Nach der Kommunalwahl 2026: Wer sind die Neuen im Regensburger Stadtrat?

50 Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker sitzen im Regensburger Stadtrat. Und 19 kommen im Mai neu ins Gremium – einer weniger als nach der Kommunalwahl 2020. Damals hatten die erstarkten Grünen für die meisten neuen Gesichter gesorgt, diesmal ist es die CSU, auch ohne mehr Sitze. Die konnten nur Linke und AfD erringen, während die Europapartei Volt ganz neu ist.
Zwei Handwerker, zwei Frauen und ein Mittelständler

„Einen Schwerpunkt legt die CSU auf die örtliche Wirtschaft“, hatte die Partei schon bei der Aufstellung ihrer Stadtratsliste verkündet. Die Wähler setzten einen besonderen Akzent: Sie wählten zwei Handwerker auf der Liste gewaltig nach vorne: Schreiner Andreas Träg (60), Kreishandwerksmeister sowie Obermeister seiner Innung, sowie Bäckermeister Ludwig Schifferl (34), der es sogar von Platz 25 auf Rang 10. schaffte. Zwei Frauen aus Burgweinting sind ebenfalls neu in der mit 13 Köpfen nach wie vor stärksten Fraktion: Gymnasiallehrerin Julia Lang (43), Vorsitzende des Integrationsbeirats, wo sie auch die Deutschen aus Russland repräsentiert – und im Zuge der Stadtbild-Debatte auch CDU-Kanzler Friedrich Merz kritisierte – sowie Ute Frei (42), Lehrerin an der Polizeischule, die sich in Burgweinting im Zuge der Stadtbahn-Kritik stark engagierte. Steuerberater Thomas Zeilhofer (55) vertrat die Interessen der Regensburger Wirtschaft bislang als Vorsitzender der Mittelstands-Union.
Ein Neuer aus der Parteijugend für die Grünen

Die Grünen-Fraktion ist zwar nach wie vor die zweitgrößte im Stadtrat, aber von elf auf neun leicht geschrumpft. Einziger Neuer ist Yassin Domke, der als Spitzenkandidat der Grünen Jugend unbedingt reinkommen sollte. Der 28 Jahre alte Lehramtsstudent hatte sich seinen Wählern in Wahlkampf-Posts so vorgestellt: „Ich hätte gerne eine Stadt mit der Begrünung von Paris, den Radwegen von Amsterdam und den Mieten von Wien.“
Eine Juristin und eine Apothekerin für die SPD

Claudia Neumaier (35) stand schon an der Spitze des SPD-Stadtverbands, als die Mehrheit im Vorstand noch für einen anderen OB-Kandidaten war als Thomas Burger, der letztlich Oberbürgermeister wurde – öffentlich gab sie sich erst nach der Kampfabstimmung als Burger-Anhängerin zu erkennen. Von Beruf ist Neumaier Syndikusrechtsanwältin für ein Unternehmen. Als Mutter von zwei Kindern will sie Regensburg zur „familienfreundlichsten Stadt Bayerns machen“. Das Herzensanliegen von Apothekerin Andrea Diermeier (41), der zweiten neuen SPD-Stadträtin, ist die Gleichstellung, „dass die Belange von Frauen in allen Bereichen mitgedacht werden“.
Eine reine Männerriege für die AFD

Von zwei auf fünf: Die AfD hat die Zahl ihrer Stadträte mehr als verdoppelt, bleibt aber eine Männerriege. „Unsere Fraktion versteht sich als breiter Querschnitt der Gesellschaft“, sagt Thomas Straub, der schon Stadtrat ist, über sich und seine neuen Kollegen. Verkehrsmeister Christian Eberl (59) und Karosseriebauer Hermann Auer (59), wollen sich unter anderem für gute Bedingungen für den Individualverkehr einsetzen. Jurastudent Lukas Daiser, 20, ist künftig der jüngste Stadtrat. Er fordert unter anderem „haushalterische Vernunft“. Die Stadt solle kein Geld ausgeben für „linke Ideologie“ wie Seenotrettung oder Feminismus, erklärt er auf Instagram. Nikolai Sitschow, der sich zu den Russlanddeutschen in der AfD zählt und sich auf Facebook stark außenpolitisch positioniert – gegen die Unterstützung der Ukraine – wird mit 74 Jahren der älteste Stadtrat sein und will sich vor allem um bessere Bedingungen für den Hallensport kümmern.
Die Linke ist wieder drin: Mit vier Neuen unter 30

Die Linke, die zuletzt nicht mehr im Stadtrat vertreten war, weil Irmgard Freihoffer während der Stadtratsperiode zum BSW wechselte, wird die jüngste Fraktion im Stadtrat bilden und auch die mit dem größten Frauenanteil, nämlich 75 Prozent. Die 22-jährige Bankkauffrau Michelle Hake nennt als Schwerpunkte Antifaschismus und Bekämpfung von Ungleichheit, die Studentin Cassandra Andraschko (24) die Stärkung von Klassenbewusstsein, Feminismus und Transparenz, die Erzieherin Laura-Ann Neumann (27) Wohnen und Bildung und der Arbeitsvermittler Sebastian Wanner (23) Sozial- und Wirtschaftspolitik. Die Linke hat damit ihr Ziel erreicht, Perspektiven in den Stadtrat zu bringen, die ihrer Ansicht nach bisher zu wenig vorkommen. „Gerade junge Frauen sind in der Kommunalpolitik stark unterrepräsentiert“, so die Partei.
Ein Lehrer für die Freien Wähler

Ludwig Artinger und Kerstin Radler wollten bei den Freien Wählern Jüngeren den Vortritt lassen. Artinger wurde aber dennoch wiedergewählt, was dazu führte, dass das FW-Trio jetzt nur aus Männern besteht. Auf Radler folgt Michael Schien. Als OB-Kandidat hatte der 44-Jährige, von Beruf Realschullehrer, als wichtigstes Ziel die „Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts“ ausgegeben.
Auch zwei Pro-Europäer sind neu im Stadtrat

Lisa Brenner (36) ist Heilerziehungspflegerin an der Bischof-Wittmann-Schule, der zweite Volt-Stadtrat Gwydion Enbarr (47) arbeitet als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache und in der psychologischen Testung. Beide schwören auf den paneuropäischen Ansatz ihrer Partei Volt. „Wir arbeiten mit den besten Lösungen aus ganz Europa und bringen die in die Städte“, so erklärt Brenner ihn. Eines der Kernthemen ist die Digitalisierung.
Der neue Stadtrat:
Theorie und Praxis: Für die Einberufung der konstituierenden Sitzung hat der neue OB ab 1. Mai vier Wochen Zeit. Wegen der Feiertage im Mai und der Ladungsfrist ist die erste Sitzung aber dieses Mal nicht vor dem 12. Mai möglich.
Zusammensetzung: Der 50-köpfige Stadtrat besteht aus Vertretern von elf verschiedenen Parteien und Gruppierungen. Sieben davon stellen auch neue Stadträte, die Kommunalpolitiker der restlichen Gruppen gehörten dem Stadtrat auch bisher an.