Wo die Stichwahl um den Regensburger OB-Stuhl gewonnen wird

Von Christian Eckl · 13. März 2026 um 19:00

Für beide Kandidaten geht es jetzt um alles. Die Voraussetzungen für die Stichwahl am 22. März und die Frage, wer Regensburg regiert, könnten unterschiedlicher nicht sein. Eine Analyse der ersten Wahlrunde zeigt: Hier müssen die beiden Kandidaten Astrid Freudenstein (CSU) und Thomas Burger (SPD) ihre Wähler mobilisieren oder diejenigen überzeugen, die zuletzt einen anderen Kandidaten gewählt haben.

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■ So viele Stimmen mehr brauchen die zwei Kandidaten für den Sieg:

Eine Stichwahl wird aber nicht nur angesichts des Geschlechts oder des bisherigen Abstimmungsverhaltens entschieden. Fraglich ist, wer mobilisiert das eigene oder nahestehende Lager? Zunächst zu den nackten Zahlen. Freudenstein erreichte im ersten Wahlgang mit 37,5 Prozent 25 068 Stimmen. Burger kam auf 12 774 Stimmen und 19,1 Prozent. Würde man ihm alle Grünen-Stimmen zurechnen, würde er gleichziehen. Die Frage ist: Wählen alle, die eine grüne Kandidatin gewählt haben, auch ihn als SPD-Mann? Insgesamt gaben die Regensburger 66 875 gültige Stimmen ab. Freudenstein und Burger ringen also um etwa 30 000 Stimmen. Davon bräuchte Freudenstein 7000, um die absolute Mehrheit bei gleicher Wahlbeteiligung zu erringen. Burger bräuchte mindestens 20 000.

■ Wahlbeteiligung: Steigt sie und wenn ja, zu welchen Gunsten?

Freudenstein war bereits in einer Stichwahl. Damals errang sie im ersten Wahlgang 17 864 Stimmen. Ihre Gegenkandidatin als Amtsinhaberin kam auf 13 416. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,7 Prozent (diesmal waren es 57,7). Bei der Stichwahl 2020 aber gaben deutlich mehr Wähler ihre Stimme ab als beim ersten Wahlgang. Das SPD-Lager konnte für diese also auch Nicht-Wähler mobilisieren. Am Ende erreichte Freudenstein damals 31 525 gegen 32 471 Stimmen der Amtsinhaberin, die damit wiedergewählt wurde.

■ Welche Rolle spielen die AfD-Wähler, die 9,3 Prozent der Stimmen bekamen?

Eine Rolle dürften auch die AfD-Wähler spielen. Denn sie konnten auf dem Stimmzettel nicht für einen Kandidaten der Partei abstimmen, der sie aber Stadtratsstimmen gaben. 9,3 Prozent errang die Rechtsaußen-Partei. Ihr bestes Ergebnis erreichte sie in der Konradsiedlung. Hier kam die Partei auf 29,2 Prozent der Stimmen und damit auf mehr als die CSU (28,67). Die SPD erreichte lediglich 6,9 Prozent. Wenig überraschend ist, dass Freudenstein ebenfalls mit 45,13 Prozent der Stimmen ein Ergebnis bekam, das deutlich über dem des Stadtschnitts lag. Eine zentrale Frage für sie wird also sein: Gehen AfD-Wähler auch zur Stichwahl?

■ Wo Freudenstein und Burger in den Wahllokalen punkteten:

Jeder der Kandidaten hat Stadtteile, in denen er schlechter oder besser abgeschnitten hat. In der Altstadt kam Freudenstein auf 18,14 Prozent, Burger auf 19,43, die Grüne Helene Sigloch lag mit 34,59 Prozent vorne. Hier die weiteren Ergebnisse in den Stadtteilen, berücksichtigt sind natürlich nur die Stimmen, die in den Wahllokalen abgegeben wurden, da die Briefwahlbezirke, die immer wichtiger werden, nach zeitlichen Kriterien und nicht nach Wohnsitz der Wähler geordnet sind. In Stadtamhof kam Freudenstein auf 32 Prozent zu 18,7 Prozent für Burger. In Steinweg wählten 26,6 Prozent Freudenstein. Burger kam auf 17,23 Prozent in der ersten Wahlrunde. In Sallern kam Freudenstein auf 46,2 Prozent, Burger nur auf 14,48 Prozent der im Wahllokal abgegebenen Stimmen. In der Konradsiedlung konnte Freudenstein 45,13 Prozent der Stimmen einfahren, Burger nur 11,88. Auch am Keilberg dominierte Freudenstein mit 47,8 Prozent zu 19 Prozent, in Reinhausen mit 40,9 zu 15 Prozent, in Weichs mit 45,47 Prozent zu 15,23 und in Schwabelweis mit 44,5 zu 18,4 Prozent.

Das Ostenviertel war stark geteilt: In einem Stimmbezirk kam Freudenstein nicht einmal auf 20 Prozent, ein paar Straßenzüge weiter kam sie auf 47,4 Prozent. Insgesamt vereinigte sie 34,23 Prozent der Stimmen, Burger 20,53. Ein ähnliches gespaltenes Bild bietet sich im Kasernenviertel, insgesamt kam Freudenstein auf 31,56 Prozent, Burger auf 17,98. Am Galgenberg überholte Burger Freudenstein, sie kam auf 23,3, er auf 26,5 Prozent der Stimmen. Dieses Ergebnis markierte auch Burgers stärkstes in einem Stadtteil. Selbst in Kumpfmühl, wo er wohnt, kam er mit 23,99 Prozent zwar auf ein Ergebnis über seinen Schnitt in der Gesamtstadt, doch auch Freudenstein holte hier 22,57 Prozent. In Königswiesen-Dechbetten-Großprüfening kam Freudenstein auf 38,27 Prozent, Burger auf 19,77. Im großen Westenviertel, in dem mehr als 20 der insgesamt 122 Stimmbezirke liegen, kam Freudenstein auf 36,09, Burger auf 19,48 Prozent der im Wahllokal abgegebenen Stimmen. In Burgweinting, ebenfalls ein einwohnerreicher Stadtteil, kam Freudenstein auf überdurchschnittliche 41,86, Burger lediglich auf 15,62 Prozent der Stimmen. In Oberisling stimmten 42,03 Prozent für Freudenstein und 24,33 Prozent für Burger.

■ Welche Rolle spielen die Wähler bei der Briefwahl?

Bei Kandidat Thomas Burger machte der Unterschied zwischen Briefwählern und Wählern im Wahllokal nur einen marginalen Unterschied aus. Bei den Urnenwählern bekam er 19,0 bei den Briefwählern 19,2 Prozent. Bei Astrid Freudenstein sieht das anders aus: Sie kam bei Briefwählern auf 39,8 Prozent der Stimmen, an der Urne auf 34,8.

■ Wahltaktik: Wer könnte mit wem in eine Koalition?

Mancher Wähler überlegt wohl auch, welche Mehrheitsmöglichkeiten der jeweilige Kandidat hätte. Sollte die CSU auf Burgers SPD angewiesen sein für eine Koalition, könnte der SPD-Mann trotz einer Niederlage noch Bürgermeister werden. Für Freudenstein eine eher unwahrscheinliche Konstellation im Falle einer Niederlage, denn Burger würde wohl ein linkes Bündnis schmieden. Sicher ist: Die Suche nach Partnern wird herausfordernd.