Ein kleines Wunder für die Eltern: Krebspatientin aus Schwandorf wird Mutter

Von Renate Ahrens · 1. April 2026 um 11:00

Selig schläft der kleine Leon in der Wohnküche des Einödhofs in Scheckenberg bei Schwandorf. Im Ofen prasselt das Feuer, draußen wiehern Pferde. Wie eine Bilderbuchfamilie leben Pia und Alex Weiß hier mit ihrem vier Wochen alten Sohn wie in einer anderen Welt. Es grenzt an ein Wunder. Denn als Leon zur Welt kam, machte seine Mutter gerade eine Chemotherapie.

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„So schön wie möglich“ machen sie es sich hier ganz bewusst, sagen die beiden und blicken liebevoll auf ihren Sohn – schon immer sei das ihre Devise gewesen. Auch, als die Diagnose eines hochaggressiven Brustkrebses während Pias Schwangerschaft ihre Welt erschütterte, in einer Zeit, in der sie sich auf ihr lang ersehntes Kind freuten.

Kennengelernt haben sie sich vor 15 Jahren im Motorradclub Tramps MC in Nürnberg. „Alex kam rein und gefiel mir sofort“, erzählt Pia und lacht. Auch für ihn war es Liebe auf den ersten Blick. Doch beide waren damals noch in anderen Beziehungen, also blieb es lange bei einer engen Freundschaft. Was sie verband, war die Leidenschaft fürs Motorradfahren – und füreinander da zu sein, wenn es darauf ankam. Nicht erst seit Kurzem teilen sie Freud und Leid.

Im Rollstuhl zum Motorradtreffen

2019 entging Alex, ein gebürtiger Schwarzenfelder, bei einem schweren Arbeitsunfall als Zimmerer, als er vom Dach fiel, nur knapp dem Tod. „Pia hat mich im Rollstuhl abgeholt und zu einem Motorradtreffen gefahren“, erinnert er sich. Als beide schließlich frei waren, wurden sie ein Paar.

Im Motorradclub, wo Alex der gelernten Konditorin den Antrag machte, feierten sie im Juli 2023 auch ihre Hochzeit – mit 300 Gästen. Motorräder standen Spalier – ein unvergessliches Fest. Bald wuchs der Wunsch nach einem Kind. „Zwei Jahre lang wurde ich nicht schwanger. Erst als wir vor einem Jahr in den Scheckenberg-Hof gezogen sind, klappte es. Wir waren überglücklich – sprachlos vor Freude“, erinnert sich Pia.

Die Schwangerschaft verlief zunächst problemlos. Die beiden richteten sich in dem alten Haus mit den dicken Mauern ein, das zu dem Hof gehört, der seit dem 16. Jahrhundert besteht. Nach und nach sanierte Alex die Räume selbst, um die Miete niedrig zu halten. Gerade schmiedeten sie Pläne für die Einrichtung des Kinderzimmers. Dann, in der 28. Woche, spürt Pia unter der Dusche einen Knoten. Vier Zentimeter groß. „Zwei Tage später hatte ich ohnehin wieder einen Termin bei der Frauenärztin, sonst wäre ich nicht so schnell zur Untersuchung gegangen“, sagt sie. „Die Schwangerschaft hat mir vermutlich das Leben gerettet.“ Die Diagnose trifft sie mit voller Wucht: triple-negativer Brustkrebs, also sehr aggressiv. „Es hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt Alex.

Nach dem Unfall wieder als Zimmerer aktiv

Für beide war sofort klar: Sie kämpfen. Bereits mehrmals haben sie erlebt, wie schnell sich alles ändern kann. „Wir hatten schon oft Glück im Unglück“, sagt Alex, der nach dem Unfall wieder als Zimmerer arbeiten kann. „Daraus schöpfen wir Kraft.“

Alles musste schnell gehen. Ohne sofortige Chemotherapie, so die Ärzte, hätte Pia nur noch eine Lebenserwartung von eineinhalb bis zwei Jahren, da sich rasch Metastasen bilden würden. Doch was bedeutete das für das ungeborene Kind? „Mein Baby und ich wurden engmaschig untersucht. Ich bekam eine spezielle Chemotherapie, bei der die Krebsmedikamente laut den Ärzten die Plazenta nicht passieren. Trotzdem war die Angst immer da“, sagt Pia.

Jeden Freitag fuhr die junge Frau in die Uniklinik Erlangen, oft dauerten die Termine mit Untersuchungen und Therapie bis zu zwölf Stunden. Immer an ihrer Seite: Alex. Der 33-Jährige nahm dafür unbezahlten Urlaub. Fahrtkosten, Verdienstausfall, Autoreparaturen, Babyausstattung, Zuzahlungen für die Medikamente und sogar für die Perücke – die Belastung wuchs. „Im Motorradclub habe ich von der Angst um Pia und unseren Sorgen erzählt. Ich habe geweint – und 40 gestandene Motorradfahrer fast mit mir“, sagt Alex.

Spenden nicht nur aus der Gemeinschaftskasse

Sofort wurde die Gemeinschaftskasse, die genau für solche Notlagen gedacht ist, aufgelöst – und weiter aufgestockt. Auch Alex’ Chef zeigte Verständnis. Zudem kam die Idee auf, über „GoFundMe“ Spenden zu sammeln. „Ich war erst skeptisch, aber alle haben uns ermutigt. Inzwischen sind rund 4500 Euro zusammengekommen“, sagt Alex. „Pia hat vor Freude geweint.“

Eigentlich sollte das Baby vorzeitig geholt werden, um eine noch aggressivere Therapie beginnen zu können. Doch Leon kam früher als geplant – gut vier Wochen vor dem Termin, am 21. Februar. Die Geburt verlief komplikationslos. Noch bevor er richtig auf der Welt war, fragte Pia: „Ist er gesund? Ist alles dran?“ Die Erleichterung war groß.

„Wir lachen die Sorgen weg. Weinen hilft nicht“, sagen sie. Es entspricht ihrem lebensfrohen Wesen – und ihrer Haltung. „Aber wir wissen das Leben jetzt noch mehr zu schätzen.“

Den Namen Leon bekam ihr Sohn, weil er schon vor seiner Geburt wie ein Löwe kämpfte. Auf seine Mutter wartet weiterhin eine schwere Zeit. Neben den Chemotherapien, bei denen ihr die Haare ausfallen werden, stehen Operationen an – nicht nur an der Brust. Am Eierstock wurde nach der Geburt eine kindskopfgroße Zyste entdeckt, noch muss sie untersucht werden. Der ursprüngliche Tumor ist kleiner geworden, allerdings hat sich ein neuer, kleiner Tumor gebildet.

Trotz allem genießt die junge Familie ihr Glück auf dem Einödhof. Am Abend wollen sie am Weiher ein Lagerfeuer machen und jeden Moment auskosten. „Wir wünschen uns nur Gesundheit“, sagen sie und schauen auf ihren Sohn. „Sonst haben wir alles.“

So kann man der jungen Familie aus Schwandorf helfen

• Unterstützung: Mit einer finanziellen Unterstützung kann man der jungen Familie laut den Organisatoren der Spendenaktion zumindest einen Teil der Last abnehmen. Jeder Beitrag – egal wie klein – helfe ganz konkret im Alltag und schenke Hoffnung, Entlastung und ein Stück Sicherheit, heißt es im Spendenaufruf auf GoFundMe.

• Aktion: Der Link zur Spendenaktion: www.gofundme.com/f/brustkrebs-in-der-schwangerschaft