„Das ist ja jetzt kein normaler Haushalt!“: So erklärt Furths Bürgermeister die Finanzen nach der LGS

Von Johannes Schiedermeier · 27. März 2026 um 05:00

„Das ist ja jetzt kein normaler Haushalt“, sagt Bürgermeister Sandro Bauer. Viele hatten das schon geahnt. Schließlich ist 2026 das Jahr Eins nach der Landesgartenschau. Und wenn der Bürgermeister ganz tief in die Stadtkasse blickt, dann liegen nach Abzug aller Tilgungszahlungen dort noch rund 56.000 Euro... Eigentlich...

„Ich habe kein Geld, aber ich jammere nicht“, sagt Sandro Bauer an diesem Donnerstag, an dem er seinem Stadtrat das Zahlenwerk auf den Tisch legen wird, das Furth durch das Jahr begleiten soll. Bis 2029 hat Stadtkämmerin Anja Heinrichmeyer vorgeplant. Und – die gute Nachricht zuerst – Furth soll ohne neue Kredite auskommen.

Doch die Hüterin der Stadtfinanzen gibt der Politik ein paar dringende Ratschläge mit auf den Weg: Das Einnahmepotenzial soll ausgeschöpft und Konsolidierungspläne sollen auf den Tisch. Bürgermeister Bauer pflichtet ihr bei: „Das kennen wir ja schon aus den Zeiten der Bedarfszuweisung und der Stabilisierungshilfe. Da mussten wir diese Pläne auch vorlegen.“

„Wir haben in einem Jahr für mehrere Jahre investiert!“

„Ich jammere nicht. Wir hatten schon einmal 80.000 Mark Gewerbesteuer. Heute haben wir sieben Millionen“, sagt Bauer. Keine Frage, Furth hat sich gerappelt. Das sieht man auch daran, dass die Schlüsselzuweisungen – die Unterstützung des Staates für finanzschwächere Kommunen – immer weniger werden und die Kreisumlage steigt trotz Senkung um einen Prozentpunkt. Aufschwung kostet auch. Die Stadt hat inzwischen eine Steuerkraft, die das einstige Kellerkind des Landkreises auf Platz 6 der 39 Kommunen im Landkreis gehoben hat. Niemand erinnert sich im Stadtrat gern an die Zeit um 2005, als die Stadt mit 27,6 Millionen Euro in der Kreide stand.

Und dann war da diese Landesgartenschau. 20,3 Millionen Euro hat die Stadt 2025 in Baumaßnahmen investiert. „Wir haben in einem Jahr die Investitionen von Jahren getätigt“, sagt Bauer. Deswegen wird es jetzt ruhiger. Das Haushaltsvolumen hat nach 46,4 Millionen im Vorjahr nun wieder Normalmaß angenommen: 35,3 Millionen Euro.

Der Ertrag aus dem Verwaltungshaushalt liegt bei 1,056 Millionen Euro. Zieht man die Million ab, die ab sofort alljährlich bis 2029 von den Gesamtschulden (17,1 Millionen) getilgt werden soll, dann bleiben wieder die 56.000 Euro übrig, die die Stadt zur freien Verfügung hat. Wie gesagt – eigentlich. Denn viel hängt davon ab, ob die sieben Millionen Euro Gewerbesteuer konservativ genug geschätzt sind. Vielleicht sind es ja am Ende doch wieder acht Millionen. Besser als umgekehrt... An den umfassenden Einbruch der Wirtschaft glaubt Bauer nicht: „Es gibt weiterhin Branchen, die kämpfen und andere, die boomen.“

Und auch die Einkommensteuer steigt alljährlich und wird 2026 einen neuen Rekordwert von 5,4 Millionen Euro erreichen. Deswegen sind die 59.000 Euro auch ein wenig irreführend. Schließlich investiert die Stadt trotzdem noch 8,39 Millionen Euro in Baumaßnahmen. Besonders am Herzen liegen dem Bürgermeister die 2,5 Millionen Euro (insgesamt 4,5) für das Landestormuseum: „Das müssen wir heuer anfangen, weil wir sonst die 50 Prozent Zuschuss verlieren. Und außerdem ist es in diesen Zeiten wichtig, dass die Menschen ihre eigene Geschichte und die ihrer Vorfahren verstehen.“

360.000 Euro werden in die Verkehrsanlage auf der Festwiese fließen. In Kanäle und Straßensanierungen wird eine Million Euro investiert. 250.000 Euro zahlt die Stadt in ein Blockheizkraftwerk für die Kläranlage. Auch die Friedhöfe Lixenried und Ränkam werden mit 320.000 Euro saniert. Der Bauhof bekommt 450.000 Euro für Umbau und Gerät. Die Feuerwehr wird mit 1,5 Millionen Euro aufgerüstet und in die „Grauen Flecken“ bei der Glasfaser steckt die Stadt 184.000 Euro. – Am Ende wird auch deutlich, was „Konsolidierung“ für die Bürger bedeutet: Manches wird teurer werden. Bei den Friedhöfen ist Kostendeckung sowieso Vorschrift.

Konsolidierung am Beispiel des neuen Hallenbades

Aber es wird auch Überlegungen geben, andere Gebühren zu erhöhen. Zum Beispiel, wenn der Neubau des Hallenbades für zwölf Millionen fertig ist. Hier hat die Stadt bisher vergeblich auf eine Zuschuss-Zusage gewartet, die 3500 andere Kommunen auch wollten. „Wenn das neue Bad steht, wird es auch neue Gebühren brauchen“, sagt Bauer.

Haushalt in Kürze

■ Verwaltungshaushalt: 23,3 Millionen Euro

■ Vermögenshaushalt: 11,9 Millionen Euro

■ Kreditaufnahme: 0

■ Die Steuerkraft der Stadt Furth im Wald ist von 1228 Euro pro Einwohner im Jahre 2025 auf 1441 Euro gestiegen. Im regionalen Vergleich innerhalb des Landkreises Cham liegt Furth im Wald auf Rang 6 (von 39 Kommunen) und verbessert sich um einen Platz.

■ Im Ranking der fünf Städte liegt Furth mit 1441 Euro Steuerkraft pro Einwohner auf Rang drei hinter Cham (2399 Euro) und Roding (1465 Euro), aber vor Bad Kötzting (1323 Euro), Rötz (1164 Euro) und Waldmünchen (978 Euro).

■ Die Einnahmen im Verwaltungshaushalt werden unter dem Strich auf 23,3 Millionen Euro veranschlagt.

■ Die drei wichtigsten Einnahmequellen sind die Gewerbesteuer (7,0 Millionen), die Einkommenssteuer (5,0 Millionen) und die Grundsteuer B mit 1,35 Millionen Euro.

■ Die Gewerbesteuer ist im Vergleich zu den starken Vorjahren von 9,3 auf 8,3 und aktuell auf 7,0 Millionen Euro gesunken.

■ Bei der Grundsteuer A und B steht 2025 im Vergleich zum Wert vor der Reform ein „Plus“ in Höhe von 248 800 Euro unter dem Strich. Allerdings gibt es noch Einsprüche und eine hohe Zahl von unklaren Veranlagungen. Aufgrund der angespannten Haushaltslage, so die Kämmerei, gebe es aber keinen Spielraum für eine Senkung des Steuersatzes.

■ Die Einkommenssteuer ist seit 2021 kontinuierlich von 4,3 auf 5,4 Millionen angewachsen.

■ Die Personalkosten: Aufgrund des Tarifabschlusses mit einer Lohnsteigerung in Höhe von 3,0 Prozent (mindestens 110 Euro brutto) zum 1. April 2025 und der weiteren Erhöhung um 2,8 Prozent zum 1. Mai 2026, steigen die Personalkosten trotz der Reduzierung von 2,5 Stellen erneut leicht an. Seit 2021 sind die Lohnkosten für die Stadt kontinuierlich von 4,7 auf 6,0 Millionen Euro gestiegen.

■ Die Kreisumlage entwickelt sich seit 2021 aufgrund der steigenden Finanzkraft der Stadt von 4,0 auf 6,3 Millionen Euro aufwärts.

■ Die Zuführung zum Vermögenshaushalt ist aufgrund der auslaufenden Stabilisierungshilfe und geringerer Gewerbesteuern auf 1,0 Millionen gefallen. In den Vorjahren waren es bis zu 4,8 Millionen Euro (im Jahr 2023) gewesen.

■ Die freie Finanzspanne ist der im Verwaltungshaushalt erwirtschaftete Ertrag (Zuführung zum Vermögenshaushalt) abzüglich der planmäßigen Tilgungen. Bei einer geplanten Zuführung in Höhe von 1,05 Millionen Euro und Tilgungen in Höhe von 1,0 Millionen Euro, beträgt die freie Finanzspanne 2026 lediglich 59 600 Euro. Die Kämmerei rät 2026 dringend zu Konsolidierungsmaßnahmen sowie der Ausschöpfung des Einnahmepotenzials.

■ Der Schuldenstand soll planmäßig von 2025 an von 17,10 Millionen Euro auf 15,10, 14,10 und 13,10 Millionen Euro abgebaut werden.

■ Die Rücklagen will die Stadt bis 2029 bei 730 000 Euro halten. Zuführungen zum Vermögenshaushalt sind bis 2029 nicht geplant.

■ Die Landesgartenschau hat noch ausstehende Rechnungen, die aber nach dem bisherigen Stand der Dinge laut Kämmerei durch die erwirtschafteten Eintrittsgelder ausgeglichen werden können.