Das ist die Regensburger Nachbarschaft, in der 46 Prozent die AfD gewählt haben

Die Mittelbayerische hat die Daten der Wahl analysiert: 122 Wahlbezirke gibt es in Regensburg. Sie sind verteilt auf 44 Wahllokale. Zwar kann man die Bezirke nicht trennscharf den Stadtteilen zuordnen, aber herunterbrechen, in welcher Gegend von Regensburg wie gewählt wurde. Zwei Stadtteile überraschen ganz besonders
Haben Sie sich schon mal gefragt, wie Ihre Nachbarn wählen? Wahlen liefern wunderbare Daten. Man muss sie nur auswerten. Im Folgenden werden die Stadtratsergebnisse auf die 18 Stadtteile heruntergebrochen. Das ist nicht ganz exakt, denn immer mehr Briefwähler verfälschen das Ergebnis. Und die Briefwahlbezirke werden nach Eingang der Unterlagen, nicht nach der Herkunft des Wählers festgelegt. Und doch bieten die Daten aller Wähler, die ihre Stimmen im Wahllokal in ihrem Stadtteil abgegeben haben, ein interessantes Bild. Es zeigt aber auch: Regensburg ist eine gespaltene Stadt – zumindest politisch.
■ Die Wähler in der Altstadt und in Stadtamhof wählen links der Mitte
13,1 Prozent für die CSU, 5,3 Prozent für die AfD, dafür 28,15 Prozent für die Grünen, knapp zwölf Prozent für die SPD und mehr als 13,5 Prozent für die Linke: Klar, die Altstadt und der Stadtteil Stadtamhof wählen eher links der Mitte. In zwei der insgesamt 15 Wahlbezirke im Welterbe-Areal erreicht die CSU nicht einmal ein zweistelliges Ergebnis. Dafür gibt es hier kein Wahllokal, in dem nicht jeder vierte Wähler sein Kreuz bei den Grünen gemacht hat. In der Gerhardingerschule machen die Grünen dann auch mit 32,1 Prozent ihr bestes Wahlergebnis am Sonntag.
■ Die Steinweger sind schon deutlich gespaltener in ihrem Wähler-Votum
Zwar legen die Grünen in Steinweg mit 23,53 Prozent auch ein deutlich besseres Ergebnis als in der Stadt insgesamt hin. Doch auch die AfD kommt mit 12,3 Prozent der Stimmen auf ein Ergebnis, das deutlich höher ist als die 9,3 Prozent, die sie im gesamten Stadtgebiet eingefahren haben. Auch die Linke ist mit mehr als 9,5 Prozent in Steinweg stärker als im Stadtgebiet (7,2 Prozent). Die CSU ist mit 16,7 Prozent der im Wahllokal abgegebenen Stimmen unter ihrem Stadtwert.
■ Sallern wählt konservativer, die AfD profitiert davon auch
Deutlich stärker schneidet die CSU in Sallern ab. Hier wählten 32,98 Prozent der Wähler die konservative Partei in den Stadtrat. Die Grünen kommen hier aber immer noch auf 13,26 Prozent, die AfD holt sich 17,40 Prozent. Insgesamt wählen die Sallerner deutlich häufiger rechts der Mitte als die Bewohner des Stadtkerns. In einem Stimmbezirk holt sich die CSU sogar 46,3 Prozent der Stimmen – das beste Ergebnis der CSU in der Stadt.
■ Die Konradsiedlung ist der Gegenentwurf zum links wählenden Stadtkern
Es scheint, als würden die Konradsiedler in einer anderen Stadt leben, vergleicht man sie mit den Innenstadt-Bewohnern: Hier kommt die AfD insgesamt auf 29,2 Prozent der Stimmen und überholt damit sogar die CSU, die auf lediglich 28,67 Prozent kommt. Fast jeder dritte Konradsiedler hat seine Stimme rechts der Mitte abgegeben. Den stadtweit höchsten Wert mit 46 Prozent erreicht die Rechtsaußen-Partei dabei im Stimmbezirk 24. Der umfasst die Bewohner der Pommern- und der Brandenburgerstraße. Zum Vergleich: Die SPD, die seit 2008 an der Stadtregierung beteiligt ist, kam im selben Wahlbezirk auf nur noch fünf Prozent. Der nächsthöhere Punkt ist der Keilberg. In diesem Stadtteil wählten nur etwa halb so viele Menschen die AfD, nämlich 16,65 Prozent. Hier liegt die CSU unbestritten vorne mit 30,8 Prozent. Aber auch die SPD ist stärker als ihr Ergebnis in der Stadt mit 12,2 Prozent und kommt auf 15,35 Prozent der Stimmen.

■ In Burgweinting leben völlig unterschiedliche Welten nebeneinander
In völlig unterschiedlichen Welten leben wohl die Burgweintinger. Dort gibt es neben den hoch dotierten Häusern eben auch Blocks, in denen sozial Schwächere leben. Das beste Wahlergebnis hat die AfD hier eingefahren: Im Stimmbezirk 119, der Röntgenstraße, wählten 46,3 Prozent der Wähler im Wahllokal in der Friedrich-Viehbacher-Allee die Rechtsaußen-Partei. Hier kommen die Grünen auf 6,4 Prozent. Die Linke schneidet mit 10,2 Prozent ebenfalls sehr stark ab – damit wählen mehr als 56 Prozent aller Wähler hier Parteien, die am extremen Rand des politischen Spektrums stehen. Die Wähler, die von ein paar Häusern weiter kommen, wählen demgegenüber mit etwa 20 Prozent die Grünen. In keinem anderen Stadtteil geht die Kluft der Wahlentscheidungen so weit auseinander.
■ Eine Linken-Hochburg mitten im Kasernenviertel – und sehr diverse Wähler
Die Linken indes kommen in einem anderen Stadtteil, der eher von den Extremen gekennzeichnet ist, auf Spitzenwerte. Im Wahlbezirk 52 in der Pestalozzischule wählen zwar nur 11,8 Prozent die CSU. Absolute Wahlsieger sind hier aber die Linken: Mit 22,1 Prozent der Stimmen kommen sie hier auf ein so hohes Wahlergebnis wie in keinem anderen Stimmbezirk. Auch die AfD geht hier mit 15,2 Prozent aus der Wahl. Doch im Kasernenviertel, dem Stadtteil, indem auch das Ankerzentrum untergebracht ist, ist die Bandbreite größer als in anderen Stadtteilen. Ein Beispiel: Nur wenige Straßen weiter ist ein Wahlbezirk eingeteilt, in dem die AfD auf 27,2 Prozent der Stimmen kommt. Und von wenigen Metern weiter kamen die Wähler ins Wahllokal, die mit 27,7 Prozent die Grünen gewählt haben. Kaum ein anderer Stadtteil wählt so divers wie das Kasernenviertel – was wohl auch an der Diversität der Bevölkerung liegt.
■ Königswiesen und Großprüfening – auch hier zwei Welten nebeneinander
Fast so unterschiedlich wie im Kasernenviertel wählen die Regensburger im Stadtteil Königswiesen, Dechbetten und Großprüfening. Auch hier kann man die Grenze genau an der Architektur der Häuser und ihren Bewohnen festmachen. In der Friedrich-Ebert-Straße entschieden sich beispielsweise 36,8 Prozent der Wähler für ein Kreuz bei der AfD. Rund um den Königswiesenpark und der westlichen Kirchmeierstraße waren es noch 27,7. Das Gegenteil findet man, wenn man ins Wahllokal Blindeninstitut schaut: Das gehört zwar formal zum selben Stadtteil, hier gaben aber beispielsweise lediglich 3,8 Prozent der Wähler vom Sinzingerweg ihre Stimme der AfD.
■ In Oberisling-Graß hat die SPD eine Hochburg – in Kumpfmühl auch
Fans findet aber auch die SPD – und zwar in Oberisling-Graß. Im Bezirk 103 wählten immerhin 20,2 Prozent die Sozis – stadtweit ihr bestes Ergebnis. Gefolgt von einem Bezirk in Kumpfmühl, der ziemlich eng mit dem OB-Kandidaten Thomas Burger verbunden sein dürfte. Insgesamt verteilen sich die Stimmen auf die Parteien in Kumpfmühl am regelmäßigsten. Hier schneidet die CSU mit 23,62 Prozent der im Wahllokal abgegebenen Stimmen zwar unterdurchschnittlich ab. Die AfD kommt hier auf 12,05 Prozent, die SPD auf 14,06 und die Grünen kommen auf 18,82 Prozent der Stimmen.

■ Zwei Stadtteile verteilen ihre Gunst an CSU und Grüne gleichermaßen
Wenig überraschend dominierten die Grünen im Wahllokal der OTH am Galgenberg die Wahl, sie kamen auf etwa 25 Prozent und waren dort stärkste Kraft. Der kleine Stadtteil Kager-Winzer zeichnet sich durch starke CSU-, aber auch Grünen-Zustimmung aus. Ähnlich wie in Oberisling, wo sich die Wählergunst auf diese beiden Parteien verteilte.
■ Hier schnitten die jeweiligen Parteien am stärksten ab
Wechselt man den Fokus und schaut auf die Wahllokale, die für die jeweiligen Parteien am ertragreichsten waren, dann ergibt sich folgendes Bild: Die CSU räumte in einem Bezirk in Sallern ab. Bei den Freien Wählern war es mit 9,2 Prozent ein Wahlbezirk in Großprüfening. Die AfD fuhr mit 46,3 Prozent in Burgweinting ihr bestes Ergebnis ein. Die Grünen in Stadtamhof mit 32,1 Prozent. Die SPD holte in Oberisling-Graß 20,2 Prozent. Die Brücke gewann in einem Wahlbezirk in der Altstadt mit 15,6 Prozent ihr bestes Ergebnis. ÖDP-Fans mit 13,4 Prozent kamen aus dem tiefen Westen im Wahllokal Blindeninstitut. 6,6 Prozent wählten dort die ansonsten abgeschlagene FDP. Die Linke holte im Kasernenviertel 22,1, in zwei Altstadt-Wahlbezirken jeweils über 20 Prozent und rangierte auch ansonsten in zahlreichen Wahlbezirken in der Innenstadt deutlich über 15 Prozent. Und sogar die CSB von Christian Janele fand im Neubaugebiet am Brandlberg mit 4,1 Prozent mehr Anhänger als im Stadtgebiet. Die Partei ist nicht mehr im Stadtrat vertreten. Volt, die relativ junge Partei mit deutlich EU-freundlicher Ausrichtung, kam im Kasernenviertel auf 6,2 Prozent. Die Partei wird mit zwei Stadträten ins Gremium einziehen.