Nach schwerer Krankheit: Chamer Wirtin kämpft sich für Biergarten auf der Schanze zurück

„Der Biergarten ist für mich einfach eine Lebensaufgabe“, sagt Chipsi. Christine Babl, die Wirtin vom Biergarten auf der Schanz in Cham, hat schwere Monate voller Behandlungen hinter sich, wegen denen sie auch den Biergarten vorigen Sommer mitten in der Saison schließen musste. Sobald absehbar war, dass es gesundheitlich möglich war, plante sie die Wiedereröffnung.
„Es gibt nur einen Weg für mich: nach vorne“, sagt sie. Ihr Mann Andy und ihr Team werden ihr dabei helfen, auch die Neuerungen heuer umzusetzen. Stammgäste werden sich freuen: Chipsi wird sich in dieser Biergartensaison viel Zeit für die Gäste nehmen.
Diesmal ist die eiserne Tür hinauf zum Biergarten auf der Schanze nur kurz geöffnet – für den Pressetermin. Ab Mitte Mai – je nach Wetterlage – will Christine „Chipsi“ Babl die Saison eröffnen. „Wir müssen immer abwarten, bis es eine Woche lang 20 Grad hat, sonst ist es hier im Biergarten eiskalt“, erklärt sie und deutet hinauf zu den Baumkronen der großen Kastanienbäume. „Dafür ist es aber im Sommer bei 35 Grad dann angenehm kühl.“
Darauf freuen sich auch die vielen Gäste des alteingesessenen Biergartens auf der Schanze, wo schon vor weit über 100 Jahre die Chamer verköstigt wurden. Chipsi hat den Biergarten vor acht Jahren übernommen, aber zuvor schon jahrelang beim früheren Wirt Stephan „Fidi“ Fiedler als Bedienung gearbeitet. Im erlernten Beruf als Einzelhandelskauffrau hat Babl sich nie richtig aufgehoben gefühlt.
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Schon mit 16 hat sie damit begonnen, in der Gastronomie zu arbeiten – erst als Spülerin, bald als Bedienung. In Lokalen, auf Festen, im Biergarten, später dann während der Wintersaison in Österreich. Damit erklärt sich auch, wieso der Biergarten ihr während ihrer Genesungszeit geholfen hat. „Ich hab mich zurückgekämpft. Der Biergarten hat mich am Leben erhalten, mein Mann hat mir Kraft gegeben“, sagt sie.
Keine 18-Stunden-Tage mehr, mehr Kontakt mit Gästen
Ihrer Gesundheit Willen – „die ist am Ende wirklich das Wichtigste“ – wird die beliebte Wirtin auch etwas kürzer treten. „Ich kann natürlich keine 18 Stunden mehr arbeiten, zehn müssen reichen“, sagt sie. Sie hat sich bereits mit ihrem Mann und ihrem Team, von dem alle wieder zurückkommen, abgesprochen.
„Ich werde einige Aufgaben abgeben. Und wenn ich einmal eine Auszeit brauche, dann bin ich halt ein paar Tage nicht da“, kündigt sie an. „Das Personal ist unser ganzer Stolz, ohne die wären wir nichts“, sagt sie. Von über 30 Angestellten sei nur eine Bedienung, die schwanger geworden sei, erst einmal nicht wieder dabei zum Start im Frühjahr.
Schon im vergangenen Jahr hatte Andy Babl sein Personal gelobt: „Ein Drittel der Bedienungen ist von Tag 1 dabei, deshalb kann man sich hundertprozentig auf alle verlassen.“ Gerade eben dann, wenn seine Frau nicht im Vollgas-Modus arbeiten kann.
Die Wirtin übernimmt heuer neue Aufgaben
Weil Chipsi aber auch nicht nur Zuschauen kann, will sie sich heuer vor allem den Gästen widmen, auch einmal Zeit für einen Ratsch haben. Außerdem wird Chipsi sich verstärkt ums Platzieren der Gäste kümmern. Das habe sie sich von ihrem Chef in Österreich abgeschaut. „Der macht fast nichts anderes. Und es ist so wichtig.“
Ich hab mich zurückgekämpft. Der Biergarten hat mich am Leben erhalten, mein Mann hat mir Kraft gegeben.Christine Babl, Wirtin
Von vielen Stammgästen weiß sie, dass sie die Biergarteneröffnung herbeisehnen. „Viele haben tatsächlich auch in den letzten Monaten Kontakt gehalten, angerufen, nachgefragt, wie es mir geht, mir Glück gewünscht. Das war sensationell“, erzählt Chipsi. Ihr erster Post in den sozialen Medien vor drei Wochen, der ihre Rückkehr ankündigte, sei deshalb richtig durch die Decke gegangen.
„Davor hat die Gerüchteküche gebrodelt. Ich mache dauerhaft zu, hat es geheißen, oder der Biergarten wird von jemand anderem übernommen. Aber ich wollte immer zurück. Ich bin am Genesen, aber ich hoffe, dass es ganz gut wird. Ich brauche noch die paar Wochen bis zur Eröffnung, bis ich wieder völlig fit werde.“Aber sogar ihr Arzt habe gesagt: „Der Biergarten ist die beste Reha.“
Etliche Neuerungen in der neunten Saison
Auch auf der Karte wird es heuer einige Neuerungen geben, verrät Chipsi. Unter anderem soll es künftig auch regelmäßig Fisch geben. „Und viel mehr alkoholfreie Getränke. Unter anderem wird es alle Spritzsorten alkoholfrei geben.“ Aufgrund ihrer guten Kontakte in Österreich habe sie dafür die beste Ware erhalten, „man kennt da einfach den Unterschied“.

Beim Probe-Trinken bei ihr zuhause mit dem Team seien alle begeistert gewesen – ein gutes Zeichen, wie die Chefin findet. Auch Kartenzahlung wird heuer routinemäßig möglich sein. „Eigentlich war das im vergangenen Jahr schon möglich, aber da haben wir es nicht so publik gemacht“, sagt Babl. Wenn es ihr gut genug geht, planen die Babls auch heuer wieder einige Events im Biergarten. „Vor allem das Biergarten-Volksfest, da fragen die Leute auch danach.“
Große Freude auf die neue Biergartensaison
Es ist ihr anzusehen: Sie freut sich riesig auf ihre neunte Saison als Wirtin auf der Schanze. „Gottseidank habe ich so viele positive Gedanken, die habe ich nie verloren. Ich habe gekämpft für meinen Mann und für den Biergarten. Ohne den Biergarten wäre ich nichts, das wäre mein Untergang.“
Derzeit steckt Chipsi noch in den Vorbereitungen – Büroarbeiten und Organisation. „Wir haben auch wieder regionale Partner, mit denen wir zusammenarbeiten.“ Ab Ende April geht es dann los mit Großputz in der Küche, Vorkochen, Sandstrahlen der Biergartenmöbel. „Es wird auch wieder schlechte Tage geben, aber jeder Tag mit dem Biergarten ist ein guter Tag“, sagt Chipsi, schaut sich im – derzeit noch kahlen – Biergarten um, und grinst übers ganze Gesicht.
■ Der Biergarten auf der Schanze hat ab voraussichtlich Mitte Mai bei schönem Wetter Montag bis Sonntag von 16 bis 22 Uhr geöffnet. „Mittags schaffen wir leider nicht mehr“, sagt Babl. Über die Sozialen Medien können die Gäste erfahren, ob geöffnet ist.