Bürgerliste gegen CSU: Erstaunliche Erkenntnisse des Wahlabends in Berching

Thomas Frölich (CSU) und Dietmar Zeller (BL) analysieren das deutliche Wahlergebnis der Bürgermeister-Stichwahl in Berching. Welche unterschiedlichen Gründe sie dafür anführen, wer in welchen Orten gepunktet hat und wer mit wem gefeiert hat, zeigt unsere Analyse.
Welche Erklärung gibt es für den Ausgang der Wahl?
Für Zeller war ausschlaggebend, dass die Bürgerliste ihre Strategie im Wahlkampf durchgezogen habe. „Wir mussten und wollten unseren Kurs nicht ändern.“ Die Bürgerliste sei ihren Weg gegangen, mit Kontinuität und Verlässlichkeit. „Die Kontinuität war hauptausschlaggebend“, meint Zeller.
Er habe sich im Wahlkampf nicht verstellt. „Unsere Prämisse war: Ich mache so Wahlkampf wie ich bin.“ Und Zellers Art habe offenbar einen guten Eindruck auf die Wähler gemacht. Denn inhaltlich war er – im Gegensatz zu Lothar Bierschneider von den Freien Wählern – bei den grundlegenden Themen mit Peter Hollweck auf einer Wellenlänge.

Das sieht auch Thomas Frölich, der Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes, so. Er war hauptverantwortlich für den Wahlkampf der Berchinger CSU. Bei den Gründen, warum Hollweck die Wahl deutlich verloren hat, könne Frölich nur spekulieren. Er meint aber, dass der Wohnort der Kandidaten entscheidend war. „Mit der Arbeit des auswärtigen Amtsinhabers waren viele anscheinend nicht so zufrieden“, sagt der CSU-Vorsitzende über den CSU-Bürgermeister Ludwig Eisenreich. Die Wähler hätten laut Frölich nun einen Mann aus ihrer Gemeinde als neuen Bürgermeister in Berching haben wollen.
War der Bruch innerhalb der CSU ausschlaggebend?
Dass es in der Vergangenheit innerhalb der CSU-Stadtratsfraktion unterschiedliche Meinungen gegeben hat, streitet Frölich nicht ab. „Aber von unserem Wahlkampfteam kann ich nicht bestätigen, dass wir zerstritten waren oder sind“, betont Frölich. Er habe jetzt drei Wahlkämpfe mitgemacht. „Und ich habe noch nie so ein gutes Team erlebt wie bei dieser Wahl.“
Nach der Auszählung und dem Aufeinandertreffen der Bürgermeisterkandidaten in der Kulturhalle seien alle aus dem Wahlkampfteam, die Zeit hatten, noch in die Kneipe gekommen, in der Hollweck die Ergebnisse verfolgt hat. Während der Auszählung waren aber immer mehr aktuelle CSU-Stadträte und Kandidaten, die auf der CSU-Liste standen, in der Kulturhalle erschienen. Dort hatte die Stadt die Ergebnisse an die Leinwand geworfen. Überwiegend waren dort Anhänger der Bürgerliste zu finden – und der CSU-Bürgermeister. Eisenreich hatte lange Zeit neben Bürgerliste-Kandidat Zeller Platz genommen – um ihm nach dem Sieg als einer der ersten freudestrahlend zu gratulieren.
Zeller betont, nicht er habe die Wahl gewonnen – sondern sein starkes Team.
Welcher Kandidat wo am meisten gepunktet hat
Wie erwartet, räumte Zeller in seinem Wohnort Pollanten am meisten ab (95 Prozent). Auch in Erasbach (89 Prozent) und Rappersdorf-Ernersdorf (83 Prozent) war der Ortssprecher aus Pollanten besonders erfolgreich.
In der CSU-Hochburg Staufersbuch dagegen bekam der künftige Bürgermeister die wenigsten Stimmen. Dort wählten über 75 Prozent Peter Hollweck – was am Wahlabend in der von der Bürgerliste eingenommenen Kulturhalle für ein Raunen sorgte.
Hat die CSU den richtigen Kandidaten für Berching aufgestellt?
Diese Frage stellt sich auch Thomas Frölich nach der Wahl, wie er sagt. „Aber man kann nur jemanden aufstellen, der auch kandidieren möchte.“ Wunschkandidat Christian Meissner hatte auf eine Kandidatur verzichtet. Er war Stimmenkönig bei der Stadtratswahl. Angesichts dessen sei Hollweck für Frölich der richtige Kandidat gewesen.

Er bedankt sich bei ihm sowie allen Kandidaten auf der CSU-Liste. „Alle haben das großartig gemacht. Keiner kann sich etwas vorwerfen lassen“, sagt Frölich, der den Wahlkampf wieder so aufziehen würde. Er sei gut, sachlich und fair gewesen. Das sei wichtig, denn im Stadtrat müssen die Fraktionen nun zusammenarbeiten.
Auch Zeller blickt voraus. Er habe schon erste Termine im Rathaus ausgemacht. „Meine Gedanken sind jetzt schon bei der Arbeit.“