Überlastete Parkhäuser und langsame Busse: Wo es im Regensburger Verkehr hakt

Von Juliana Ried · 25. März 2026 um 21:27

Auf sieben Seiten haben die zwei Ingenieurbüros, die für Regensburg einen „nachhaltigen urbanen Mobilitätsplan“ entwickeln, zusammengefasst, wo es Handlungsbedarf gibt für die Stadt in Sachen Verkehr. Für kritische Anmerkungen sorgten am Mittwoch im Planungsausschuss des Stadtrats vor allem die Feststellungen, die Parkgebühren im Zentrum seien zu niedrig und der ÖPNV-Anteil zu gering – sowie die Frage, warum die Stadt noch ein Verkehrskonzept braucht.

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Tanja Flemmig, Chefin des Stadtplanungsamts, hatte eine Antwort. „Sonst kriegen wir keine Förderungen.“ Dirk Ohm, Geschäftsführer der Ingenieurgesellschaft für Verkehrsanlagen und -systeme, stellte klar, was das Wachstum von Stadt und Umland bedeute: „Wenn wir alle in unseren Verhaltensmustern verharren, ist das Ergebnis 15 bis 20 Prozent mehr Autoverkehr.“ Das sei aber nicht leistbar.

Experte: Straßennetz funktioniert eigentlich gut

Zwar gilt laut Ohm für Regensburg: „Sie haben eigentlich ein gut funktionierendes Straßennetz, auch wenn die Regensburger das oft anders empfinden.“ Fehlende Alternativrouten führten allerdings zu „wiederkehrenden Beeinträchtigungen im Verkehrsablauf bei Störungen auf der Autobahn oder im innerstädtischen Straßennetz selbst“, heißt es in dem Papier. In diesem Zusammenhang sehen die Experten beim „Verkehrssystemmanagement“ Luft nach oben.

Das Parkangebot im Zentrum sei eigentlich ausreichend, an Freitagen und Samstagen aber teilweise überlastet. „Die im bayerischen und vor allem in nationalen Vergleich geringen Parkgebühren tragen zu dieser Situation erheblich bei, da dadurch Anreize zur Nutzung alternativer Verkehrsmittel oder peripherer Stellplätze deutlich gemindert werden“, heißt es in der Analyse. Das Verkehrsberuhigungskonzept setze aber „deutliche Akzente für eine Entlastung der Altstadt durch die Verlagerung von Stellplätzen an die Peripherie“. Davon profitierten auch die Fußgänger. Überrascht zeigte sich Ohm vom Radverkehrsanteil von fast 30 Prozent in der Stadt. „Da sind Sie auch im deutschlandweiten Vergleich durchaus relativ weit vorn.“

Potenzial sehen die Experten vor allem beim Öffentlichen Nahverkehr. Der sei „deutlich steigerungsfähig“; derzeit werden mit dem ÖPNV im Stadt- und Stadt-Umland-Verkehr nur zehn Prozent aller Wege zurückgelegt. Dieser Anteil habe sich seit Corona sogar „etwas zurückentwickelt“, so Ohm, wohl auch weil viele aufs Rad umgestiegen seien. Im Vergleich zum Auto bestünden auch teils „deutliche Reisezeitnachteile“.

Hier hakten SPD, Grüne und ÖDP ein. Klaus Rappert (SPD) erklärte zum Thema ÖPNV: „Gerade um vom motorisierten Individualverkehr wegzukommen, müssen wir sicher die Anstrengungen im öffentlichen Personennahverkehr noch weiter steigern.“ Benedikt Suttner (ÖDP) und Michael Achmann-Denkler (Grüne) forderten ebenfalls eine Stärkung des ÖPNV. Suttner erklärte, die Verkehrswende sei „nicht irgendwie ein linkes oder progressives Gehabe“, sondern nötig. Das sei auch in den anstehenden Gesprächen zur politischen Ausrichtung Regensburgs wichtig.

Die Grünen fühlen sich von dem Mobilitätsplan bei vielen Punkten „schon sehr stark bestätigt“, so Achmann-Denkler, auch beim Thema Parkgebühren. „Ich würde hier auf jeden Fall unterstreichen, dass wir die Idee der Steuerung durch den Preis in diesem Gremium noch einmal stärker diskutieren sollten.“ Im Parkraummanagement seien noch nicht alle verfügbaren Parkplätze berücksichtigt, kritisierte Irmgard Freihoffer (BSW).

CSU: Feststellung zu Parkgebühren ist „seltsam“

Josef Zimmermann (CSU) dagegen sagte, er finde es „seltsam“, die Gebühren zu gering zu nennen. Er sprach von „8,60 Euro“ für gut zwei Stunden im Parkhaus am Petersweg, die er kürzlich gezahlt habe, was Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) anzweifelte. Zimmermanns Meinung nach fehlen im Straßennetz auch wichtige Anbindungen, und damit meinte er nicht nur die Sallerner Regenbrücke. „Wir schieben die Hafenspange seit gefühlt 15 Jahren vor uns her.“

Freihoffer monierte auch, mit den vielen Leitbildern könne man schon „ein Zimmer tapezieren“. Thomas Thurow (Brücke) forderte: „Jetzt sollten wir uns dann irgendwann an die Umsetzung machen.“ Die scheidende OB betonte: „Wir sind laufend in der Umsetzung.“ Mit jedem Projekt komme die Stadt dem Ziel näher.