Elf Gruppierungen und ein Stimmenwunder: Die Trends bei der Stadtratswahl in Regensburg

Was haben das Wahlergebnis von CSU-Kandidat Ludwig Schifferl und ein gelungener Hefeteig gemeinsam? Beide blähen sich um das Vielfache des erwarteten Volumens auf. Der Geschäftsführer der Bäckereikette, der alleine in Regensburg 24 Filialen betreibt, hatte mit Platz 25 keine aussichtsreiche Position auf der Liste. Die Wähler aber katapultierten ihn auf Platz zehn nach vorne, so dass er nun auf einem Sitz im Stadtrat Platz nehmen kann.
Wie auch schon bei den Kommunalwahlen im Jahr 2020 zog sich die Auszählung der Stadtratswahl. Die letzten Auswertungen ließen bis 17 Uhr auf sich warten. Dann meldete die Stadt, dass die Ergebnisse der Wahl des Stadtrats erst heute im Laufe des Vormittags vorliegen sollen, weil eine erneute Auszählung in einem Stimmbezirk erforderlich sei. Weiterhin sollen die Stimmen aus einem Briefwahlbezirk händisch erfasst werden.
Die Glückwünsche stapelten sich im Nachrichteneingang
Der 34-jährige Schifferl war der Kandidat, der mit seinem Durchmarsch für die größte Überraschung sorgte – sogar er selbst sei darüber verwundert gewesen. Als er am Montag aufwachte, stapelten sich etliche Glückwünsche in seinem Nachrichteneingang. Zeit, die Wahlergebnisse zu verfolgen, hatte er nicht: Er musste in die Backstube. „Aber wegen der vielen Glückwünsche wusste ich ja, dass es gut gelaufen ist“, sagt er.
Diese Trends hatten sich gestern Nachmittag ergeben: Mit elf Gruppierungen könnte der neue Stadtrat geringfügig weniger zersplittert sein, als der aktuelle mit zwölf Vereinigungen.
Die CSU könnte 13 Sitze im Stadtrat bekommen. Ob der ehemalige CSU-Fraktionsvorsitzende, Dr. Josef Zimmermann, auf Platz 14 weiter im Gremium sitzen kann, hing aus der Perspektive von gestern an der Frage nach dem Ausgang der Stichwahl: Sollte Dr. Astrid Freudenstein Oberbürgermeisterin werden, würde ein Nachrückerplatz im Stadtparlament für ihn frei werden. Auf den 13 besten Plätzen bei der CSU waren weiterhin Jürgen Eberwein, Michael Lehner, Bernadette Dechant, Dagmar Schmidl, Kathrin Fuchshuber, Julia Lang, Erich Tahedl, Thomas Zeilhofer, Ariane Weckerle, Andreas Träg und Ute Frei gelandet.
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Auf dem ersten Nachrückeplatz bei der SPD stand gestern Elisabeth Christoph. Sollte Dr. Thomas Burger Oberbürgermeister werden, könnte sie aus dieser Position noch Stadträtin werden. Gestern Nachmittag entfielen auf diese Partei sechs Sitze im Stadtrat. Auf den Top-Plätzen landeten weiterhin Alexander Irmisch, Claudia Neumaier, Dr. Klaus Rappert, Andrea Diermeier und Hans Holler. Die scheidende Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer war zu diesem Zeitpunkt von Platz 50 auf Platz elf katapultiert worden.
Die Grünen hatten laut des gestrigen Auszählungsstandes neun Plätze im Stadtrat. Auf den entsprechenden Plätzen landeten Dr. Helene Sigloch, Maria Simon, Daniel Gaittet, Yassin Domke, Monir Shahedi, Dr. Stefan Christoph, Wiebke Richter, Hans Teufl und Theresa Eberlein, die von Platz sieben auf Platz vier durchstartete. Die Linke hatte gestern Nachmittag das größte Plus bei diesem Urnengang eingesackt, wodurch sie vier Kandidaten in das Gremium entsenden könnte: Die Top-Kandidaten heißen Sebastian Wanner, Laura-Ann Neumann und Michelle Hake. Cassandra Andraschko hatte einen Platz gut gemacht und die Aussicht auf einen Sitz im Stadtrat gewonnen.
AfD könnte fünf Sitze im Stadtrat bekommen
Ein Plus von 4,9 konnte die AfD zu diesem Zeitpunkt verzeichnen, was fünf Sitze im Stadtrat ergab. Die besten Ergebnisse hatten da Thomas Straub, Christian Eberl, Hermann Auer, Lukas Daiser und Nikolai Sitschow eingefahren. Die Brücke hatte mit einem vorläufigen Minus von 5,1 Prozent den größten Verlust eingefahren. Von vier Sitzen im Stadtrat, die auf die Brücke entfallen könnten, wird wohl Joachim Wolbergs einen besetzen – und das obwohl er auf Platz sieben der Liste gestartet war. Die Wähler hatten ihn gestern auf den zweiten Platz katapultiert. Auf den Top-Plätzen waren weiterhin Thomas Thurow, Florian Rottke und Thomas Mayr gelandet. Auf der Liste der Freien Wähler hatte der amtierende Umweltbürgermeister ordentlich Boden gut gemacht. Gestartet auf Platz neun, war er auf Rang Nummer drei gelandet und könnte bei drei Plätzen für die Freien Wähler weiterhin im Stadtrat sitzen – zusammen mit den Bestplatzierten Dr. Christoph Schießl und Michael Schien.
Die ÖDP könnte ihre beiden Spitzenkandidaten Benedikt Suttner und Astrid Lamby entsenden. Ein Déjà-vu erlebt Hannes Eberhardt, der auch schon bei der vergangenen Kommunalwahl zittern musste, aber keinen der blau bezogenen Stühle im Sitzungssaal ergattern konnte. Das droht erneut: Auf Platz drei ist er der erste Nachrücker.

Mit einem Platz im Stadtrat für die FDP könnte der Stimmenkönig der Partei, Horst Meierhofer, dem Gremium weiter angehören. Dann wäre seine Kollegin Gabriele Opitz auf dem ersten Nachrückerplatz raus. Platz für einen Ribisl-Stadtrat könnte es im Neuen Rathaus geben. Bestplatzierter hier ist Jakob Friedl. Volt könnte sich erstmals zwei Sitze im Stadtrat sichern. Die Spitzenkandidaten dieser Partei sind Lisa Brenner und Gwydion Kunz.
Nicht mehr im Stadtrat vertreten sein wird voraussichtlich die CSB und damit Christian Janele. Ebenso wird wohl Ingo Frank von die Partei seinen Platz im Stadtrat räumen müssen. Die CSU-nahe Nachwuchsliste Zukunft hatte es bis gestern ebenfalls nicht geschafft, einen Platz im Stadtrat zu erringen.