Schwandorf aus der Vogelperspektive 1968: Ein Fenster in die Vergangenheit der Stadt

Historisch, informativ und facettenreich: Mit der Ausstellung „Unter den Wolken – über den Dächern“ öffnet das Stadtarchiv Schwandorf ein Fenster in die Vergangenheit. Rund 80 Gäste kamen am Mittwoch zur Eröffnung ins Rathaus, um erstmals Luftaufnahmen aus dem Jahr 1968 zu bestaunen.
Oberbürgermeister Andreas Feller wies bei der Eröffnung schmunzelnd darauf hin, dass die Ausstellung Bilder aus seinem Geburtsjahr 1968 präsentiere. Die historischen Bilder machten für ihn deutlich, wie stark sich Schwandorf seitdem verändert habe. Besonders anschaulich wurde dies nach seinen Worten am Beispiel von Dachelhofen, das damals noch eine eigenständige Gemeinde war: Die Schule hatte zu dieser Zeit den ersten Anbau, ein Kindergarten fehlte, und eine spätere Sparkassenfiliale war auf den Aufnahmen noch nicht zu sehen. „Eine Stadt ist nie fertig. Eine Stadt verändert sich“, betonte Feller.
Im Anschluss gab Stadtarchivar Josef Fischer Einblick in die Entstehung der Ausstellung. Vor einigen Jahren seien dem Stadtarchiv 158 Luftbilder aus dem Jahr 1968 angeboten worden. Nach längeren Preisverhandlungen konnte die Stadt diese erwerben. Rund 60 der Aufnahmen wurden nun für die Ausstellung ausgewählt und großformatig aufbereitet, um die zahlreichen Details sichtbar zu machen.
Heimatforscher unterstützte bei Zuordnung der Bilder
Zu sehen sind neben der Innenstadt auch das Linden- und das Kreuzbergviertel sowie die damals eigenständigen Gemeinden Krondorf, Fronberg, Ettmannsdorf und Dachelhofen. Bei der Zuordnung einzelner Aufnahmen erhielt Fischer Unterstützung vom Schwandorfer Heimatforscher Ludwig Weingärtner.
Auch die Besucher sind eingeladen, aktiv mitzuwirken: Ein Luftbild wurde bewusst ohne Beschriftung ausgestellt, um gemeinsam herauszufinden, welcher Straßenzug darauf abgebildet ist. „Luftbilder sind Momentaufnahmen. Sie zeigen oft nur Teilbereiche einer Stadt oder einer Landschaft, und damit ist es manchmal auch nicht ganz einfach, eine Aufnahme, welche Gebäude von oben mit einer ganz anderen Perspektive zeigen, der aktuellen Situation zuzuordnen. Von unten, also von der Straße aus, sieht das Gebäude oder der Straßenzug ganz anders aus als von oben betrachtet“, erklärte Fischer.
Personelle Veränderungen
Darüber hinaus informierte er über personelle Veränderungen im Stadtarchiv. Seit Mai 2025 verstärkt Katharina Fischer das Team als Verwaltungskraft und brachte von Beginn an neue Ideen ein, darunter den Einsatz von Instagram, um jüngere Zielgruppen anzusprechen. Mit Dr. Andrea Tonert konnte eine ausgebildete Archivarin der dritten Qualifikationsebene gewonnen werden, die Erfahrung aus der staatlichen Archivarbeit mitbringt. Dr. Andrea Tonert wird die Leitung des Stadtarchivs übernehmen.
Die Resonanz auf die Ausstellung fiel durchwegs positiv aus. Besucher Franz Schenk zeigte sich beeindruckt: „Es ist eine sehr schöne Ausstellung. Die Bilder wecken Erinnerungen an meine Kindheit. Besonders spannend ist für mich der Vergleich, da ich selbst Luftaufnahmen aus Krondorf besitze.“
Für die musikalische Umrahmung der Eröffnung sorgte die Gruppe „S und M“ aus Steinberg am See. Die Ausstellung „Unter den Wolken – Über den Dächern“ ist bis zum 31. Dezember während der Öffnungszeiten des Schwandorfer Rathauses zu sehen. Besucher haben die Gelegenheit, die Stadt aus einer ungewohnten Perspektive zu entdecken – und vielleicht selbst zur Aufklärung mancher historischen Details beizutragen.