Newcastle-Krankheit in Niederbayern treibt Eierpreise in die Höhe

Von Isolde Stöcker-Gietl · 31. März 2026 um 05:00

In Bayern wurden wegen der Newcastle-Krankheit schon hunderttausende Tiere gekeult. Eine Expertin bezeichnet die Lage in Niederbayern sogar als „besorgniserregend“ und rechnet mit weiteren Ausbrüchen der Viruserkrankung. In manchen Supermärkten kann es deshalb zu Einschränkungen kommen.

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Es beginnt mit Abgeschlagenheit, Augenentzündungen, Atemstörungen, Durchfall und schließlich Lähmungen und einer auffallenden Kopfschiefhaltung der Hühner, Enten oder Puten. Geflügelhalter sind seit einigen Wochen mit dem Thema Newcastle Disease befasst – einer Infektionskrankheit, die weltweit nachgewiesen ist, doch seit 30 Jahren in Deutschland nicht mehr aufgetreten war.

Nun trifft es nach Brandenburg auch eine Reihe von Geflügelbetrieben in Bayern. 15 sind es bisher. Und die Lage ist insbesondere in Niederbayern ernst. Das Friedrich-Loeffler-Institut spricht gar von „besorgniserregend“. Es sei zu befürchten, dass es zu weiteren Infektionen kommt, so Pressesprecherin Elke Reinking auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern.

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Erster Ausbruch im Februar im Erdinger Raum

Die erste Infektion wurde im Februar im oberbayerischen Landkreis Erding diagnostiziert – dort waren 39.500 Tiere betroffen. Im März traten bislang Fälle in den Landkreisen Landshut, Rottal-Inn und Mühldorf/Inn auf. Betroffen ist neben Betrieben mit Masthühnern und Legehennen auch ein Anbieter von Enten.

Allein im Raum Gangkofen mussten rund 175.000 Tiere gekeult werden. Dort traten bislang vier Fälle auf, zwei davon in großen Mastbetrieben, wie Landkreissprecher Matthias Kempf auf Nachfrage sagte. In einem Betrieb waren es allein 77.000 Hühner.

Newcastle Disease gilt als hochansteckend. Geimpfte Tiere seien zwar teilweise geschützt, müssten aber trotzdem beim Auftreten der Seuche in einem Betrieb gekeult werden, erläuterte Reinking. Auch eine Übertragung von Mensch auf Tier ist etwa durch Anhaftungen an Kleidung und Schuhen möglich. Die Tiere selbst infizieren sich über das Virus in Körperausscheidungen sowie im Kot. Auch Eier können kontaminiert sein. Für den Menschen ist das Virus nicht gefährlich. Es kann aber in Einzelfällen der Kontakt mit Ausscheidungen zu Bindehautentzündung führen.

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Die Auswirkungen der Seuche spüren die Menschen inzwischen an den Supermarktkassen. Insbesondere Eier haben einen deutlichen Preissprung gemacht. Sie sind jetzt – wenige Tage vor Ostern – nur eingeschränkt verfügbar. Nach Angaben des Bundesverbands Ei, der die Eierwirtschaft in Deutschland vertritt, sind die Folgen von Newcastle Disease und Vogelgrippe deutlich spürbar. Durch die Seuchen habe man hierzulande bereits ungefähr vier Prozent der Legehennen verloren, sagte Verbandschef Hans-Peter Goldnick. Das sei angesichts der hohen Nachfrage eine entscheidende Größe.

Der Eiermarkt sei derzeit angespannt und das Angebot teilweise begrenzt, sagte Frederic Knaudt vom Lebensmittel-Lieferdienst Picnic. Punktuell könne es zu Engpässen kommen. Ein Rewe-Sprecher sagte: „Die Situation bleibt aufgrund der Vogelgrippe und der Newcastle-Krankheit für die gesamte Branche herausfordernd.“

2025 wurden im Schnitt 252 Eier pro Kopf verzehrt

Der Discounter Lidl betonte, dass die Warenversorgung grundsätzlich sichergestellt sei. Von Kaufland hieß es: „Sollte es bei einzelnen Artikeln zu kurzzeitigen Lieferverzögerungen kommen, sorgt unsere tägliche Belieferung dafür, dass die Regale schnellstmöglich wieder aufgefüllt werden.“ Pro Kopf wurden im vergangenen Jahr im Schnitt 252 Stück verzehrt. Das waren vier Eier mehr als im Vorjahr.

Rund um die von der Seuche betroffenen Betriebe haben die Landkreise Sperr- und Überwachungszonen eingerichtet. Sie befinden sich in einem Radius von drei und zehn Kilometern um die Betriebe. Für Geflügelhalter im betroffenen Gebiet gelten strenge Auflagen. Diese umfassen insbesondere verstärkte Sicherheitsmaßnahmen sowie Einschränkungen beim Verkauf von Geflügel und Eiern.

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Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) seien die EU-rechtlich vorgeschriebenen Bekämpfungsmaßnahmen der Newcastle-Krankheit mit denen bei der Geflügelpest zu vergleichen. In Bayern sei das Virus als Genotype VII.1.1 typisiert worden, was laut LGL einen „hohen Verwandtschaftsgrad“ zu den vorherigen Ausbrüchen zunächst in Polen und dann in Brandenburg aufweise.

Das Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt allen Geflügelhaltern, die Pflichtimpfung gegen die Newcastle-Krankheit in Ihren Hühner- und Putenbeständen zu überprüfen und gegebenenfalls aufzufrischen. Der Bayerische Bauernverband appelliert in einer Pressemitteilung an alle Geflügelhalter, ihre betriebsspezifischen Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und strikt einzuhalten. In Polen zirkuliere das Virus laut Deutschem Bauernverband bereits seit 2023 und habe allein im vergangenen Jahr zur Keulung von 4,5 Millionen Tieren geführt.