehler – und brachte damit die Pläne fürs Millionenprojekt der Staatsforsten zu Fall. Der genehmigte Bescheid zum Bau des BHKW wurde aufgehoben. Das war 2008.