Schwarz gegen Rot: So liefen die Regensburger Stichwahlen bisher

Es ist das fünfte schwarz-rote Duell ums Oberbürgermeisteramt, das sich am Sonntag Astrid Freudenstein (CSU) und Thomas Burger (SPD) liefern – und das vierte in Folge. Der Blick in die städtische Wahlstatistik und ins MZ-Archiv zeigt, wer in der zweiten Runde aufholte und wer bislang bei einer Stichwahl die meisten Stimmen gewann.
Die Stichwahl 2020 war ein Wahlkrimi der besonderen Art. Während die Regensburger bei der ersten Runde noch ins Wahllokal durften, fand der zweite Durchgang wegen Corona nur per Briefwahl statt, die Unterlagen kamen automatisch ins Haus. Die Wahlbeteiligung lag mit 55,6 Prozent zum ersten Mal bei einer Stichwahl in Regensburg höher als im ersten Durchgang (52,7 Prozent), das Ergebnis kam wegen des Auszählens nach strikten Corona-Regeln erst am Dienstag.
Auch Maltz-Schwarzfischer lag anfangs deutlich hinten
Am Ende war die jetzige Noch-Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) mit 50,7 Prozent der Stimmen vorn, ihre Konkurrentin, die jetzige Sozialbürgermeisterin Freudenstein, unterlag mit 49,3 Prozent. In der ersten Runde hatte sie noch mit 29,5 Prozent vorn gelegen, Maltz-Schwarzfischer hatte da 22,2 Prozent der Stimmen bekommen – gut drei Prozent mehr als jetzt Burger. Bei Freudenstein jedenfalls rief der erste Wahlabend 2026 Erinnerungen wach. „Ich habe das ja alles schon einmal erlebt“, sagte sie vor eineinhalb Wochen im Marinaforum.
Sechs Jahre früher war Joachim Wolbergs (damals SPD) in der Stichwahl ein „Erdrutsch-Sieg“ gelungen, so titelte auch die MZ. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 46,2 Prozent, so reichten 35.221 Stimmen für 70,24 Prozent. Schon im ersten Durchgang war sie mit 49,7 Prozent deutlich geringer gewesen als bei der Kommunalwahl 2026 (57,7 Prozent). Bernadette Dechant, schon damals CSU-Stadträtin, sprach von einem „Waterloo“ für ihre Partei. Nach jahrelangem internen Streit hatte Noch-Oberbürgermeister Hans Schaidinger den Kandidaten Christian Schlegl wenige Wochen vor der Wahl im Presseclub demontiert. Dort hatte er sich von Schlegls Idee eines unterirdischen Bustunnels durch die Altstadt distanziert und seinen Vorschlag eines kostenlosen zweiten Kindergartenjahres als „Subventionierung der Wohlhabenden“ kritisiert.
2008 hatte Wolbergs, damals Sozialbürgermeister, noch den Kürzeren gezogen gegen Schaidinger mit 47,9 Prozent zu 52,1 Prozent. Damals schrieb die MZ von einem „knappen Sieg“ der CSU bei einer Wahlbeteiligung von knapp 42 Prozent.
Ludwig Artinger sprach 2008 vom „Duell der Verlierer“
Von einem „Duell der Verlierer“ sprach vor diesem Hintergrund der heutige Umwelt-Bürgermeister Ludwig Artinger (Freie Wähler). Schaidinger selbst geißelte die „vielen Kampagnen“ gegen ihn; schon 2008 war die CSU von internen Konflikten geprägt.
1990 dagegen war sich die CSU ihrer Sache sicher gewesen. „Unerklärlich“ nannte es ein CSU-Vertreter, dass SPD-Frau Christa Meier zuerst mit 46,1 Prozent vorne lag gegen Amtsinhaber Friedrich Viehbacher (43,8 Prozent). Doch Meier konnte in der ersten Oberbürgermeister-Stichwahl in der Nachkriegsgeschichte Regensburgs ihr Ergebnis noch steigern auf 55,9 Prozent, während ihr Konkurrent prozentual nur wenig zulegte (44,1 Prozent). So viele Stimmen wie Meier – nämlich 35.312 – bekam bislang niemand mehr in einer OB-Wahl in Regensburg. Meier wurde die erste Oberbürgermeisterin einer bayerischen Großstadt. Eine Quittung für das „arrogante“ Verhalten der CSU nannte sie ihren Sieg. Die MZ betonte damals, was heute üblich ist in Großstädten: dass die Wahlsiegerin „im Regensburger Stadtrat keine Mehrheit für ihre Partei vorfinden wird“. 1990 bekam die SPD übrigens knapp 36 Prozent der Wählerstimmen und 19 der 50 Sitze im Stadtrat. Heute hat sie sechs Sitze – allerdings gibt es mit elf Gruppierungen im künftigen Stadtrat fast doppelt so viele wie damals, als es sechs waren. Auch 1990 war die Wahlbeteiligung im ersten Durchgang höher als im zweiten, damals lag sie aber auch da noch bei mehr als 65 Prozent. Als mehr politische Vielfalt einkehrte, wurde die Stichwahl zur Regel.
Burger müsste jetzt – bei gleicher Wahlbeteiligung wie am 8. März – mehr als 20.000 Stimmen hinzugewinnen, um OB zu werden. So groß war die Kluft zwischen den Kandidaten noch nie, allerdings hatten sich die Stimmen in der ersten Runde auch noch nie auf zwölf Bewerber verteilt.