Wolfsteinfreunde gehen den nächsten Schritt mit der Burgruine oberhalb von Neumarkt

„Die Burgruine Wolfstein ist das Wahrzeichen von Neumarkt“, sagt Jochen Wittmann. Der Vereinsvorsitzende sorgt mit den Wolfsteinfreunden dafür, dass die Anlage Einheimische und Touristen anzieht. Lange war jedoch der Hauptzugang über die Holzbrücke gesperrt – am 1. April wird sie wiedereröffnet. Doch die neue Brücke ist nur ein neues Kapitel einer viel längeren Geschichte.
„99 Prozent der gebürtigen Neumarkter haben in ihrer Kindheit auf der Burgruine gespielt“, sagt Wittmann und betont damit deren Bedeutung für Neumarkt. Auch er selbst habe dort Verstecken gespielt oder sich in die Zeit der Ritter zurückversetzt. „Man ist damals sogar auf dem Bauch in den Palas gekrochen“, erinnert sich Wittmann. Dieser Bereich wurde erst bei späteren Ausgrabungen freigelegt, woran die Wolfsteinfreunde großen Anteil hatten.
Der Verein wurde laut Helga Veit 1985 gegründet, seit 1995 ist sie im Vorstand aktiv. „Damals war noch wenig über die Ruine bekannt, aber die Neugier war groß“, sagt sie. Inzwischen zählt der Verein knapp 400 Mitglieder. Die Initiative ging vor allem von ihrem Mann Reinhard aus: „Er war extrem neugierig und hartnäckig, was die Ausgrabungen betrifft.“ Anfangs hieß es oft: „Der spinnt, der hört bald wieder auf.“ Doch bis zu seinem Tod habe er nie das Interesse verloren.
Granate bei Ausgrabungen in der Burgruine Wolfstein von Schüler gefunden
Ab 1997 begannen die Wolfsteinfreunde mit archäologischen Ausgrabungen. Parallel recherchierten sie intensiv, etwa im Staatsarchiv Amberg. Dabei gewannen sie zahlreiche neue Erkenntnisse – unter anderem entdeckten die Hobbyforscher sogar eine unbekannte Kapelle. Zu den Ergebnissen sind inzwischen mehrere Bücher erschienen, weitere Publikationen sind geplant.

Eine Anekdote aus der Zeit der Ausgrabungen ist Wittmann und Veit bis heute präsent: Die Anlage blieb im Zweiten Weltkrieg weitgehend unversehrt, lediglich der Turm sei von amerikanischen Truppen angegriffen worden. Veit erinnert sich an sogenannte Schülergrabungen: „Ein Schüler hat dabei einmal eine Blindgängergranate gefunden.“ Der Fund sei ein Schock gewesen – heute können beide darüber lachen.
Dass die Burg heute eine Ruine ist, hat einen anderen Grund: „Um 1607 wurde sie zum Abbruch freigegeben“, erklärt Wittmann. „Jeder konnte sich bedienen.“ So verschwand etwa der wertvolle Steinboden vollständig. Teile der Anlage finden sich noch heute andernorts wieder – etwa in einer evangelischen Kirche. Der sagenumwobene „Schatz von Wolfstein“ wurde hingegen bis heute nicht entdeckt.
Heute liegt der Schwerpunkt des Vereins darauf, die Burgruine zu erhalten und als touristischen Anziehungspunkt weiterzuentwickeln. „Die Burgruine ist schon von der Autobahn aus zu sehen – das zieht Besucher an“, sagt Wittmann. Im besten Fall blieben diese länger in der Stadt. Vor allem der Burgturm ist von Weitem zu sehen, man kann von Neumarkts höchstem Punkt aber auch weit ins Land hinausblicken. Bei gutem Wetter könne sie sogar ihren früheren Arbeitsplatz, den Business Tower in Nürnberg, sehen, sagt Veit.
Turm der Burgruine Wolfstein bei Neumarkt hat 104 Stufen
Um auf den Turm zu kommen, muss man die 104 Stufen hinauf erklimmen. Bei Führungen wird daraus ein kleines Spiel: „Wir sagen immer, die Leute sollen die Stufen zählen – und wer falsch liegt, muss nochmal hochlaufen.“
Führungen sind ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der Wolfsteinfreunde: sonntags kostenfrei, unter der Woche nach Anmeldung gegen eine kleine Gebühr. „Teilweise kommen ganze Busse“, berichtet Wittmann.
Darüber hinaus organisiert der Verein Veranstaltungen auf einer Wiese vor der Ruine, besonders der Handwerkermarkt ist beliebt. Formate wie ein Weihnachts- oder Mittelaltermarkt sind jedoch schwierig umzusetzen. „Oben fehlt die notwendige Infrastruktur wie Wasser und Strom“, erklärt Wittmann. Auch der Eigentümer sei zurückhaltend, zudem ist die Parkplatzsituation angespannt: „Schon jetzt wird an schönen Tagen bis zur Bundesstraße geparkt“, sagt Veit.
Neue Brücke zur Burgruine Wolfstein ist aus Holz und Stahl
Ein Projekt, von dem Besucher profitieren, ist kurz vor dem Abschluss: die neue Brücke über den Burggraben. Die frühere Holzkonstruktion hatte der Witterung nicht lange standgehalten. „Die Planung hat sich lange gezogen, aber die Umsetzung ging dann überraschend schnell“, sagt Wittmann. Die neue Brücke besteht aus Holz und Stahl. Die Eröffnung ist für den 1. April geplant. „Kein Aprilscherz“, sagt Wittmann lachend.

Für Wittmann und Veit ist ihr Engagement mehr als ein Hobby. „Ich glaube, das ist ein Zweitjob“, sagt Wittmann. Veit, inzwischen im Ruhestand, investiert auch viel Zeit. Einig sind sich beide: „Langweilig wird uns dabei sicher nicht.“