Ehrengäste packten in Wäscherei und Küche an: Aktionstag im Haus des Guten Hirten in Schwandorf

Von Renate Ahrens · 20. März 2026 um 11:00

Mit einem Aktionstag wurde im Haus des Guten Hirten in Schwandorf zum zweiten Mal vom Träger, der Katholischen Jugendfürsorge, der Josefstag begangen. Er stand in diesem Jahr unter dem Motto: „Du gehörst dazu! Stärken, was Zuversicht schafft.“ Ehrengäste aus Politik und Kirche arbeiteten gemeinsam mit dem Jugendparlament, das die rund 70 Auszubildenden vertritt. Dabei sprachen sie über Wünsche und Sorgen der jungen Menschen – und hatten bei der Arbeit jede Menge Spaß.

Oberbürgermeister Andreas Feller, stellvertretender Landrat Richard Tischler, Stadtpfarrer Christian Kalis, Siegfried Bäumler, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Schwandorf, Johannes Magin, Abteilungsleiter der Katholischen Jugendfürsorge, und Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg, zeigten sich beeindruckt vom Konzept des Zen-trums für Berufsvorbereitung und berufliche Ausbildung. Jeder kann hier in seinem Tempo lernen und berufliche Fähigkeiten erwerben. Dabei geht es nicht nur um fachliche Fertigkeiten, sondern auch um soziale Kompetenzen wie Teamarbeit und Eigenverantwortung.

Praktische Erfahrungen sammelten die Ehrengäste gleich selbst: In der Wäscherei, in der Gärtnerei, in der Hauswirtschaft und in der Küche halfen sie tatkräftig mit. „Kochen wäre noch das Einfachste“, sagten die Gäste übereinstimmend, während Bügeln auf der Beliebtheitsskala ganz unten stand. „Fenster putzen könnte ich durchaus“, überlegte Oberbürgermeister Feller schmunzelnd. Die Gäste erfuhren hautnah, wie anspruchsvoll die Arbeit in den verschiedenen Abteilungen ist und wie viel Organisation und Präzision nötig sind.

Jugendliche erhalten besondere Unterstützung

Das Haus des Guten Hirten bietet Jugendlichen die Möglichkeit, Ausbildungsberufe kennenzulernen und eine qualifizierte Ausbildung zu absolvieren – auch denjenigen, die besondere Unterstützung brauchen, sei es aufgrund einer Beeinträchtigung oder eines schwierigen Starts ins Leben. „Man lernt bei uns die echten Anforderungen der Arbeitswelt kennen“, betonten Berufsschulleiter Tobias Mandl und Gesamtleiterin Frauke Riegelsberger-Ganglmeier. Jede Abteilung funktioniert wie ein eigener Betrieb und ermöglicht eine praxisnahe Ausbildung mit Kundenbezug. Die Auszubildenden beraten Kunden und lernen, Abläufe selbstständig zu koordinieren.

Ziel ist, nach Abschluss als Fachpraktiker oder -Werker einen Arbeitsplatz zu erhalten – ein Ziel, das Christine Rester, Bereichsleiterin Ausbildung, bestätigt: Im vergangenen Jahr lag die Vermittlungsquote nach ihren Worten bei 100 Prozent, insbesondere in Engpassberufen, für die händeringend Fachkräfte gesucht werden. „Es ist wichtig, dass die jungen Menschen Verantwortung übernehmen und selbständig arbeiten, aber im Haus des Guten Hirten ohne Zeitdruck“, erklärte Rester.

Der tiefere Sinn dieses Aktionstags ist es, die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig die Ausbildung im Haus des Guten Hirten ist.Siegfried Bäumler, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Schwandorf

Ein Los entschied am Josefstag, an welchem Platz die Ehrengäste mitarbeiten sollten. In der Küche zeigten die Auszubildenden Oberbürgermeister Feller, wie man einen Vorspeisensalat aus Tomaten mit Mozzarella und hausgemachter Basilikum-Crema zubereitet und anrichtet. „Man lernt hier viel, zum Beispiel Wäsche waschen, Kuchen backen, kochen oder den Tisch decken“, berichtete Manuela Schmidt, die im ersten Ausbildungsjahr zur Fachpraktikerin in der Hauswirtschaft ist. Die 20-Jährige lebt in einer Wohngruppe des Hauses, in der sie auch in der Freizeit von einem professionellen Team unterstützt wird. Wohnbereichsleiterin Lisa Dirmeier beschreibt die Atmosphäre fast wie in einer Familie. Auch Auszubildende Susana Deckert (18) bestätigte, dass man hier sowohl in der Arbeit als auch in der Wohngruppe wichtige Fähigkeiten fürs Leben erlerne.

OB Feller nahm ebenfalls praktische Erkenntnisse mit: „Bei so vielen Portionen, die vorbereitet werden, ist es wichtig, strukturiert zu arbeiten“, sagte er und verteilte das Dressing auf die Teller. Richard Tischler und Michael Eibl hatten sichtlich Spaß in der Wäscherei, wo die Tischwäsche für das gemeinsame Mittagessen gemangelt wurde. „Wer kleckert, wird bestraft“, scherzte Tischler, während er die Tücher akkurat zusammenlegte.

Ein süßer Schwan als krönender Abschluss

Pfarrer Kalis nutzte die vorbereitete Tischwäsche, um die Tische sorgfältig zu decken. Johannes Magin hatte währenddessen in der Gärtnerei die Blumendekoration angefertigt, die den Tischen den letzten Schliff verlieh. Am Ende genossen alle gemeinsam das dreigängige Menü, das die Jugendlichen mit ihren Ausbildern – und den Ehrengästen – zubereitet hatten.

Auch Sorgen der Schüler kamen zur Sprache, etwa die Kosten für den Führerschein. „Im Beruf muss man flexibel sein“, berichtete Felix Walter, der eine Malerausbildung absolviert. Seine Arbeit mache ihm viel Freude, sagte der 20-Jährige, der freiwillig auch samstags ein Praktikum bei der Schwandorfer Malerei Gruber absolviert, denn sein Traum ist es, Kirchenmaler zu werden.

Pfarrer Kalis betonte die Bedeutung des kirchlichen Engagements: „Viele wissen gar nicht, was wir leisten, ob in der Seniorenpflege oder in der Kinderbetreuung. Vieles ist selbstverständlich.“ Die Qualität der Ausbildung im Haus des Guten Hirten überzeugte die Ehrengäste: Jede Abteilung vermittle praxisnahes Wissen und bereite die Jugendlichen optimal auf das Berufsleben vor.

Ein Höhepunkt des Tages war die liebevoll zubereitete Nachspeise: ein süßer Schwan aus Brandteig, angerichtet mit zweierlei Cremes, frischen Früchten und hausgemachtem Eis – eigens für den Josefstag kreiert.

In der Wäscherei packten Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg, und stellvertretender Landrat Richard Tischler, mit an. Renate Ahrens - Foto: Renate Ahrens