Die Krankenhausreform und die Sana-Kliniken in Cham: Besser werden, um zu überleben

Gerade ist ein Wortmonster in Berlin verabschiedet worden: das Krankenhausreformanpassungsgesetz. Es soll die Krankenhauslandschaft schlanker und effizienter machen, mit einer Grundversorgung in der Fläche und Spezialisten in Ballungsräumen. Die Chamer Sana Kliniken gehen den anderen Weg, bauen Fachabteilungen aus. Ihr Motto: Weiter besser werden, um zu überleben.
Wie der Ausbau der Angebote weitergehen soll, hat jetzt Sana-Geschäftsführer Thomas Koch mitgeteilt. Man verfolge die Reformbemühungen aufmerksam, heißt es aus dem Chefbüro von Sana in Cham. Mit der Krankenhausreform gehe ein tiefgreifender Umbau der Versorgungsstrukturen in Deutschland einher. Gleichzeitig ständen die Krankenhäuser vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. „Wir unterstützen das Ziel, Versorgungsqualität zu sichern und Strukturen zukunftsfähig zu gestalten“, so Sana.
Entscheidend sei jedoch, dass Reform und Finanzierung zusammen gedacht würden – ohne wirtschaftliche Stabilität könnten Strukturreformen nicht nachhaltig umgesetzt werden. Für eine erfolgreiche Reform brauche es mehr Vertrauen den Krankenhäusern gegenüber bis in die Regionen. „Durch Kooperationen, Spezialisierung, Digitalisierung und neue Versorgungsmodelle gestalten wir, die Sana Kliniken des Landkreises Cham, die Transformation aktiv mit.“
Neuer Chef und Aufwertung für das Haus in Bad Kötzting
Anders als den Weg zur gesicherten Grundversorgung auf dem Land, sieht Sana die Stabilität im Ausbau des Angebots vor Ort: „Durch unsere Entscheidung, unsere Fachabteilungen weiter zu spezialisieren, sehen wir uns in einer vergleichsweisen stabileren Position.“
Lesenswert dazu:Stephanie Hinder schließt Facharztausbildung an den Sana Kliniken Cham erfolgreich ab
Für die Sana Kliniken bedeute das konkret, eine Sicherung des stationären Betriebs am Standort Cham etwa durch das neu gegründete Alterstraumazentrum, die erweiterte Notfallversorgung oder die Etablierung der Parkinson-Komplex-Therapie, um nur einige Beispiele der stetigen Weiterentwicklung zu nennen. „Die zusätzliche Spezialisierung ermöglicht es uns, qualitativ hochwertige Behandlungen anzubieten. In diesem Kontext betrachten wir die Reform eher als Ansporn, unser Angebot noch weiter auszubauen“, so die Sana-Geschäftsleitung.
Bad Kötztings Sana Klinik ist nun offiziell Fachkrankenhaus
Auch die Sicherung das stationären Betriebs in Bad Kötzting habe man im Auge. Der Krankenhausplanungsausschuss (KPA) habe kürzlich Verbesserungen für die stationäre Versorgung in Bayern beschlossen. Ziel der Maßnahmen sei es, die flächendeckende Krankenhauslandschaft im Freistaat auszubauen. „Seit Dezember 2025 ist es daher offiziell: Das Bad Kötztinger Krankenhaus ist ein Fachkrankenhaus für Innere Medizin im ersten Schritt“, betont die Sana-Leitung.
„Die Anerkennung als Fachklinik ist für uns eine wichtige Bestätigung. Sie zeigt, dass unser Konzept wirkt und wir einen wertvollen Beitrag zur Versorgung älterer Menschen leisten“, sagt der Geschäftsführer der Sana Kliniken, Dr. Thomas Koch. „Im Rahmen der Neuausrichtung möchten wir die medizinische Versorgung des Bad Kötztinger Fachkrankenhauses künftig mit den Schwerpunkten Altersmedizin und Palliativbetreuung weiter ausbauen. Wir freuen uns auf einen neuen Chefarzt, der ab April dies vorantreibt“, erläuterte er.
Nur durch Qualitätsverbesserungen funktioniert Nachhaltigkeit
Damit reagiere man auf die demografischen Entwicklungen und die zunehmende Nachfrage in der Region. „Für uns bedeutet dies eine Bestätigung unseres strategischen Kurses: Spezialisierung, Qualität und Zukunftssicherheit. Gleichzeitig sichern wir damit den Standort Bad Kötzting langfristig ab“, so Dr. Koch.
Und auch der Gesundheitscampus Roding werde gestärkt: Die Ambulantisierung werde wesentlicher Teil der Strukturveränderung in der Gesundheitsversorgung sein. „Mit dem Neubau des Ärztehauses mit ambulantem OP-Zentrum auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses wird das ambulante medizinische Angebot ausgebaut.“

Dr. Thomas Koch betont, dass eine nachhaltige Entwicklung nur durch hohe Qualität erreicht werden könne. Die zentrale Einrichtung in Cham müsse möglichst groß gedacht werden, während ambulante Strukturen dort entstehen sollten, wo Patienten und Spezialisten zusammenkommen.
Zu viele bürokratische Hürden für Fortschritte
„Die Reform will sich zentralen Herausforderungen stellen: demografischem Wandel, Fachkräftemangel, steigender medizinischer Komplexität und begrenzten finanziellen Ressourcen.“ Jedoch greife auch das neue Krankenhausreformanpassungsgesetz zu kurz, um die mit der Reform verbundenen Ziele auch tatsächlich erreichen zu können, kritisiert Koch: „Entscheidend bleibt, dass Strukturveränderungen und Finanzierung synchron erfolgen. Es müssen praxistaugliche Lösungen in der Stadt und in ländlichen Gebieten erzielt werden.“
Bürokratie müsse reduziert und die Qualität auch tatsächlich verbessert werden. Gerade eine Reduzierung der bürokratischen Hürden, um im Bereich Pflegebudget Fortschritte zu erzielen, sei „essenziell“, so Koch: „Wir wünschen uns daher eine Vereinfachung der administrativen Abläufe sowie eine angemessene Vergütung im Pflegebereich.“ Die Abrechnungssysteme seien zu komplex, vieles gehe oft an den tatsächlichen Bedürfnissen der Patienten vorbei.
Gute Aussichten für eine schwarze Null
Bei der wirtschaftlichen Entwicklung sieht Koch Fortschritte: „Im Jahr 2025 haben wir uns das Ziel gesetzt, die schwarze Null zu erreichen. Aktuelle Prognosen zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind, dieses Ziel zu realisieren.“ Die genaue Auswertung werde jedoch erst nach Abschluss des Geschäftsjahres erfolgen. Bislang seien die Rückmeldungen positiv – „und wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Effizienz zu steigern.“ Die Betriebskosten seien stets gedeckt, „diese Null ist immer schwarz. Unser Ziel ist es auch, die notwendigen Abschreibungen zu erwirtschaften – und hier sind wir auf einem guten Weg.“
Nachgefragt, wie sich der Tarifabschluss bei Sana in Cham auswirke, betonte Koch, dass die Annäherung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes sicherlich Auswirkungen auf die Geschäftszahlen habe. „Dennoch war dies ein notwendiger Schritt und wird langfristig auch zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit- und -bindung führen“, betont der Geschäftsführer: „Wir sind überzeugt, dass diese Investition in unser Personal sich langfristig auszahlen wird.“
Wichtige Führungspositionen werden 2026 neu besetzt
Der Fokus im laufenden Geschäftsjahr 2026 liege weiterhin auf der Qualitätssteigerung der Häuser. „Daneben sind einige Umstrukturierungen angestoßen, wir werden im Laufe des Jahres auch wesentliche Führungspositionen neu besetzen“, kündigte Koch an: „Besonders hervorzuheben ist die Frauenklinik. Hier liegt unser Fokus in der Erweiterung des Angebots.“ Dies solle dazu beitragen, die Patientenversorgung zu verbessern.
„Wir etablieren neue, schonende Methoden und verbessern so nicht nur die Patientenversorgung, sondern erhöhen die Attraktivität unseres Standorts für junge Frauenärzte.“ Und das kommt gerade dort gut an, wo man es nicht erwartet hat. „Es ist erstaunlich, dass wir insbesondere Patienten aus den anderen Landkreisen und sogar überregional gewinnen können, während bei den Patientinnen des Landkreises Cham diese Neuaufstellung noch nicht angekommen zu sein scheint“, stellt Koch fest.
Den Patienten die bestmögliche Versorgung bieten
Darüber hinaus wird am Standort Bad Kötzting der Bereich der Alters- und Palliativmedizin ausgebaut, um den wachsenden Bedürfnissen der älteren Bevölkerung gerecht zu werden. Man setze auf moderne Behandlungsmethoden, wie etwa die frührehabilitativen geriatrischen Komplexbehandlungen und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, um die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.
Insgesamt ständen die Sana Kliniken vor Herausforderungen, sähen aber auch zahlreiche Chancen, die sich ergäben: „Wir sind entschlossen, unsere Strategie an die Veränderungen anzupassen und unseren Patienten die bestmögliche Versorgung zu bieten. Oder kurz: Wir haben das Feld vorbereitet, der Frühling kann kommen!“