Leiter des Regensburger Infineon-Werks: „Wir sind weltweit wettbewerbsfähig“

Von Christian Eckl · 28. März 2026 um 05:00

Jürgen Winterer, Leiter des Infineon-Werks in Regensburg, blickt nach seinem ersten Jahr im Amt auf eine erfolgreiche Umsetzung der Standortstrategie zurück und erklärt, welche Rolle Regensburg bei der Entwicklung von KI-Lösungen, Robotik und Energieeffizienz spielt – und warum er trotz globaler Konkurrenz keine Angst vor der Zukunft hat.

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Herr Winterer, wie war Ihr erstes Jahr im Amt?

Jürgen Winterer: Wir haben die Strategie, die wir uns vorgenommen haben, sehr gut umsetzen können. Ein großes Thema am Standort ist die Innovation. In diesem Jahr hat sich aber auch einiges in Sachen Produkte getan. Wir sprechen von spannenden Märkten im Bereich der Künstlichen Intelligenz und Robotik. Was mich aber immer wieder begeistert, ist die Motivation der Mitarbeiter sowie die Kompetenz, die wir hier in Regensburg haben.

Mitarbeitermotivation durch Technologieführerschaft

Und wie begeistert man die Mitarbeiter für den Umgang mit neuen Technologien?

Winterer: Mitarbeiter wollen an einem spannenden Arbeitsplatz tätig sein. Mit unserer Technologieführerschaft und der Innovationskraft können wir genau das bieten. Wir sind ganz vorne mit dabei und ich sehe die Leute stolz aus dem Werk gehen. Das ist unabhängig davon, ob jemand im Forschungs- und Entwicklungsbereich arbeitet oder im Schichtbetrieb tätig ist.

Haben sich die Arbeitsprozesse bei Infineon durch den Einsatz von KI verändert?

Winterer: Bei Infineon gibt es zwei Dimensionen. Zum einen produzieren wir Produkte, die in die KI-Welt gehen und diese unterstützen. Zum anderen wenden wir KI selbst an. Ein gutes Beispiel dafür ist die intelligente Bilderanalyse in der Produktion. Dabei geht es darum, die Daten, die während der Fertigung entstehen, durch KI intensiver zu nutzen, automatisiert zu analysieren und Entscheidungen abzuleiten.

Infineon kooperiert mit Nvidia, dem derzeit wertvollsten Unternehmen der Welt im Bereich von KI. Wo kommen Lösungen von Infineon hier aus Regensburg ins Spiel?

Winterer: Grundsätzlich brauchen KI-Lösungen leistungsstarke Prozessoren, wie sie heute in Rechenzentren eingesetzt werden. Diese Datencenter sind sehr energieintensiv. Infineon hat Lösungen, um das Energiemanagement und die Energieeffizienz zu verbessern. Das passiert auch aus Regensburg heraus. Wir haben hier Entwicklungsteams, die an diesen Themen arbeiten. Unsere Lösungen helfen, den Energieverbrauch im Datencenter zu verringern – und zwar im doppelten Sinn: Einerseits entsteht Wärme, die durch Klimatisierung abgeführt werden muss. Andererseits, je weniger Wärme durch Verlustleistung überhaupt entsteht, desto weniger muss auch wieder heruntergekühlt werden.

Regensburg liefert Robotik-Sensorik

Kürzlich sind wir hierzulande ein wenig aufgeschreckt, als dem Kanzler in China von Robotern eine Art Kampfaufführung dargeboten wurde. Sind wir abgehängt bei dem Thema?

Winterer: Keineswegs. Infineon ist auch Lieferant für die Robotik. Wir bieten sehr viel im Bereich Sensorik für diese Anwendungen. Humanoide Roboter und klassische Robotikarme müssen sich stabil bewegen und zielgerichtet handeln, dafür sorgen Sensoren. Diese Sensorik kommt auch aus Regensburg. Das Thema ist dabei mehrdimensional: Einerseits liefert Infineon Regensburg die Innovation, um Robotik zu ermöglichen, andererseits haben wir selbst die Chance, durch Robotik Automatisierung hier im Werk voranzutreiben.

Müssen Arbeitnehmer Angst vor Künstlicher Intelligenz und Robotern haben?

Winterer: Nein, ganz sicher nicht. KI und Robotik steigern unsere Effizienz, davon bin ich überzeugt. Was es braucht, ist die Bereitschaft, diesen Wandel mitzumachen. Unser Unternehmen begleitet diese Veränderungen sehr intensiv – mit gezielten Schulungsmaßnahmen und unterstützenden Trainings. Das gilt sowohl für die Mitarbeiter im Büro als auch für die Fertigung. Dadurch eröffnen sich durch Effizienzsteigerung und Innovation ganz neue Möglichkeiten.

Wird es humanoide Roboter geben, die uns zum Beispiel an der Bäckertheke bedienen?

Winterer: Das ist durchaus denkbar. Über Large Language Models sind die Kommunikationsfähigkeiten schon heute beeindruckend – wir erleben das im privaten Alltag, wenn wir beispielsweise mit einem Chatbot sprechen. Und die Haptik und Bewegungen der Roboter werden immer besser. Was es dafür braucht, sind leistungsstärkere Sensoren und eine stärkere Rechenleistung. Genau daran arbeiten wir – mit immer neuen Generationen von Sensorik, die dem Roboter dabei hilft, die Umgebung und eigene Position genauestens zu erfassen. Gleichzeitig steuern Mikrocontroller mithilfe von Leistungshalbleitern präzise und effizient die Arme, Beine, Hände und Finger des Roboters – ähnlich wie Muskeln im menschlichen Körper. Das ist der Kern unserer Arbeit und bringt die Fähigkeiten der nächsten Robotergeneration entscheidend voran.

Smartphones werden noch integrativer

Im Land herrscht eine gewisse Frustration und auch Angst, dass wir gegenüber China nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Wie sehen Sie das als Leiter eines Werkes in der Halbleiterindustrie?

Winterer: Infineon ist Weltmarktführer im Bereich der Leistungshalbleiter sowie größter Lieferant der Automobilindustrie und führend in vielen weiteren Segmenten. Wie erst kürzlich bekannt gegeben, konnten wir unseren weltweiten Marktanteil bei Mikrocontrollern entgegen dem Markttrend auf 23,2 Prozent steigern. Wir sind weltweit wettbewerbsfähig. Ich höre öfter, ein deutscher Halbleiterhersteller baue zum Beispiel ausschließlich für deutsche Autos. Dem ist nicht so. Infineon und auch der Standort Regensburg bedient mit seinen Produkten den internationalen Markt. Und die Sensorik ist in Autos noch lange nicht ausentwickelt. Ich bin begeistert, was an neuen Funktionalitäten in der nächsten Fahrzeuggeneration steckt. Ob Infotainment, Kommunikation, Sicherheit oder Fahrdynamik – das wird weitergehen.

Gibt es auch Anwendungsfelder etwa im Bereich Smart Home und Energieeffizienz?

Winterer: Ja, die gibt es. Auch das Thema Smart Home wird sich weiterentwickeln. Ein prominentes Beispiel ist die bidirektionale Wallbox. Das bedeutet, ich kann die Energie, die im Fahrzeug gespeichert ist, über die Wallbox mit meinem Zuhause verbinden und dort nutzen. Das Fahrzeug wirkt dann nicht nur als Verbraucher, sondern auch als Energielieferant. Dahinter steckt Steuer- und Regeltechnik, für diese wiederum ist der Einsatz von Halbleitern essentiell.

Auch in vielen Smartphones unterschiedlicher Hersteller ist Technik aus Regensburg verbaut. Wird das Handy künftig noch wichtiger?

Winterer: Smartphones werden noch integrativer. Funktionen, die heute separate Geräte oder Karten erfordern, werden zunehmend im Smartphone abgebildet. Schlüssel, Bankkarte oder Versicherungsnachweis zum Beispiel. Dafür braucht es leistungsfähige, energieeffiziente Halbleiter. Und genau solche Chips stellen wir hier in Regensburg her. Darunter auch jene gesicherten Chips, die in Banking-Karten stecken und Geldtransfers absichern und autorisieren.

Was würden Sie einem jungen Menschen empfehlen, in welche Richtung er sich ausbilden lassen soll?

Winterer: Ich würde jedem jungen Menschen empfehlen, sich in die Richtung zu orientieren, die ihn wirklich interessiert. Das kann natürlich eine technische sein, ist aber vielleicht nicht für alle gleichermaßen interessant. Ich sehe es an meinen eigenen Mitarbeitern: Wenn jemand ein Thema wirklich spannend findet, dann bekommt man die besten Ergebnisse. Wir haben alle die schulische Laufbahn durchlaufen und es gab die Mitschüler, die mehr in der Sprache unterwegs waren, andere mehr in der Mathematik und wieder andere im künstlerischen Bereich. Was ich jedem mitgeben würde: Entwickelt euch in die Richtung, an der euer Herz hängt.

Das Interview führte Christian Eckl.