Anja Wolbergs im Zeugenstand: „Mein Mann war naiv, aber immer ehrlich“

Von Isolde Stöcker-Gietl · 25. März 2026 um 19:00

Getrennt lebende Ehefrau sagt im Wolbergs-Prozess vor dem Landgericht München aus. „Mein Mann hat für das Oberbürgermeister-Amt gelebt“. Zu den Spendenabläufen kann die Zeugin dagegen wenig beitragen. Ein Polizeibeamter schildert wiederum die Ermittlungsarbeit und den Moment der Festnahme.

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Es sind sehr persönliche Dinge, die die Ehefrau von Joachim Wolbergs am fünften Verhandlungstag vor dem Landgericht München als Zeugin anspricht. Sie zeichnet ein Bild von einem Politiker durch und durch. „So lange ich meinen Mann kenne, war er immer mit seiner Arbeit verheiratet.“ Wolbergs habe für das Amt gelebt. „Er war begeisterter Oberbürgermeister!“ Und noch etwas betont Anja Wolbergs in ihrer Aussage ausdrücklich: „Er war in manchen Dingen naiv, aber er war mir gegenüber immer ehrlich.“

Entscheidungen traf Wolbergs „zwischen Tür und Angel“

Sehr ruhig und gefasst legt die 56-Jährige private Dinge vor dem Landgericht München offen. Schildert etwa, wie sehr die Familie unter der Inhaftierung von Joachim Wolbergs gelitten habe. „Keiner konnte glauben, was ihm vorgeworfen wurde.“ Das Engagement, das er als Stadtoberhaupt gezeigt habe, sei zu Hause oft zu kurz gekommen. Dort habe er Entscheidungen „zwischen Tür und Angel“ getroffen. Viel Zeit für Gespräche sei nicht gewesen. Ihr Mann habe das Haus gegen 8 Uhr verlassen und sei nicht vor 23 Uhr zurückgekehrt. „Und das sieben Tage die Woche.“ Auch deshalb will Anja Wolbergs von den Spenden aus der Baubranche, den Arbeiten an dem Ferienhaus und in der Pächterwohnung der Alten Mälzerei wenig bis gar nichts mitbekommen haben.

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Anja Wolbergs war Kassiererin im SPD-Ortsverein, der den Wahlkampf für Wolbergs organisierte. Sie habe Konten überprüft, Spendenquittungen ausgestellt und die Unterlagen für die Revision vorbereitet. Über die Problematik mit der Veröffentlichungsgrenze von Parteispenden will sie erst viel später aus den Medien erfahren haben. Auch, dass immer wieder Bauträger unter den Spendern waren, habe sie nicht bewusst wahrgenommen. Was Anja Wolbergs bei der Befragung durch Verteidiger Peter Witting allerdings deutlich zur Sprache bringt: Ihr Mann habe sich überhaupt nicht für finanzielle Dinge interessiert. Er habe nur für dieses Amt gelebt. Und heute?, will Witting wissen. „Er fristet sein Dasein und hat an nichts mehr Freude.“

Die Treffen zwischen Wolbergs und dem Bauträger

Am Vormittag hatte Chefermittler Bernhard Bauer auf die Ermittlungen geblickt. Die Fragen der Kammer drehten sich um die Auswertungen etwa in Bezug auf die Spenden. Es wurde auf das Darlehen, das das Ehepaar Wolbergs dem SPD-Ortsverein gewährt hatte geschaut und auf den Mailverkehr zur Bebauung des Nibelungenkasernenareals. Und es ging um Treffen, die es zwischen Wolbergs und dem Bauträger gegeben haben soll. Von 88 ist die Rede. Doch hier hakte Wolbergs sofort ein. Denn die erfassten Daten ließen diesen Schluss nicht zu. Es könnte sich ebenso um Telefonate gehandelt haben und viele der Treffen hätten im Zusammenhang mit dem SSV Jahn Regensburg stattgefunden, stellte er klar.

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Wie Wolbergs seinerzeit auf seine Festnahme reagiert habe, fragte Necknig nach. „Er war überrascht, sehr überrascht“, sagte der Ermittler. Es ist ein zentraler Punkt, auf den Verteidiger Witting immer wieder hinweist, wenn es um die Frage geht, inwieweit sich Wolbergs der möglichen Strafbarkeit dieser Spendenpraxis bewusst gewesen sei. Witting will mit einem Beweisantrag klären, wann innerhalb der SPD die Problematik erkannt worden sei. Die Staatsanwalt sieht hierfür keine Notwendigkeit. Es sei irrelevant und für das Urteil ohne Bedeutung, heißt es.