Sorgen um medizinische Versorgung: Aktionsgruppe fragt in Cham Krankenhaussituation ab

Von Christoph Klöckner · 30. März 2026 um 15:00

Mit der Bayerwald-Klinik in Cham-Windischbergerdorf, die Ende April für immer die Türen schließt, hat es wieder ein Haus im Gesundheitssystem erwischt, das die Segel streicht. Bundesweit sterben seit einiger Zeit Krankenhäuser und Fachkliniken. So sind die Sorgen, die jetzt die Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“ an den Chamer Landrat geschrieben hat, nicht weit hergeholt. Der hat jetzt darauf geantwortet.

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Per offenem Brief hatte die Aktionsgruppe, einem Zusammenschluss von Verbänden rund ums Thema Gesundheit in Bayern, dem Chamer Landrat Fragen zur Versorgung vor Ort gestellt. „Klinische Versorgung im Bayerischen Wald im Wandel“ lautete die Überschrift des Schreibens aus Himmelskron (Franken), das vor kurzem im Landratsamt eintraf. Gerichtet war es an alle Landräte der Landkreise des Bayerischen Waldes und schilderte zunächst die aktuelle Lage.

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„Die Kliniklandschaft in ländlichen Regionen Bayerns befindet sich im Umbruch. DieKrankenhausreform, das Krankenhausreformanpassungsgesetz, fördert Klinikkonzentrationen. Sie macht es umgekehrt kleinen ländlichen Krankenhäusern mit begrenztem Patientenpotenzial schwer, die Strukturanforderungen der zukünftig verpflichtenden Leistungsgruppen zu erfüllen“, startet der Brief.

Hinweis auf Ende von Bedarfsnotwendigem

Der Bayerische Wald sei in besonderem Maße von dieser Entwicklung betroffen. So seien bereits bedarfsnotwendige Allgemeinkrankenhäuser einschließlich lebensrettender Notfallversorgung, die eine Entfernung binnen 30 Fahrzeitminuten sicher stellen sollen, geschlossen worden, wie etwa Roding. Wegscheid sei teilgeschlossen, sollen geschlossen werden, wie Grafenau oder ständen zur Disposition, wie die Häuser in Bogen, Zwiesel und Viechtach, so die Aktionsgruppe.

Man sei der Überzeugung: „Jedem Einwohner des Bayerischen Waldes steht ein Allgemeinkrankenhaus einschließlich Basisnotfallversorgung binnen 30 Fahrzeitminuten für Erstinterventionen bei lebensbedrohlichen Erkrankungen zu.“ Stattdessen gebe es eine Aufweichung zu einer 45-Minutenerreichbarkeit, wie im 7-Punkteplan der bayerischen Gesundheitsministerin Frau Judith Gerlach als Obergrenze festgelegt worden sei.

Versorgungssituation im Bayerischen Wald wird abgefragt

Das halte man zur Behandlung lebensbedrohlich Erkrankter oder Verletzter für unzureichend, moniert die Aktionsgruppe. „Um die Zukunftsperspektiven der klinischen Versorgung im Bayerischen Wald für interessierte Bürger transparent zu machen, planen wir eine eigene Bewertung der aktuellen und voraussichtlichen klinischen Versorgungssituation im Bayerischen Wald.“

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Daher bitte man die Landräte um Ihre Unterstützung und um Antworten auf Fragen zur Kliniklandschaft vor Ort. So wollte die Aktionsgruppe wissen, ob der Landrat einen Veränderungsbedarf der Landkreiskrankenhäuser sehe und, ob die hiesigen Krankenhäuser mittelfristig die Strukturanforderungen der Krankenhausreform erfüllen würden.

Wissen wollten die Briefeschrieber auch, ob die 30-Minutenerreichbarkeit zum nächstgelegenen Krankenhaus Landkreis gewährleistet sei und, wie das in Zukunft sein werde.

Passende, regionale Versorgung sicherstellen

Die Antwort von Chams Landrat Franz Löffler fällt dazu eher kurz aus – auch, weil der Landkreis nur noch Minderheitenbesitzer der Landkreiskliniken ist und Sana hier das sagen hat. Der Landkreis Cham habe bereits vor Jahren die richtigen Weichen zur Stärkung einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung gesetzt. „Wir haben uns nicht treiben lassen von Vorgaben aus Berlin, sondern selbstbestimmt gemeinsam mit den Menschen vor Ort entschieden, was für unsere Region richtig ist“, schreibt Löffler.

Das Ergebnis sei ein abgestimmtes Gesamtkonzept: Der zentrale Klinikstandort Cham mit erweiterter Notfallversorgung werde weiter ausgebaut, während sich in Roding ein modernes ambulantes Gesundheitszentrum entwickle und im Fachkrankenhaus Bad Kötzting die Schwerpunkte Altersmedizin und Palliativbetreuung sowie orthopädische Rehabilitation bedient werde.

Landkreis Cham: 12-minütige Rettungsfrist wird gewährleistet

„Unterstützt wird dieses Gesamtkonzept durch einen funktionierenden, ständig weiterentwickelten Rettungsdienst, der auch grenzüberschreitend gelebt wird und die 12-minütige Rettungsfrist gewährleistet“, führt Löffler aus. Eingebettet in diese Struktur könnten die engagierten medizinischen Fachkräfte – vom Arzt bis zur Hebamme – den Menschen in unserer Region wohnortnah hochwertige Medizin auch außerhalb der urbanen Zentren bieten.

Gemeinsam mit meinen Kollegen aus den Nachbarlandkreisen und den Akteuren des Gesundheitswesens in unserer Region werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass im Landeskrankenhausplan die Rahmenbedingungen im Bayerischen Wald ausreichend berücksichtigt werden.Landrat Franz Löffler

Am Beispiel des Landkreises Cham zeige sich, dass jedes Reformvorhaben im Gesundheitswesen den Entscheidungsträgern vor Ort die notwendige Flexibilität gewähren sollte, eine regional passende, leistungsfähige Versorgung sicherzustellen, bemerkt Löffler: „Dafür setze ich mich gemeinsam mit der Geschäftsführung der Sana Kliniken des Landkreises Cham nachhaltig ein.“

Landrat: Cham gut gerüstet für die Zukunft

Auch wenn die konkreten Auswirkungen der Krankenhausreform und weiterer regulatorischer Vorgaben auf Bundesebene aktuell noch nicht eindeutig seien und sich derzeit im Gesetzgebungsverfahren befänden, sei der Landkreis Cham gut gerüstet für die Zukunft. Natürlich begleite man wir diesen Prozess intensiv – ebenso wie die zahlreichen weiteren regulatorischen Vorgaben wie etwa Notfallreform und Ausgestaltung des künftigen Pflegebudgets, die sich derzeit noch im gesetzgeberischen Verfahren und in der politischen Diskussion auf Bundesebene befänden.

„Gemeinsam mit meinen Kollegen aus den Nachbarlandkreisen und den Akteuren des Gesundheitswesens in unserer Region werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass im Landeskrankenhausplan die Rahmenbedingungen im Bayerischen Wald ausreichend berücksichtigt werden“, betont Landrat Franz Löffler schließlich.