Wer will mit wem in Schwandorfs Kreistag? – Mehrere Optionen für Ebelings Stellvertreter

Von Vanessa Ebert · 30. März 2026 um 05:00

Der im Amt bestätigte Landrat Thomas Ebeling (CSU) und die 60 neu gewählten Kreisräte werden ab Mai die Geschicke des Landkreises Schwandorf lenken. Wer arbeitet künftig mit wem zusammen und welche drei Stellvertreter stehen dann mit dem Landrat an der Spitze? Dafür werden derzeit die Weichen gestellt.

Seit rund zwei Wochen steht die Zusammensetzung des Kreistags im Landkreis Schwandorf fest. Das starke Abschneiden der AfD bei der zurückliegenden Kommunalwahl am 8. März, die nun elf statt zuvor drei Sitze errang, hat dabei einigen Parteien Mandate gekostet. Dennoch würde es wieder für die bisherige Mehrheit reichen: Mit 21 Mandaten ist die CSU erneut stärkste Kraft und könnte somit mit den Freien Wählern (9 Sitze) sowie der Jungen Union (2) und den Jungen Wählern (1) wieder eine Koalition schmieden.

Gemeinsam kämen sie dann auf insgesamt 33 Stimmen im 60-köpfigen Kreisrat. Auch wenn die bewährte Koalition recht wahrscheinlich erscheint: Festlegen wollen sich die künftigen Parteien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, aussschließlich die AfD kommt für eine mögliche Partnerschaft nicht infrage.

Bisher zwei Stellvertreter aus der CSU

Eines ist klar: Den Vorsitz in den Kreistags- und Ausschusssitzungen wird weiterhin Thomas Ebeling (CSU) haben. Mit rund 55 Prozent konnte er sich bei der aktuellen Kommunalwahl durchsetzen und das Amt des Landrats ohne eine Stichwahl verteidigen.

Offen bleibt die Frage nach seinen Stellvertretern, denn diese werden in der konstituierenden Sitzung des neuen Kreistags von den Räten gewählt. Das geschieht erst zu Beginn der neuen Legislaturperiode im Mai. Welche Personalien dabei aus den Reihen der CSU vorgeschlagen werden, ist noch nicht entschieden, wie Ebeling gegenüber der MZ versichert. „Voraus gehen die Gespräche mit potenziellen Partnern“, erklärt er. Das Vorgehen ist nachvollziehbar, denn erst nach den Sondierungsgesprächen wird feststehen, ob wie bisher zwei Stellvertreter aus den Reihen der CSU kommen.

Aktuell ist Birgit Höcherl, ebenfalls CSU, die 2. Stellvertreterin des Landrates. Erfahrene Beobachter der hiesigen Kommunalpolitik sehen die Schönseerin weiterhin als gesetzt. Ob sie sich das Amt generell weiter vorstellen könne, dazu möchte sich Höcherl aber gegenüber der MZ zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. Als weitere mögliche Namen für einen Stellvertreterposten kursieren unter anderem die Bürgermeister Martin Birner (Neunburg), Frank Zeitler (Nabburg) und Thomas Falter (Wackersdorf). Sie landeten allesamt auf den vorderen fünf Plätzen. Auch Kreisbäuerin Sabine Schindler aus Nittenau dürfte in Frage kommen, so die Meinung von Insidern.

Kreistags-Urgestein Jakob Scharf zieht sich zurück

Eine personelle Veränderung steht aber in jedem Fall schon fest: Aktuell kommt auch mit Jakob Scharf der 3. Stellvertreter des Landrats aus den Reihen der CSU. Doch der Steinberger ist in diesem Jahr nicht mehr angetreten. Nach mehr als 40 Jahren im Kreistag, darunter zwölf Jahren als stellvertretender Landrat, ist für ihn Schluss. Diesen Schritt hat er bewusst aus Altersgründen vollzogen. „Alles hat seine Zeit“, sagt er. „Ein wenig Wehmut schwingt aber dennoch mit“, gibt er zu.

Alles hat seine Zeit.Jakob Scharf (CSU), scheidender Vize-Landrat des Landkreises Schwandorf

Obwohl ihm das ehrenamtliche Engagement über die Jahre hinweg auch viel Kraft abverlangt habe, bereue er seinen Einsatz „keine Minute“. Das starke Abschneiden der AfD betrachte er dagegen mit großer Sorge. Umso wichtiger sei es daher im künftigen Kreistag, dass die demokratischen Parteien an einem Strang ziehen und in der Sache – über die Parteigrenzen hinweg – zusammenstehen, so Scharf.

Landrats-Vize Richard Tischler steht erneut zur Verfügung

Aktuell wird der 1. Stellvertreter des Landrats mit Richard Tischler von den Freien Wählern gestellt. Auch ihn sehen viele weiterhin auf diesem Posten, nicht zuletzt, weil er auch das stärkste Ergebnis auf der Kreistagsliste der Freien Wähler eingefahren hat. Bei der Bürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt Pfreimd hatte Tischler als Amtsinhaber auf eine Kandidatur verzichtet.

Würde er daher überhaupt als stellvertretender Landrat in die Verlängerung gehen? Tischler könne sich grundsätzlich vorstellen, das Amt nochmals zu übernehmen, beantwortet er die theoretische Frage der MZ. Die vergangenen sechs Jahre, die von sehr guter Zusammenarbeit geprägt gewesen seien, hätten viel Spaß gemacht, sagt der Pfreimder. „Aber genauso in Ordnung ist auch eine andere personelle Entscheidung“, macht er deutlich. „Ich sehe das sehr entspannt“ Die Frage nach den Personalien sei aber derzeit noch offen, unterstreicht er..

Martin Scharf bleibt Fraktionsvorsitzender bei den Freien Wählern

Eine Entscheidung haben die Freien Wähler aber schon gefällt: Den Fraktionsvorsitz im Kreistag wird weiterhin der Landtagsabgeordnete Martin Scharf innehaben. Wie der Neunburger erklärt, wurde er kürzlich von seinen Parteikollegen bestätigt. Scharf gibt der MZ einen Einblick in den aktuellen Stand der Sondierungsgespräche: Die neue Fraktion sei bereits zusammengekommen und habe gemeinsam Überlegungen angestellt. In Kürze werde man auf mögliche Partner zugehen und Gespräche führen.

Trotz der Tatsache, dass die AfD nun stark vertreten ist, ist Scharf guter Hoffnung, dass sich wieder stabile Mehrheiten finden lassen. Mit dem Abschneiden seiner Partei bei der Kreistagswahl sei er zufrieden. Insgesamt habe sich die Mehrheit der Wähler für demokratischen Strukturen ausgesprochen, sagt der Neunburger.

Diejenigen, die die AfD gewählt haben, verstehe er jedoch nicht. Diese Wähler lade er zum Dialog ein, um in Erfahrung zu bringen, was zu einer solchen Wahlentscheidung geführt habe. „Wir haben gute Arbeit geleistet und den Landkreis vorangebracht“, sagt der Neunburger rückblickend über die Arbeit mit der CSU.

CSU muss noch den Fraktionschef bestimmen

Wer den Fraktionsvorsitz bei der CSU übernimmt, ist dagegen noch nicht zu vermelden, wie Tobias Ehrenfried berichtet. Bisher hatte der Oberviechtacher das Amt inne. Vorstellen könne er sich den Posten auch grundsätzlich weiterhin, wie er der MZ auf Nachfrage sagt.

Auch in der künftigen SPD-Kreistagsfraktion werden in dieser Woche die ersten Weichen gestellt, wie der derzeitige Fraktionsvorsitzende Peter Wein berichtet. Konkrete Überlegungen oder Personalien könne man zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht vermelden, sagt er.

Auch wenn die SPD bei der aktuellen Wahl zwei Sitze einbüßen musste und nun nur noch acht Mandate im Kreistag hält, sehe man in der Partei auch Positives. Die Landratskandidatin der SPD, die ehemalige Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder, verbuchte bei der Wahl 2026 rund 21 Prozent der Stimmen und landete somit nach Ebeling auf Platz zwei. Wäre sie mit einem solchen Ergebnis auch eine potenzielle Stellvertreterin des Landrates? Auch auf diese Spekulation hin ist Wein noch keine Stellungnahme zu entlocken.

Der neue Kreistag im Landkreis Schwandorf

• Anzahl der Mandate: Die Sitze im Kreistag richten sich nach der Einwohnerzahl des Landkreises. Da diese weiter unter 150.000 liegt, gibt es 60 Plätze in dem Gremium.

• Sitzverteilung: Stärkste Kraft ist die CSU (21 Sitze), gefolgt von der AfD (elf), den Freien Wählern (neun) und der SPD (acht). Vertreten sind auch Grüne (drei), CWG/UW (zwei), ÖDP (zwei), JU (zwei) Linke (ein Sitz) und JW (ein Sitz).